Kaiserslautern Einfach der Wahnsinn, Tag für Tag

Wenn Pubertierende kontern, gibt es eine Standardfloskel, nein, ein richtiges Totschlagsargument in der Familie von Sven Hieronymus: „Als ob!“ Der Rocker, inzwischen in die Jahre gekommen, hat es wirklich nicht leicht, das wurde schnell klar, wenn man seine Show am Donnerstag in Ramstein verfolgt hat.
Schon vor Beginn der Show tönte zu fetziger Musik eine Ansage aus dem Off und bat die 420 Gäste darum, den vielgeplagten Mann pfleglich zu behandeln, wenn er zu seinen einzigen Freunden – den Gästen seiner Show – komme. Man war gespannt. Und merkte schnell: So ein Rockerleben ist nicht ohne. Pubertierende Nesthocker, Selfie-Sucht, Fitnessfimmel und allgegenwärtige Apps – so manche Dinge sind einfach der Wahnsinn, Tag für Tag. „Das hier ist Erholung für mich, weil jeder von Ihnen zehnmal normaler tickt als meine Familie“, begrüßte der Rocker seine Fans. „Meiner Frau geh’ ich auf die Nerven, meine Tochter findet mich doof, und mein Sohn hasst mich.“ Nach Gemütlichkeit im trauten Heim klang das nicht, machte aber neugierig. Und kam den Besuchern wohl auch irgendwie bekannt vor. Locker vom Hocker plauderte der Rocker dann über sein Leben. Seine Tochter wolle ausziehen und ohne ihren „Haba“ – ein Superheld zwischen Hausmeister und Bankkarte – in die Welt hinaus, doch irgendwie ziehe sich das über ein halbes Jahr hin, und das Haus werde dabei immer voller statt leerer, weil das Umzugshilfskommando jede Aktivität für das Social Media Profil dokumentieren müsse – und posieren dauere nun mal, wenn man dabei gut aussehen wolle. Andere Aktivitäten hörten sich eher nach Proben für ein Umzugsmusical – „Phantom des Umzugs“ – an als nach zielführenden Aktionen. Sein Sohn dagegen denke gar nicht daran auszuziehen, sondern hänge lieber bei Shisha und Playstation mit seiner Clique ab, einer Mischung aus Mietnomadenstamm und Messiegruppe. Dem unterdrückten Lachen nach kam das wohl dem ein oder anderen Besucher bekannt vor. „Dem müsste ich eine Wohnung anbieten, ihn mit einem Döner in einen Hundezwinger locken und darin hinfahren,“ kommentierte der Rocker trocken. Eine Alternative wäre allenfalls ein Tipp bei der Polizei, wenn der Führerscheinneuling eine Alkoholfahrt macht. „Dann muss er ausziehen – und ich muss keine Miete zahlen. Oder er stirbt vor Langeweile in seinem Zimmer, so faul wie er ist. Das ist wie eine Media-Markt-Filiale ausgestattet, wenn er alles anmacht, gehen die Straßenlaternen aus.“ Und als sein Sohn sich doch mal zum Baumarkt aufmachte, nahm er dazu sein Fahrrad im Taxi mit. Er solle ja mit dem Fahrrad zum Baumarkt fahren, und da es einen Platten habe, war dazu halt ein Taxi nötig – das Papa bezahlen musste. Das Antiaggressionstraining, das ihm seine Frau zur Geburt des Sohnes geschenkt hatte, erwies sich da als sehr hilfreich. Aber auch andere Probleme plagten den Rocker. Seine Frau schenkte ihm nämlich zwei weitere Dinge – eine Reise nach New York und ein Fitnessarmband, als Hilfe zum Abnehmen. Sehr schnell machte er sich Gedanken darüber, wie er dieses Überwachungs- und Folterinstrument mit seinen allgegenwärtigen Apps loswerden oder doch zumindest austricksen könnte. Die Idee, es beim Morgenspaziergang dem Hund umzuhängen, verwarf er schnell. „Das Ding hätte ja beim Frühstück losplappern können: Herzlichen Glückwunsch Rocker, du hast heute Morgen schon 945 Kalorien verbraucht beim Sex mit dem Nachbarhund.“ Na ja, eine New Yorker U-Bahn hat ihn dann von dem Fiesling befreit. Den Zuschauern traten die Lachtränen in die Augen.