Kaiserslautern Ein Waschkorb voll mit jungen Talenten

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Am Freitag war Waschtag in der rappelvollen Schreinerei der Kammgarn. Zur zweiten Etappe des Stand-up-Comedy-Festivals „Lautern lacht“ präsentierte der Comedy-Waschsalon „Nightwash Live“ gleich einen ganzen Waschkorb voller junger Talente. Was als Geheimtipp in einem Kölner Waschsalon begann, begeistert mittlerweile auch die Barbarossastadt. Lachen und waschen im Schleudergang.

Zerschlissene Jeans, braune Hornbrille, Filzhut auf dem Allerwertesten, giftgrünes Shirt – so steht der Moderator Matthias Seling auf der Bühne. Ein Österreicher, der seit 15 Jahren in Köln lebt. So schlapp wie sein Habitus, so morbide ist auch sein Humor. Nach der üblichen mehr oder weniger amüsanten Kommunikation mit dem Publikum stellt er mit seinem mundartlichen Talent anschaulich dar, wie in Köln zwei unterschiedliche Temperamente aufeinanderprallen. Hier der Zwockel, der seine österreichische Depression pflegt und dabei Arroganz vor seine Unsicherheit schiebt, da die „rheinländische Übergriffigkeit, die mir nahezu wie sexuelle Belästigung vorkam“. Nach seinem anfänglich gewöhnungsbedürftigen Humor putschen sich im Laufe des Abends Lust und Unlust gegenseitig auf. Diese Wirkung ist so explosiv wie das Gasgemisch im Verbrennungsmotor. In seinem Statement gegen Rassismus erzielt er die besten Effekte. Wenn er auch ab und zu schmutzige Wäsche wäscht. Alain Frei entspricht ganz und gar nicht dem Klischee des Schweizers, dem man nachsagt, er sei behäbig und langsam im Sprechen. Auf der Bühne steht ein junger, schlanker, sportlicher Mann, der aussieht wie der junge Alain Delon. Er erzählt, wie ein Rabbi und ein Pfarrer nackt im See baden: Plötzlich kommt eine Wandergruppe vorbei. Rasch hält sich der Pfarrer die Scham bedeckt, während der Rabbi das Gesicht verbirgt. „Meine Gemeinde erkennt mich am Gesicht“, begründet es der Rabbi. Der Bremer Comedy-Preisträger war 2011 einer der Abräumer beim „RTL Comedy Grand Prix“, macht schlagfertig auch die Schreinerei unsicher und erzählt mit viel Witz und einem Blick für das Absurde über „kiffende“ Schweizer, überfürsorgliche Mütter und hoffnungslose Dates. Gleichzeitig kämpft er für Toleranz gegenüber Gleichgeschlechtlichkeit. „Ich habe türkische, armenische, kurdische Wurzeln, also gleich drei Feinde in meinem Körper“, konstatiert Özgür Cebe und bedankt sich höflich für den Applaus. „Das verlängert meine Aufenthaltsgenehmigung.“ Der in Bielefeld geborene Comedian ist zweifelsohne der Star des Abends. Selbst- und gesellschaftskritisch zugleich nimmt er die Engstirnigkeit der Deutschen auf die Schippe. „Der sieht ja aus wie ein Asiat, spricht aber wie ein Westfale. Der ist bestimmt überintegriert“, sage mancher Deutsche. Er habe es satt, dass er in der Bahn als Einziger nach der Fahrkarte gefragt werde. 17 Jahre musste er warten auf seine Einbürgerung. „Hurra, jetzt bin ich Deutscher“, habe er gejubelt. „Nein, nein, Sie sind kein Deutscher, Sie sind lediglich deutscher Staatsbürger“, habe ihn der Beamte belehrt. „Ich wollte mir schon die Haare blond färben lassen“, erzählt er, aber die Apothekerin wollte ihm kein Wasserstoffperoxid verkaufen. Als „Sonderwaschgang“ singt er: „Unter der Burka muss die Freiheit wohl grenzenlos sein“. Tierisch ernst und trocken kommt schließlich Matthias Jung aus der Waschtrommel. Er stammt aus Hüffelsheim bei Bad Kreuznach, wo das Sushi noch Jägerschnitzel und das höchste Gebäude der Hochsitz des Jägers ist. Er wäscht seine Hände noch in Unschuld und gibt sich herrlich selbstironisch und satirisch. Schließlich wohne er noch bei den Eltern. Mutti überwacht ihn immer noch, obwohl er schon 30 ist. Ein Musterbeispiel für die Entdeckung der Langsamkeit: „Sport?“, fragt er, „Wenn schon, dann langsam. Ich war beim 100-Meter-Lauf das einzige Kind, das mit Sonnencreme eingeschmiert wurde.“ Aufs Korn nimmt er die Anglisierung der Sprache ebenso wie Auswüchse in der Gesellschaft. „Hänsel und Gretel wären am Hexenhaus vorbeigegangen. Gretel war laktoseintolerant.“ Da klingelt die Waschmaschine laut und dreht einen Sonderschleudergang.

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