Kaiserslautern „Ein Unding, nachts jemand zu verlegen“

Dass ihr 83-jähriger Vater Anfang September im Westpfalz-Klinikum mitten in der Nacht geweckt wurde, um ihn über den Hof in ein anderes Gebäude und ein anderes Zimmer zu verlegen, das ärgert Angela Rößling. Vor allem, da der Patient wegen einer Verletzung an der Wirbelsäule Probleme mit dem Liegen hat. Das Krankenhaus betont: Das Zimmer mit der Rund-um-die-Uhr-Überwachung sei kurzfristig für einen anderen Patienten gebraucht worden.
„Am 31. August hat mein Vater einen Schlaganfall erlitten“, schildert Rößling, wie es zu dem für sie unverständlichen Vorgang gekommen ist. Der Patient sei ins Westpfalz-Klinikum auf Station 1/4, das Schlaganfallzentrum, eingewiesen worden. Rößling: „Er hatte am Anfang eine Lähmung auf der rechten Seite und konnte nicht sprechen.“ Der 83-Jährige sei direkt an Überwachungsgeräte angeschlossen worden; die Familie habe ihn abwechselnd besucht: „Bis auf die Nächte war immer jemand von uns da.“ Seine Gesundheit habe sich wieder gebessert. In der Nacht zum 5. September sei ihr Vater gegen Mitternacht von lautem Scheppern im Gang geweckt worden: Eine Schwester und ein weiterer Krankenhausmitarbeiter seien daraufhin ins Zimmer gekommen und hätten dem 83-Jährigen und seinem Zimmernachbarn gesagt, dass sie nun verlegt werden. Die Überwachungsmonitore in dem Raum würden gebraucht. Rößling: „Mein Vater sollte aus dem Bett aufstehen und sich zum Transport auf eine schmale Liege mit dünner Auflage legen.“ Doch das sei nicht so einfach, erklärt Rößling: „Nachdem mein Vater im vergangenen Februar gestürzt ist und sich einen Brustwirbel gebrochen hatte, wurde er im Westpfalz-Klinikum operiert und der Bruch wurde mit Platten und Schrauben fixiert.“ Mit dem Metall im Rücken könne der 83-Jährige nicht mehr gerade liegen. Einigermaßen schmerzfrei sei das nur in speziellen Pflegebetten möglich: „Auf einer ungepolsterten Liege über den Hof in ein anderes Zimmer? Wenn man sowieso schon heftige Schmerzen hat?“ Auf Nachfrage, ob man ihn nicht im jetzigen Bett verlegen könne, sei ihm gesagt worden, dass das Bett in Haus 19, dem früheren Schwesternheim, nicht durch die Türen passe. Er müsse deswegen zunächst auf eine Liege. Das sei ihrem Vater zuviel geworden, weswegen er sich selbst entlassen habe und mit einem Taxi nach Hause fuhr. Rößling ärgert sich über den Umgang mit ihrem Vater – vor allem, da das besagte Zimmer am nächsten Tag bei ihrem Besuch leer gewesen sei. „Das alles hat nichts mit dem engagierten Personal auf der Station zu tun“, ist ihr wichtig zu sagen. Ihr Vater sei gut betreut worden. „Aber es ist ein Unding, jemanden nachts zu verlegen. Egal in welchem Alter.“ „Ja, in der Tat wurde der Patient in der Nacht geweckt“, räumt der Pressesprecher des Westpfalz-Klinikums, Dennis Kolter, auf Nachfrage ein: „Nächtliche Verlegungen sind allerdings nicht üblich und absolute Ausnahmen.“ Der Patient habe Anfang September in der Klinik für Neurologie in der sogenannten Stroke Unit gelegen, einer speziellen Station für die Schlaganfallpatienten. Mit einem weiteren Patienten teilte sich der 83-Jährige ein Zimmer mit Überwachungsmonitoren zur Rund-um-die-Uhr-Kontrolle. „Der Patient musste zu diesem Zeitpunkt nicht mehr überwacht werden“, schildert Kolter. Als dann ein weiterer Patient mit Verdacht auf einen Schlaganfall eingeliefert wurde, habe das Zimmer mit der Rund-um-die-Uhr-Überwachung kurzfristig geräumt werden müssen. „Es war tatsächlich zunächst eine Verlegung ins Haus 19 angedacht“, sagt Kolter, „doch dort stand ebenfalls kein Bett zur Verfügung. Nach Absprache mit dem Bettenkoordinator war eine Verlegung auf Station 13/0 in Haus 13 angedacht.“ Eine Ärztin habe dem Patienten die Umstände erläutert und versucht, ihn zum Bleiben zu bewegen. Kolter betont: „Nächtliche Verlegungen werden so gut es geht vermieden. In diesem Fall ging’s leider nicht anders.“ Der Patient habe die Klinik kurze Zeit später gegen den ärztlichen Rat und auf eigenen Wunsch verlassen. Dass das Überwachungs-Zimmer am nächsten Tag beim Besuch der Tochter leer gewesen sei, das könne nur damit zusammenhängen, dass die anderen Patienten, die mit Verdacht auf Schlaganfall eingeliefert wurden, zu Untersuchungen im Haus unterwegs waren. Kolter: „Nach unserer Dokumentation wurden die beiden Betten nachbelegt.“