Kaiserslautern Ein Stück Irland in der Steinstraße

„So eine Whiskyauswahl findet man in der Region sonst nicht“: Davon ist Michael Becker, Inhaber von „The Cottage“, überzeugt.
»So eine Whiskyauswahl findet man in der Region sonst nicht«: Davon ist Michael Becker, Inhaber von »The Cottage«, überzeugt.

Michael Becker hat sein Herz vor vielen Jahren an die grüne Insel – an Irland – verloren. Nach mehreren Urlauben reifte in dem Kaufmann der Entschluss, sich aus der Begeisterung für das Land und seine Produkte mit einem Lädchen selbstständig zu machen. Seit 2007 bietet „The Cottage“ in der Steinstraße Whiskys, aber auch irische Marmeladen, Schokolade, Tee, schottische Kekse, Geschenkartikel und Kleidung.

Gerade hat Becker den Schlüssel im Schloss herumgedreht, die schwere Glastür aufgeschoben und sich für einen weiteren Tag in einem „Beruf aus Leidenschaft“ gerichtet. „Natürlich ist das hier kein hochfrequentierter Laden“, sagt er. „Ohne meine Stammkunden könnte ich das nicht machen.“ Das liegt zum einen daran, dass er sich mit seinen Produkten im Bereich der Liebhaberei und Feinkost befindet, aber auch an der Lage. „Man muss ein bisschen verrückt sein, um das zu machen. Aber wer kann schon von sich behaupten, seine Leidenschaft zum Beruf gemacht zu haben.“ In den Regalen glitzert in Flaschen bernsteinfarbene, manchmal kupferrote, ein anderes mal espresso-braune Flüssigkeit. Becker holt eine Flasche aus dem hinteren Teil des Geschäfts, ein goldfarbenes Etikett erzählt von 21 Jahren Sherry-Fasslagerung und -reifung im schottischen Hochland. „Eine intensive Note von Haselnuss, Quitte und Feige, ein sehr intensiver Whisky“, erzählt Becker von seinem Lieblingsbrand. „500 verschiedene habe ich im Sortiment, 150 sind als offene Abfüllungen zum Probieren da.“ Mit vier Whisky-Regalen fing alles vor einigen Jahren an, außerdem hatte Becker schon damals irische Geschenkartikel wie Tassen oder Pins, Guinness-Merchandise, Tweed-Schiebermützen, Wollpullover sowie aus Irland importierte Schokolade und schwarzem Tee. „Ich bin ein großer Irland-Fan und wollte einen kleinen irischen Laden mit ganz wenig Whisky machen“, erzählt Becker. Doch nach und nach wuchs sein Sortiment, mehrfach im Jahr reist Becker nach Schottland, besucht Brennereien und informiert sich über die unterschiedlichen Getreide-Schnäpse. „Das meiste sind schottische Whiskys, auch irische. Aber ich habe auch ein paar japanische und amerikanische.“ Viele Einzelfassabfüllungen und Raritäten gehören außerdem zu seinem Angebot. „So eine Whiskyauswahl wie hier findet man in der Region sonst nicht“, ist er selbst überzeugt. Mit Tastings hat er sich ein weiteres Standbein geschaffen. Seine Produkte verkauft er außerdem in einem Online-Shop, da selbst viele Kaiserslauterer nicht mehr den persönlichen Gang zum Händler, sondern den Kauf im Internet bevorzugten. Auch weil sich viele davon wohl günstigere Angebote versprechen, es zudem der schnellere und einfachere Weg sei, vermutet Becker. Auf eine fachkundige Beratung – „ich kenne jeden meiner Whiskys“ – würde dann verzichtet. Doch irgendwann würden so Cafés, kleine Geschäfte, Liebhaber-Läden zumachen. „Kaiserslautern ist sowieso ein schwieriges Pflaster. Es gibt einfach zu viel Leerstand. Die Stadt hat an Attraktivität verloren, auch was die Festivitäten betrifft“, sagt Becker. „Als Stadt muss man die Händler mehr unterstützen. Eine Webseite wäre toll, auf der alle Geschäfte präsentiert werden. Es könnte jede Woche, vielleicht nur jeden Monat, ein bestimmtes Geschäft besonders vorgestellt werden“, findet er. „The Cottage“ trage ihn als Einzelperson „gerade so“, eine Aushilfe hat er nur zu Vertretungszwecken. Als er Anfang der 1990er-Jahre zum ersten mal mit der Fähre von Cherbourg nach Rosslare übersetzte, ein Motorrad im Schlepptau, war es beim Anblick der „unglaublichen Landschaft“ sofort um ihn geschehen. „Ich bin auf die Knie gesunken. Die Iren sind einfach sehr freundliche, hilfsbereite und nette Menschen, auf der einen Seite sehr melancholisch, auf der anderen einfach sehr feierwütig.“ Dieses Lebensgefühl und ein bisschen Urlaubsstimmung will Becker mit seinem Geschäft auch nach Kaiserslautern bringen.

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