Kaiserslautern Ein Name, der verpflichtet

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Und noch ein Reinhardt! Ein Name, der verpflichtet, der längst Kultstatus hat. Nach dem Geiger Schnuckenack Reinhardt, dem Sologitarristen Django Reinhardt und dem Rhythmusgitarristen Ricardo Reinhardt eroberte jetzt am Donnerstag Lulo Reinhardt mit seiner siebenköpfigen Formation den Konzertsaal des SWR-Studios.

Eigentlich ist ja das Genre des Sinti-Jazz oder Gypsy-Swing (auch Jazz Manouche) ausgereizt. Und: Hand aufs Herz, wer schafft es schon, seine Wurzeln zu leugnen und seinen ausgeprägten Interpretationsansatz und Kompositionsstil zu verlassen? Lulo Reinhardt, ein ungemein vielseitiger Gitarrist mit entsprechend großem Instrumentarium an verschiedenen akustischen Gitarren, ist dagegen ein Paradebeispiel, wie man eine eigene Identität trotz Erfolgs- und Erwartungsdruck finden kann. Mit fünf Jahren trat Lulo schon in die Fußstapfen des Vaters und eignete sich dessen Gitarrenstil an. Mit zwölf trat er im Mike Reinhardt Sextett auf, war dann mit 15 Mitbegründer der legendären Band Django Reinhardt and the Heartbreakers. Natürlich ist er als Großneffe von Django infiziert von dem Bazillus des Zigeuner-Swing, dem lebhaft pulsierenden Notenflug in mitreißenden Achtelrhythmen. Und er hat in seine aktuelle Formation mit zwei Geigern (Christoph König und Daniel Weltlinger) auch das Kolorit „All’ ungarese“ übertragen. Doch auf seinen musikalischen Entdeckungsreisen kam er in Spanien mit dem Flamenco-Stil in Kontakt, bekam von einem marokkanischen Instrumentenbauer eine Gitarre mit Bünden in Vierteltonschritten, die er eindrucksvoll einsetzte, und hat als Weltenbummler eine eigene Fusion aus diesen Wurzeln mit Blues, Pop und sogar Latin kreiert. Eine Art Weltenmusik in ständiger harmonischer, melodischer und rhythmischer Weiterentwicklung, eben nicht dogmatisch und einseitig, sondern experimentierfreudig und offen. Natürlich tritt Lulo Reinhardt mit seiner brillanten Grifftechnik auf diesen verschiedenen Gitarren als Primus inter Pares auf, als führender Solist. Er gibt aber auch dem Pianisten Winfried Schuld neben der Harmoniefüllung Gelegenheit für solistische Episoden. Lediglich der Kontrabassist Harald Becher könnte mehr solistische Initiativen zeigen. Ansonsten konnten die beiden in klassischer Konzertmanier wettstreitenden und dialogisierenden Geiger in virtuosen Umspielungen eigene Akzente setzen. Alles lebte jedoch von dem ungewöhnlich komplexen polyrhythmischen, sich ständig überlagernden Impuls der beiden Perkussionisten: Uli Krämer am Drumset wurde unterstützt vom Bruder des Pianisten, Jürgen Schuld, der die verschiedensten Handtrommeln wie etwa brasilianische Berimbau und Pandeiro beherrscht und mit seinen Impulsen dem ganzen nicht nur im Latinfeeling ein unverwechselbares, schwungvolles Drive gab. Herausragend aus der Vielzahl der aufgeführten, selbst komponierten, abwechslungsreich instrumentierten und arrangierten Stücke waren eine eigene Adaption einer brasilianischen Samba, verschmolzen mit weiteren rhythmischen Finessen. Oder eine eigenständige Version eines Funky-Titels, wobei die Stücke oftmals neben einer Hommage an Verwandte und Bekannte Lulo Reinhardts auch Reiseimpressionen musikalisch verarbeiten, was in seiner informativen Moderation zum Ausdruck kam. Perfektes, absolut synchrones Zusammenspiel und atemberaubende Brillanz machten künstlerisch die Qualität aus.

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