Kaiserslautern „Ein Minenfeld“

Die Polizei sucht einen 24-jährigen, dem vorgeworfen wird, im Internet Sachen verkauft zu haben, die er gar nicht besitzt. Der Mann ist kein Unbekannter, er ist schon wiederholt in Erscheinung getreten. Zuletzt bot er ein iPhone an, kassierte Geld, lieferte das Telefon aber nie aus. Andreas Sebald hat sich mit Gerhard Jost, dem Leiter des Kommissariats 4 des Polizeipräsidiums Westpfalz, das sich mit Betrugsfällen befasst, über Internetverkäufe, Ebay und Vertrauen unterhalten.
Das ist ganz einfach. Bei uns melden sich Leute, die Geld überwiesen haben, dann aber keine Ware erhalten haben. Die machen eine Anzeige und wir gehen der Sache dann nach. Dabei versuchen wir auch festzustellen, ob es noch mehr Opfer gibt, zu denen wir dann Kontakt aufnehmen, weil nicht jeder Anzeige erstattet. Manchmal kommen Sachen auch geballt, wo es dann um eine Person geht, der mehrere Fälle vorgeworfen werden. Passiert das häufiger? Sicher, das passiert ständig. Das kommt bei uns mehrfach pro Woche zur Anzeige. Allerdings wissen wir nicht, wie viele problemlose Auktionen dem entgegen stehen. Welche Plattform im Internet ist von Betrug am häufigsten betroffen? Kann man das sagen? Nun, ich will jetzt nicht gegen Ebay reden, aber dort kommt es schon am häufigsten vor. Das liegt aber auch daran, dass Ebay der umsatzstärkste Anbieter ist. Der ist dann logischerweise auch am stärksten betroffen. Ebay hat in der Vergangenheit jedoch vieles getan, um Missbrauch vorzubeugen und arbeitet mit der Polizei eng zusammen. Aber es gibt natürlich auch andere Anbieter, bei denen auch Betrüger unterwegs sind. Was empfehlen Sie Leuten, die im Internet Dinge kaufen? Kann man sich vor Betrügereien schützen? Also bei Ebay läuft ja einiges über Treuhand, also mit dem Bezahldienst „Paypal“. Das macht es schon sicherer. Ansonsten bleibt einem nur der Blick auf die Bewertungen, die der Verkäufer bekommen hat. Die müssen aber auch nicht alle stimmen. Man muss sich vor Augen halten, dass man Geschäfte macht mit einem Menschen, den man vorher noch nie gesehen hat, und an einen Unbekannten Geld überweist, da läuft halt viel mit Vertrauen. Es ist ein Unterschied zum Kauf vor Ort. Da kann ich die Ware anschauen und begutachten. Ich rate auf jeden Fall davon ab, Geld ins Ausland zu überweisen. Die Iban eines deutschen Kontos beginnt mit DE. Im Internet gibt es ja auch Bilder der Ware zu sehen … Ja, aber die Bilder können auch falsch sein und nicht das zeigen, was angeboten wird. Man kann sich vom Anbieter unter Umständen auch detailliertere Aufnahmen schicken lassen. Gibt es einen Trend abzulesen? Wird noch viel betrogen im Internet? Die Zeiten der großen Betrüger, die mit mehreren Accounts gearbeitet haben, sind schon einige Jahre vorbei. Dennoch gibt es immer wieder Täter bei Online-Auktionen, die schon mal 30 Leute betrügen, indem sie bewusst das Geld kassieren und nicht liefern. Es gibt aber auch kleinere Geschichten, bei denen Käufer und Verkäufer in Streit geraten. Die Ware war nicht so, wie der Käufer sich das vorgestellt hat, oder sie war defekt. Manchmal wird die Schuld auch auf den Paketdienst geschoben, der habe das Päckchen verschlampt, das nach Erhalt des Geldes angeblich verschickt wurde. Es läuft aber auch umgekehrt ... Bitte? Ja, es gibt auch Käufer, die bekommen tadellose Ware und schicken dann ein kaputtes Gerät zurück und behaupten, sie hätten das defekt erhalten. Raffiniert. Man muss sich darüber im Klaren sein, dass der Handel im Internet ein Minenfeld ist. Für Käufer und auch für Verkäufer. Wie gehen Sie bei den Ermittlungen vor? Verbringen Sie viel Zeit im Internet? Nein, eigentlich gar nicht. Wir schauen uns zwar mal die Bewertungen an, sind aber ansonsten wenig im Internet unterwegs. Wie halten Sie es selbst, Herr Jost? Kaufen Sie im Internet? Ja, das mache ich schon, aber ich kaufe nur Neuwaren. Ich will wissen, wo es herkommt, und wo ich mich im Falle des Falles, wenn etwas defekt ist etwa, hinwenden kann. (bld)