Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Ein Meister der Variationen – Danziger Organist Roman Perucki spielte zum 30. Mal in der Kaiserslauterer Friedenskirche

Zum 30. Mal spielte Roman Perucki am Sonntag in der Friedenskirche. Immer wieder verließ er den Sitz der Oberlinger-Orgel um die
Zum 30. Mal spielte Roman Perucki am Sonntag in der Friedenskirche. Immer wieder verließ er den Sitz der Oberlinger-Orgel um die Kompositionen vorzustellen.

Ein kleines Jubiläum durfte die protestantische Friedenskirche am Sonntag feiern: Zum 30. Mal spielte hier der weltbekannte Organist Roman Perucki aus Danzig, der seit der Wende dieser Kirche im Uni-Wohngebiet stets die Treue hielt. Im Programm hatte der großartige Künstler neben Werken von Johann Sebastian Bach und Daniel Magnus Gronau auch barocke und zeitgenössische polnische Orgelmusik.

Die Kontakte zu dem 1961 in Breslau geborenen Organisten hatte 1990, direkt nach dem Zusammenbruch des Kommunismus, der damalige Pfarrer und Friedenskirchen-Gründer Wolfgang Doll geknüpft, wie Gemeindepfarrer Tilmann Grabinski verriet. In Kaiserslautern und Bad Dürkheim habe Perucki die ersten Konzerte überhaupt im Westen gegeben, sagte Doll. Perucki ist Cheforganist der Kathedrale in Danzig-Oliwa, die eine der größten Orgeln der Welt besitzt. Außerdem ist er Geschäftsführer der Baltischen Philharmonie. Orgelkonzerte gibt er in ganz Europa, Russland, Japan, Kanada, den USA und Australien. So spielte er gerade vor 10.000 Besuchern in Peking. Zusätzlich leitet er Meisterklassen in Polen, Portugal, Mexiko, Russland und Frankreich.

Bach sei die Grundlage für alle, konstatierte Perucki. Den müsse man als Organist gut kennen, bevor man sich an andere Komponisten mache. „Der ist so kompliziert, dass man ihn gar nicht zu 100 Prozent spielen kann“, meinte er im RHEINPFALZ-Gespräch. Der Professor aber spielte Bachs Präludium und Fuge e-Moll BMW 548 garantiert zu 99,999 Prozent perfekt und verblüffte die begeisterten Zuhörer mit seiner Virtuosität und Musikalität ein ums andere Mal. Die ausgezeichnete Artikulation und die großartige Transparenz taten ihr übriges, um Bach zu würdigen.

Choral und Partita über „Eine feste Burg ist unser Gott“ des im 18. Jahrhundert in Danzig wirkenden Organisten Daniel Magnus Gronau spielte Perucki mit Verve und akzentuiert, sein ganzer Körper bebte dabei. Seine Interpretation war geprägt vom motorischen Element, das diesem Stück zweifellos innewohnt. Dabei erwies er sich als Meister der Variationen, der jedes Mal wechselnde Farben über das Thema schichtete.

Aus der norddeutschen Schule des Barock stammt Friedrich Christian Samuel Morheim (1719-1747), dessen Trio Nr. 5 „Eine feste Burg ist unser Gott“ Perucki mit klarer Konzeption wiedergab. In der Sonate „Nun danket alle Gott“ von Friedrich Wilhelm Markull (1816-1887), Organist an der Marienkirche in Danzig, betonte der Organist das Virtuose des Stückes, ohne die poetischen Momente zu vernachlässigen. Zwei Manuale und die Pedale gleichzeitig bearbeitete er im Allegro. In ruhigem Tempo hingegen konnten sich die fein empfundenen Registrierungen des Andantino voll entfalten, während er sich im Vivace des Finales von Takt zu Takt zu einem begeisternden Gotteslob steigerte.

Höchste Virtuosität auf den Tasten und den Pedalen demonstrierte Perucki mit Markulls „Air russes“ aus dem Zyklus „Zwölf charakteristische Stücke“. In die zeitgenössische Musik drang Perucki mit den Marianischen Präludien (1982) von Juliusz Luciuc (geb. 1927, Tschenstochau) vor. Von zarten poetischen Tönen bis disharmonischen, schrillen Aufschreien und klirrenden Tönen enthielt das Stück die gesamte Klaviatur der Orgelkunst. Der Kreis schloss sich mit dem Marsch von Zbigniew Kruczek (geboren 1952) aus dem Präludium und der Fuge über den Namen Bach. Bach in „neuer Sprache“ war das, wie Perucki erklärte, und kontrapunktisch genau wie bei Bach. Mit opulenter Registerwahl und rauschhaften Arpeggien setzte er dabei der Orgel zu. Allein das Spiel mit dynamischen Schattierungen zeigte den Meister. Die Hörer bedankten sich mit euphorischem Applaus. Eine Zugabe.

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