Kaiserslautern Ein lauwarmes Konzerterlebnis
Muskel-Rap – nicht vom Feinsten, sondern vom Härtesten – gab es für die Lauterer Hip-Hop-Fans am Samstag im Kasino. Der ,,Prototyp Banger“ Majoe beehrte die Kammgarn, hatte eine wortstarke Crew im Schlepptau und ließ mit einem Querschnitt aus alten und neuen Songs tief ins „Auge des Tigers“ – so der Titel seines dritten Albums – blicken.
Dass der Albumtitel auf den dritten Teil der „Rocky“-Filmsaga und dem dazugehörigen Hit „Eye of the Tiger“ der Band Survivor von 1982 anspielt, liegt auf der Hand. Schließlich sind die Rocky-Filme Kult. Und die Survivor-Nummer ist mit ihren mächtigen Hau-drauf-Beats nach wie vor die Motivations-Hymne schlechthin für sportliche Höchstleitungen. Davon hat der 28-jährige Duisburger tamilischer Herkunft (bürgerlich: Mayjuran Ragunathan) ganz offensichtlich schon einige erzielt. Den Hintergrund der Bühne zieren Bilder des Rappers und seiner Kollegen, allesamt mit verschränkten Armen im Türsteher-Modus und einem Bizeps so dick, dass es für zwei Arme reicht. So sieht sich das fleischgewordene Fitness-Aushängeschild am liebsten. Und genauso feiern ihn seine Fans – was alleine schon die Chartpositionen seiner drei Alben bestätigen: Dreimal Nummer Eins-Einstieg in Folge. Das spricht für sich. Immerhin ist Deutschlands „zweitschönster“ Bizeps – nach dem von Kumpel Kollegah – genauso wuchtig wie die Reime des Musikers. Wer den Rapper noch aus seiner Zeit mit Kollege Jasko kennt, der weiß: Majoe liefert das, was man vom Hip-Hop erwartet. Nicht weniger, aber auch nicht mehr – leider. Denn so mancher Song schöpft dann doch etwas zu tief aus dem Hip-Hop-Klischee-Fundus. Textzeilen wie „Die Rolex ist gold, die Treter in Schwarz, die Gema bezahlt, vom Täter zum Star“ (aus „Stresserblick“) wurden zigmal gehört, wenn auch in anderen Variationen. Das zeugt nicht gerade von großem Erfindungsreichtum. Andere Verbal-Meisterwerke, die sich beispielsweise mit Frauke Petry befassen und thematisieren, dass in Majoes Heimat Frauen wenig Rechte genießen (auch aus „Stresserblick“) scheinen in der heutigen Zeit und angesichts der Herkunft des Musikers geschmacklos. Zumal in Kaiserslautern viele minderjährige Fans im knapp halbvollen Kasino standen. Um fair zu bleiben: Versöhnliche Texte gibt es bei Majoe auch, zum Beispiel im Song „Wenn die Sonne aufgeht“: „Egal, ob gelbe, schwarze oder weiße Haut, man kann dir dein Herz brechen, aber nicht dein’n Traum.“ Allerdings viel zu wenig und viel zu unterschwellig. Schließlich gibt Majoe nicht den Babysitter, sondern den „Banger“, der seine „stählerne Faust“ trainiert und seinem „utopischen Körperbau“ frönt. Was überraschte: Nach den Songs gab es kaum Applaus. Das vorwiegend junge Publikum schien bei der Hitze wohl keine Lust auf unnötige Bewegungen zu haben. Selbst als die Musiker zum ,,Ausarten“ aufriefen, blieb es im Publikum sehr gesittet, was vielleicht auch daran lag, dass Majoe und seine Crew selbst etwas steif und lustlos wirkten. Oder weil die Spiel-Einlagen zwischendurch mit (mehr oder weniger) Freiwilligen aus dem Publikum nervten, etwa die viel zu lange Liegestütz-Nummer – 50 Einheiten waren gefordert – in der Halbzeit. Für die Muckis sicher nicht schlecht, für den Unterhaltungsfaktor der Nicht-Fitness-Freaks eher suboptimal. Die Selbstbeweihräucherung des Hantelbank-Fanatikers kannte keine Grenzen. Wenn es nach ihm ginge, hätte das Konzert auch in eine Mucki-Bude verlegt werden können. Nach eineinhalb Stunden war das musikalische Krafttraining beendet. „Lasst uns gehen“ lautete der offiziell letzte Song, bevor es mit dem Kollegah-Majoe-Kollaborationsstück „Wat is’ denn los mit dir“ eine Zugabe mit Wasserspritzern fürs Volk gab. Feuchte Abkühlung für ein eher lauwarmes Konzerterlebnis.