Stadtgespräch RHEINPFALZ Plus Artikel Ein Jahr der Hoffnung, das wenig hoffnungsvoll beginnt

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Nach fast zwei Pandemiejahren war sich Ende 2021 jeder sicher: 2022 kann nur besser werden. Jetzt, das neue Jahr ist nicht mehr so neu und auch schon zwei Monate alt, ist das Stimmungsbarometer bei vielen Menschen noch weiter nach unten gerauscht: Der Winter war gefühlt besonders grau, die vierte Welle rollt noch, zwei junge Polizisten wurden in der Westpfalz brutal aus dem Leben gerissen und am Rande Europas ist vor wenigen Tagen ein unfassbarer Krieg ausgebrochen. Könnte man das Jahr doch nur umtauschen ... Aber es gibt für Kaiserslautern vieles, was Hoffnung und Mut macht – und die Zukunft wenigstens etwas heller aussehen lässt.

Beispielsweise ist da die unglaublich große Hilfsbereitschaft für die Menschen in und aus der Ukraine – ob von Privatleuten, Parteien, der Kirche oder der Stadtverwaltung organisiert. Es werden Spenden gesammelt, die in den Osten Europas gebracht werden, und Notunterkünfte vorbereitet. Denn voraussichtlich werden schon bald Menschen in Kaiserslautern ankommen, die vor dem Krieg in der Ukraine fliehen und die alles hinter sich lassen mussten. Es macht Mut, dass sich so viele Kaiserslauterer ehrenamtlich engagieren und nach gezielten Spendenaufrufen so viele Menschen etwas abgeben.

Betriebe im Kampf um Arbeitskräfte

Die Lage am westpfälzischen Arbeitsmarkt, speziell in der Stadt Kaiserslautern, zählt ebenfalls zu den Dingen, die Mut machen. Zumindest den Arbeitnehmern. Sehr viele von ihnen werden sich künftig in der vorteilhaften Lage befinden, sich den Arbeitgeber nach ihren Bedingungen aussuchen zu können – denn Fachkräfte werden jetzt schon oft händeringend gesucht. Spitzt sich der Mangel zu, müssen sich die Betriebe künftig noch mehr als bisher um gut ausgebildete Mitarbeiter bewerben, nicht umgekehrt. Dabei werden für die Beschäftigten interessante Arbeitszeitmodelle entstehen oder ermöglicht. Und wer als Unternehmen, nach der Pandemie und in Zeiten von steigenden Treibstoffkosten und wachsendem Umweltbewusstsein, die Heimarbeit gänzlich abschaffen und die Uhr zurückdrehen will, wird sich schon bald nach neuen Mitarbeitern umsehen müssen. Das macht Hoffnung, dass die Arbeitswelt sich trotz Verdichtungen und Kostendruck nicht ganz zum Schlechteren entwickelt.

Dass über Industrie- und Wohnflächen auf breiter Basis diskutiert wird, ist ebenfalls ein gutes Zeichen. Auch wenn das Unternehmer und potenzielle Häuslebauer gerade ganz anders sehen: Einfach nur auf freien Flächen neue Baugebiete auszuweisen, das kann es doch nicht sein! Wichtig ist vielmehr, das mit Augenmaß zu tun. Dazu gehört, sich Zeit zu nehmen, miteinander zu reden und Argumente auszutauschen.

Nestbau wie früher ist nicht mehr so einfach

Die Vorstellung, dass jeder, der nach Kaiserslautern zieht, sein eigenes Wohnhaus bauen oder bewohnen kann, ist zwar romantisch – Stichwort Nestbau und Familie –, aber nicht umsetzbar. War es übrigens noch nie. Doch was macht in diesem Fall nun Mut oder Hoffnung? Na, die Tatsache, dass trotz ganz verschiedener Meinungen in einem demokratischen Prozess ein Kompromiss gefunden wird. Das ist heute nämlich nicht mehr selbstverständlich. Bei zu vielen gesellschaftlichen Themen sind die Fronten verhärtet, die Gräben tief.

Dass (wenn auch noch zu wenige) Impfskeptiker sich jetzt mit den neuen Impfstoffen nach alter Impfmethode piksen lassen, macht ebenfalls Hoffnung. Denn mit jeder Dosis rückt ein „normales Leben“, so wie 2019, ein bisschen näher – vor allem für die Beschäftigten auf Isolier- und Intensivstationen in Krankenhäusern. Und jede Dosis lässt die Gruppe der Querdenker, Verschwörungstheoretiker und Impfschwurbler wieder ein bisschen schrumpfen – und die Gesellschaft wieder ein bisschen zusammenwachsen.

Zu den Dingen, die das Leben in der Stadt und der Region allen Widrigkeiten zum Trotz angenehmer machen, zählt zweifelsohne auch die aktuelle Tabellensituation des 1. FCK. Angesichts der großen Krisen mag das profan klingen, aber für die Fans des Vereins (und die politisch Verantwortlichen – Stichwort Stadionmiete) macht auch das Hoffnung. Hoffnung darauf, dass der Verein bald wieder eine Klasse höher spielt.

Bleibt jetzt abschließend noch die Hoffnung, dass einige der genannten Beispiele bei den üblichen „In Kaiserslautern wird’s immer schlimmer“-Schreiern in den sogenannten sozialen Medien ankommen. Denn in Kaiserslautern ist längst nicht alles so schlecht, wie es oft in Kommentarspalten geschrieben wird. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

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