Kaiserslautern Ein Haus für alle
Es ist ein Donnerstag Ende April. Das Mehrgenerationenhaus (MGH) in Ramstein-Miesenbach hat geöffnet und füllt sich bereits um 9 Uhr mit Menschen. Im großen Saal findet der Integrationskurs des Internationalen Bundes statt. Hier wird ausländischen Bürgern die selbstständige Verwendung der deutschen Sprache beigebracht. „Hier kommen oftmals viele Nationalitäten zusammen, geprägt auch von ihrer Tätigkeit auf dem nahen Flugplatz“, sagt Susanne Wagner. Seit fast 20 Jahren ist die Sozialpädagogin mit dem Haus, das sie derzeit als Koordinatorin leitet, verbunden. Im Obergeschoss bietet zur gleichen Zeit die Koordinierungsstelle Psychiatrie des Landkreises als Teil des Beratungsangebotes Querbeet bis 12 Uhr ihre Hilfe an. Bei Wagner klingelt das Telefon. Ein Frauenchor fragt an, ob spontan ein Raum für Proben zur Verfügung steht. Wagner sagt zu, muss dafür aber umgruppieren. Dazwischen kommen bereits Anfragen für Plätze im Ferienprogramm. Je nach Alter vermittelt Wagner weiter an das Jugendbüro; für die Koordinatorin Alltagsgeschäft. Langeweile ist nicht ihr Ding. Mit Ruhe und Gelassenheit bewältigt sie den täglichen Ablauf. „In Ramstein gehen wir kurze Wege. Wir sind gut vernetzt, ob mit dem Jugendbüro, dem Rathaus oder der Kirchengemeinde.“ Auch Bürgermeister Ralf Hechler komme mindestens einmal die Woche vorbei. „Er regelt dann bei einer Tasse Kaffee kleine und große Probleme auf ,Ramsteiner Art‘, das erhält den Spaß an der Arbeit“, berichtet die Chefin des Hauses. Mittlerweile ist es 13 Uhr und die ersten Schüler kommen zur Hausaufgabenbetreuung. Bis 16 Uhr wird sich Sozialarbeiter Jochen Seegmüller darum kümmern, um danach im Werkraum mit Acht- bis Zwölfjährigen mit Holz zu werkeln. Um 15 Uhr öffnet dann der „Offene Treff“, zentrale Anlaufstelle für alle Generationen. An der kleinen Theke entspannt Martin Konitzka, Mitarbeiter des Pflegestützpunktes, bei einer Tasse Kaffee. Bis 19 Uhr steht er donnerstags als Berater zur Verfügung. Am Billardtisch im Foyer sind Peter, Mathias, Maik und Daniel aktiv. Sie kennen das Haus von Kindesbeinen an und gehören zu den Stammgästen. Nebenan, im Internetcafé, hilft Diplomsozialpädagogin Nicole Busch zwei Jugendlichen beim Erstellen ihrer Bewerbungsunterlagen am PC. Im großen Saal dahinter ist – neu im Programm – kreatives Malen für Leute mit großem Hilfebedarf angesagt. Erzieherin Margit Frombach betreut mit Nadine Seidel die kleine Künstlergruppe. Mit Feuereifer widmen sich Alexandra, Oliver und Anna der bunten Kunst. Auf einmal stehen Wolfgang Paulus aus Bruchmühlbach und Marina Vaitiuk aus Litauen ein wenig hilflos im Eingangsbereich. Beide sind zum ersten Mal hier. Ein Zeitungsartikel hat sie hergeführt. „Kann meine Begleiterin hier Deutsch lernen?“, fragt der 80-Jährige vorsichtig. „Kein Problem, kommen Sie mit, dafür bin ich da“, meint lachend Busch, die gerade vorbeikommt. Die beiden Suchenden sind völlig verblüfft. „Hier, mit viel Freundlichkeit, ohne einen Termin sofort Hilfe zu finden, ist ein kleines Wunder“, findet Paulus. Für Busch ist das Alltag. Sie wird der Frau aus Litauen, die hier als Altenpflegerin arbeitet, helfen, die deutsche Sprache besser zu lernen. Draußen im Hof wird unterdessen getöpfert. Sechs Kinder kneten und formen mit großer Hingabe Lehm. Elisabeth Weiß aus Erzenhausen bietet seit über 20 Jahren als Ehrenamtliche Töpfern und kreatives Basteln mit Filz und Wolle an. „Das MGH ist mein zweites Zuhause“, meint sie lachend. Im Foyer wird es derweil eng. Die Kinder der Bastelgruppe werden abgeholt. Die Seniorengruppe, bewaffnet mit großen Bällen, kommt zur wöchentlichen Gymnastik und im Nikolausraum trifft sich die katholische Frauengemeinschaft Ramstein zur Gesangsprobe. Leiterin Sibylla Layes begleitet auf der Gitarre. Um 20.30 Uhr geht dann ein ganz normaler Donnerstag im MGH zu Ende. „Montags ist noch bedeutend mehr los, da kommen viele Selbsthilfegruppen“, meint lächelnd Susanne Wagner und schließt ihr Büro.