Anlaufstelle ASZ
Ein buntes Angebot für Menschen, die in die Arbeitswelt zurückkehren möchten
Wer länger keine Arbeit hatte, sei es weil ihm der schulische oder berufliche Abschluss fehlte, habe seine Tagesstrukturen, seine Zuverlässigkeit irgendwann verloren, beschreibt Theresia Breiding. Die pädagogische Mitarbeiterin betreut im ASZ Arbeitsgelegenheiten, die das Jobcenter seit Einführung der Ein-Euro-Jobs Langzeitarbeitslosen ermöglicht. Die soziale Vereinsamung sei das ganz große Thema. Sobald die Menschen wieder einer sinnvollen Tätigkeit nachgehen könnten blühten sie förmlich auf. Ziel der Maßnahme sei, sie zu motivieren, ihre körperliche Belastung auszutesten und dabei vor allem ihre Stabilisierung im Auge zu haben.
Andreas Biermann hat das alles über Jahre durchgemacht: „Man zieht sich halt zurück, oder geht mal ins Schwimmbad.“ So lief“s für ihn bis das Jobcenter ihn in einen Ein-Euro-Job beim ASZ vermittelte. Dort war er zunächst im Möbelladen zum Stühle Flechten beschäftigt. Wieder unter Leuten zu sein, Kontakt zu Kunden zu haben, motivierte ihn direkt.
Angebote für Menschen, die die Lust am Arbeiten wiederbeleben wollen
Verschiedene Schreinerwerkstätten, dazu Keramik-, Flecht- und Nähwerkstatt, nicht zu vergessen der Second-Hand-Baumarkt und der Wertstoffstoff bieten an der Pfaffstraße inzwischen eine Vielfalt von Angeboten für jeden, der seine Lust am Arbeiten wiederbeleben will. Im Second-Hand-Baumarkt werden schon mal Kraft und Ausdauer gefordert, bei der Keramik finden auch körperlich Beeinträchtigte eine leichte Tätigkeit. Dazu gibt es in jeder Werkstatt einen Arbeitsanleiter.
Hauptsächlich Frauen arbeiten in der Nähwerkstatt. Dort werden unter anderem gebrauchte Textilien zu Patchwork-Stoffen zusammengenäht und daraus Taschen und Miniaccessoires gefertigt. Sie schaue immer nach den individuellen Fähigkeiten und fördere die Kreativität der Frauen, schildert Petra Scheuermann. Die Anleiterin freut sich, wenn sie unter den TeilnehmerInnen auch solche mit Vorerfahrung findet. Aber eigentlich geht es ihr um die Einübung von Arbeitstugendenden.
Beim Arbeiten werden Brücken zwischen Kulturen geschlagen
Beim gemeinsamen Arbeiten würden auch Brücken geschlagen zwischen den Kulturen ergänzt Theresia Breiding. Aktuell kämen Frauen aus Syrien, Afghanistan und Russland beim Nähen miteinander ins Gespräch. Dies sei nicht nur gut für die Sprache; es würden damit auch Vorurteile abgebaut: „Man begegnet sich auf Augenhöhe.“
Im Frühjahr 2020 durften alle TeilnehmerInnen des ASZ aufgrund der Corona-Verordnung nicht mehr in den Werkstätten beschäftigt werden, schildert Geschäftsführer Willi Schattner. Gleichzeitig entstand ein hoher Bedarf an Mund-Nasen-Bedeckungen und eine riesige Nachfrage. Da keine TeilnehmerInnen mehr im Hause waren, übernahmen sämtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Produktion der Stoffmasken in ihren Büros: „Es war ein Summen im Haus.“
Im Rahmen einer Fördermaßnahme des Jobcenters beschäftigt das ASZ seit 2019 etwa 15 Personen. Ziel der Maßnahme ist es, langzeitarbeitslosen Menschen durch eine öffentlich geförderte Beschäftigung soziale Teilhabe zu ermöglichen, beschreibt Schattner. Langfristig solle damit auch der Wiedereinstieg in ein festes Arbeitsverhältnis ermöglicht werden.
Schattner: Eine sehr erfolgreiche Maßnahme
Der Geschäftsführer spricht von einer sehr erfolgreichen Maßnahme. Das ASZ habe aus diesem Programm bisher zwei Personen in ein Dauerarbeitsverhältnis übernommen, eine weitere in den ersten Arbeitsmarkt vermittelt, sowie zwei MitarbeiterInnen in Minijobs übernommen. Einer davon ist Andreas Biermann aus dem Möbelladen, der nach seinem Ein-Euro-Job und einer anschließenden Förderung durch das Jobcenter seit Juni 2021 in ein unbefristetes Dauerarbeitsverhältnis beim ASZ übernommen wurde.