Kaiserslautern Durch die Kruste direkt ins Magma
Seit sieben Jahren zählt die Irish-Folk-Band Goitse zur ersten Adresse des Genres. Denn fast jeder der fünf jungen Musiker hat bereits den All Ireland Champion Titel gewonnen. Sogar ein Weltmeister befand sich in ihrer Mitte. Im bestens besuchten Cotton Club hinterließen sie am Donnerstagabend einen nachhaltigen Eindruck.
Goitse (gesprochen: gwi:cha) ist gälisch und bedeutet „komm her!“. Dieser Aufforderung kamen im Cotton Club nicht nur zahlreiche Besucher nach, sie durften auch aktiv mitmachen, den Rhythmus mitklatschen und mit Rufen wie „rrrrrr“ oder „Hu!“ die Musik untermalen. Auf Anhieb bezauberten die Fünf mit einem lebensfrohen Mix aus irischen Roots. Die Akteure bereicherten das Repertoire des Irish Folk aber auch mit markanten Eigenkompositionen. Allein: Virtuos musizieren zu können, ist nicht genug, um als Band auf sich aufmerksam zu machen. Daher haben die Musikusse aus Limerick die alten Traditionen Irlands weiterentwickelt, mit Zitaten aus traditionellen Spielweisen anderer Länder verknüpft und in prickelnde Harmonien und erfrischende Rhythmen verpackt. Das Ergebnis war ein scharf gewürztes und äußerst schmackhaftes Menü, das die Gäste immer wieder zu Begeisterung mitriss. Ihre Markenzeichen: Die Melodien zeichneten sich durch reiche Ornamentik aus. Die Rhythmen, die sich oft überlagerten, waren von der akzentuierenden Assoziationsdichtung der irischen Sprache und von flapsigen Synkopen bestimmt, und die Melodieführung wechselte von Instrument zu Instrument. Mit Akzentverschiebungen und Tempoverstärkungen, ständigen Wiederholungen gewisser Harmoniemotive und Ausrufen unbändiger Lebensfreude spielten sich die Fünf quasi in einen Rausch, und da sie dabei verdammt kraftvoll zupackten und Note für Note aus sich heraus pumpten, knackten sie das Publikum im Nu. So gingen sie ohne Umwege durch die oberflächliche Kruste des Alltäglichen ins Magma der irischen Tradition, machten die Ursprünglichkeit, Glut und Lebensfreude hörbar, die ihr innewohnt und polierten mit ideenreichen Arrangements diese zum strahlenden Glanz auf. Genau den richtigen Dreh raus um die Dinge im Fluss zu halten, hatte der zweifache All Ireland Champion und Weltmeister auf der irischen Rahmentrommel, der Bodhran-Spieler Colm Phelan, mit seinem außergewöhnlichen Sinn für dynamische Schattierungen. Das war für Aine McGeeney mit ihrer Fiddle genau das richtige Fundament, auf das sie ihre lockeren Melodien wie Puderzucker und mit hinreißendem Charme streuen konnte. Dazu erwies sich Aine als ausgereifte Singer/Songwriterin, die Songs wie den gälischen „An Bonan Bui“ oder das Sehnsuchtslied „My Belfast Love“ mit ihrer zauberhaften, engelhaft klingenden Sopranstimme einen eigenständigen Charakter gab. Zur illustren Runde der All Ireland Champs zählen auch der Banjo-Spieler James Harvey (gleich viermal) und der Pianist und Akkordeonist Tadhg O’Meachair. Letzterer mit großer pianistischer Brillanz und ungewohnten Registerwechseln auf dem Akkordeon, der Banjo-Virtuose mit sensitiven, luftigen Linien. Vervollständigt wurde das Quintett von dem amerikanischen Gitarren-Crack Conal O’Kane, der mit seiner rhythmischen Akkord-Spielweise begleitete und mit seinen wunderbar melodiösen Improvisationen begeisterte. So kamen die Iren ohne Zugaben nicht von der Bühne.