Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Dorthe Goeden im Kunstraum Westpfalz: Papier ist geduldig

In der Ausstellung „traces“ : Dorthe Goeden (links) aus Düsseldorf mit der Vereinsvorsitzenden Birgit Weindl.
In der Ausstellung »traces« : Dorthe Goeden (links) aus Düsseldorf mit der Vereinsvorsitzenden Birgit Weindl.

„Papier ist geduldig“ sagt man. Und die Düsseldorfer Künstlerin Dorthe Goeden ist es auch.

Denn sie zeigt im Rahmen ihrer Schau „traces“ vornehmlich Papierarbeiten, die eben von größter Geduld und Genauigkeit zeugen. Allerfeinst herausgeschnittene, hochfragile Formen, dazu reliefartig angeordnet und einen zweiten sowie auch einen dritten Blick wert.

Solcherlei allerfeinstes Formenspiel geht über in meterlange, exakte Schlaufen und Schleifen. Ausschnitte erscheinen wie maschinell ausgestanzt und verbinden sich zu chiffrenartigen Bildern. Floral anmutende Gebilde wirken fast wie gezeichnet und bestehen doch aus geschnittenem Papier im Millimeterbereich. Weitere Werke bestehen aus homogenen, eben solchen allerzartesten Papierschnitten, sind in Schwarz gehalten und mögen etwa an Tiefseeschwämme erinnern. Der Auftrag von Wasserfarben, Tusche oder Sprühlack verdunkelt oft das Weiß des Papiers, auch wenn dieses Weiß immer erahnbar bleibt. Dass Kunst von Können kommt trifft bei Dorthe Goeden mit großer Sicherheit zu. Die historische Technik des Scherenschnitts hat die Künstlerin bis zur Perfektion getrieben, welche das Publikum schlichtweg staunen lässt. Die Künstlerin arbeitet absolut an den Grenzen des Materials Papier und mehr scheint kaum machbar.

Blick ins Kaleidoskop

Das sind nun wirklich keine Kunstwerke, die schnell entstehen, hier gehört jede Menge Einlassung und Selbstdisziplin dazu. Durch Versatz, Überlagerung, Spiegelung oder reliefartige Anordnung kommt außerdem ein toller 3-D-Effekt dazu, ähnlich dem, den der Blick in ein Kaleidoskop bietet. Allerdings verzichtet Goeden auf die Wirkung von Farben und setzt rein auf Schwarz, Weiß und wenige Grauabstufungen. Die informelle und die konstruktivistische Kunst spielen hier deutlich hinein, wobei man sagen muss, dass die vielfach bepreiste Frau fast schon ihren eigenen Kunststil erschaffen hat. Zumindest haben solcherlei akribische Papierarbeiten in Europa Seltenheitswert. Da muss man schon nach Asien schauen, um vielleicht Vergleichbares zu finden. Mit dieser sehr sehenswerten, qualitativ hochwertigen und wirklich seltenen Schau zeigt der Kunstraum Westpfalz einmal mehr, dass seine Ausstellungen mittlerweile ein hohes Niveau erreicht haben.

INFO

Die Ausstellung „traces“ ist beim Kunstraum Westpfalz in der Pirmasenserstraße 6 in den kommenden Wochen samstags von 11 bis 14 Uhr zu sehen.

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