Kaiserslautern
Doppelausstellung im Kunstraum Westpfalz zum Thema Natur
Nähe ist gefragt, um zu betrachten. Und doch auch wieder Abstand, um nichts zu zerstören. So feingliedrig, so zerbrechlich wirken sie und – besonders aus der Nähe – einfach wunderschön. Und auch nebenan im kleinen, halbdunklen Raum ist Abstand geboten. Dort „bemalt“ Röder mit projizierten Strukturen von Ornamentglasflächen wabernde Wasserwellen eine Wand. Mittendrin das Fenster aus eben jenem Sichtschutzglas. Ein ortsspezifischer Zufall, der zudem erkennen lässt, dass die gesamte Ausstellung aus Unikaten besteht. Sowohl quantitativ wie qualitativ. Nicht zuletzt dieser Aspekt erlaubt einen Zugang zu den Details einzelner Werke.
Schauen wir auf Röders gläserne Wortschilder. Auf den willkürlich kombinierten Täfelchen sind einzelne Begriffe ihres Langzeitprojektes Eifellandschaft zu lesen, das sie 2019 bei einem Kunst(früh)stück im Museum Pfalzgalerie gezeigt hatte. Jetzt stehen sie für sich oder als Stichwörter eines neuen Textes auf handlich abgerundeten, bunt farbigen Rechtecken aus Pâte-de-verre. Diese Glaspaste aus geschmolzenem Glas kannte bereits das Altertum, sie geriet jedoch bis zur Epoche des Jugendstils in Vergessenheit und wird gerade in der Schmuckbranche wiederentdeckt. Anregend an diesen im Raum verteilten, losen Wortcollagen ist, dass sie zwar einen konkreten Hergang besitzen, jedoch offen bleiben für jedwedes Assoziieren und für Metaphern.
Entführung in die Natur
Ganz anders dagegen die gläsernen Miniatur-Landschaften von Masami Hirohata. Jene pflanzlichen Nachbildungen wirken erstaunlich wirklich. Sie vermögen den Betrachter in einen organischen Kosmos zu entführen, der erstaunt. Hirohata nahm sich Dürers Rasenstück zur Vorlage und „pflanzte“ quasi mit Pinzette und Schere die über einem Tischbrenner schmelzenden Glasstäbe hinein. Dabei formt sie hauchdünne, filigrane und schlichtweg bezaubernde Naturgewächse wie Gräser, Halme, Blüten und Blätter. Mal grasgrün, mal strandhaferbeige.
Und so bedeutet der Ausstellungstitel „Kansei“ übersetzt nicht nur übersetzt sinnlich und sensibel, sondern erinnert in Kombination mit beider Künstlerinnen Thema Natur nachhaltig an unsere schützenswerte Welt.
Ausstellung
Bis zur Finissage am 14. Januar jeweils samstags von 11 bis 13 Uhr im Kunstraum Westpfalz in der Pirmasenserstraße 6, Kaiserslautern.