Kaiserslautern
Doppel-Konzert in Kammgarn-Kulturgarten: Ungewöhnliche Bands wissen zu überzeugen
Mit P@norama und Acoustic Fight hatte man dazu höchst fähige Live-Bands auf die Bühne geholt. „Rockig“ kommt bei der ersten Gruppe des langen Abends aber nicht ganz hin. Die vier Jungs der saarländischen Band P@norama widersetzen sich da dem Schubladendenken, und das ist gut so. Zu den rockigen Elementen ihres Sounds gesellt sich vieles aus dem Liedermacher-Bereich, aus Folk und Pop. Das ließ schon mal aufhorchen.
Hinzu kommt die nicht alltägliche Tatsache, dass Sänger und Gitarrist Jürgen Wagner (welch eine sonore, ausdrucksstarke Stimme), Gitarrist Niki Lang, Bassist Piwi und Schlagzeuger Oliver Bohnerth ausschließlich selbstgeschriebene Titel in deutscher Sprache präsentierten.
Gehaltvolle Texte zu teils ungewöhnlichen Themen
Auch deren Inhalte hatten es in sich. In den lyrischen, gehaltvollen Texten ging es etwa um Kindheitserinnerungen („Leinen los“) zum herbstlichen Drachensteigen, ums „Tanzen“ und um „Sommerregen“ (so die Titel der Nummern), aber auch um in Songtexten eher ungewöhnliche Themen wie den Tod („Nordwind“) – ein weiteres bemerkenswertes Element der Band mit dem stimmigen Motto „Musik mit Herz aus Leidenschaft“.
Und das alles bekam die sonst als Quintett auftretende Gruppe auch ohne den am Samstag verhinderten Gitarristen André Klos hin: Dessen Part übernahm mühelos Frontmann Jürgen Wagner. Selbst schwierige Stücke mit komplexen Rhythmen wie in „Einmaltraum“, dem Titelsong des aktuellen zweiten Albums, gelangen der damit gleich in mehrfacher Hinsicht ungewöhnlichen Band tadellos.
Lauterer Trio feiert Kammgarn-Premiere
Ungewöhnlich war auch die zweite Band, die – von reichlich erwartungsfrohem Begrüßungs-Applaus begleitet – auf die Open-Air-Bühne kam: ungewöhnlich gut in der Interpretation bekannter Titel, ungewöhnlich in der Besetzung. Acoustic Fight ist zwar „nur“ ein Trio, aber gerade durch die Reduzierung wirken Sänger Pouya Nemati, Sänger/Gitarrist Thomas Burckhardt und Cajon-Spieler Toni Düll pointiert in der Tiefe – so auch bei diesem ersten Auftritt der Lauterer Band in der Kammgarn.
Wieder zeigte sich die Gruppe dabei als kompetente Meisterin der (Stile-)Melange. Eingängig-Flockiges à la Ezras „Blame It On Me“, gute Laune Verbreitendes aus der Reggae-Welt wie Marleys „Stir It Up“ und das „Wonderful Life“ von Seeed – da verband sich auf dem weiten Feld zwischen Rock und Pop so einiges von dem, was in schwieriger Zeit dem Ohr und der Seele gut tut, zu einer knackigen Einheit.
Neben der positiven Wirkung im Allgemeinen hielt dieses breit angelegte Repertoire auch die bandspezifische Aufarbeitung der zum Teil ganz unterschiedlichen Titel zusammen. Da wurde nichts einfach glattgebügelt unters Publikum gebracht, da behielten auch markante Hits wie Jacksons „Man In The Mirror“ und Simply Reds „Stars“ ihren ursprünglichen Charakter, wurden aber zugleich durch den typischen Acoustic Fight-Personalstil sauber renoviert und auf ein neues Fundament gestellt. So wurde nichts langweilig; es lohnte sich auch in kürzeren Passagen ein genaueres Hinhören, was dann mehr als einmal belohnt wurde.
Wehmütig ans abgesagte Altstadtfest erinnert
Ungewöhnlich erschienen im Programm der Band auch Stücke in deutscher Sprache – Cluesos „Pizzaschachteln“ und AnnenMayKantereits „Pocahontas“ – und die Vorstellung eher wenig bekannter Titel wie „Bug Eyes“ von der ins Experimentelle spielenden US-Band Dredg. Aber auch dabei zeigte sich das Trio kompetent und nonchalant: Alles passte letztlich ganz vorzüglich ins vielseitig-angenehme Acoustic Fight-Konzept. Und: Respekt insbesondere für Nemati, der auch die noch so diffizilen Texte alle auswendig beherrschte.
Auch wenn sie bis dato lang nicht mehr öffentlich gespielt hatte: Die Band zeigte sich in Sachen Animation und musikalischer Qualität nach jenem Anfangs-Applaus bis zum letzten Ton in Top-Form. Es wurde kräftig mitgesungen und geklatscht, zum Ende hin auch (auf den zugewiesenen Plätzen freilich) ausgiebig getanzt, gejohlt, applaudiert. John Farnhams „You’re The Voice“, von einem vielstimmigen Chor gesungen, folgte frenetischer Beifall. Mehr ging nicht.
Spürbarer Hauch von Wärme und Fröhlichkeit
Zu einer Zeit, da normalerweise das Altstadtfest auf vollen Touren gelaufen wäre (woran die Band wehmütig erinnerte), brachten Acoustic Fight und ihre nicht weniger guten Supporter einen – wenn auch nur winzigen, aber spürbaren – Hauch von Wärme und Fröhlichkeit unter die Menschen.