Kaiserslautern
Digitaler Warnstreik bei John Deere: „Bitte nicht mit Vollgas“ pfeifen
Alexander Ulrich, der Zweite Bevollmächtigte der IG Metall Kaiserslautern, sprach mit Blick auf den digitalen Warnstreik beim John Deere European Technology und Innovation Center (ETIC) von „einem Novum“: „Besondere Umstände“ dürften aber „nicht die Kampfkraft“ der Gewerkschaftsmitglieder schwächen.
Im vergangenen Jahr hätten nahezu alle Aktionen rund um Tarifauseinandersetzungen wegen Corona abgesagt werden müssen. In den Verhandlungen 2021 habe die Arbeitgeberseite unterm Strich bisher nur eine Nullrunde angeboten, so Ulrich. „Eine Farce“, die er als „Kampfansage“ wertete.
Die rund 50 Mitglieder an den Bildschirmen quittierten Ulrichs Ausführungen mit Applaus und Pfiffen aus Trillerpfeifen. Steve Siegel, der Vorsitzende der Vertrauensleute bei John Deere, der die Veranstaltung organisiert hatte, hatte zuvor darum gebeten, „nicht mit Vollgas“ in die Pfeifen zu pusten.
Eduardo Lloret Fuentes, Mitglied der Vertrauensleuteleitung bei John Deere, rechnete vor, warum die Gewerkschaft neben Arbeitsplatzsicherung und Mitbestimmung bei der Arbeit der Zukunft vier Prozent mehr Lohn fordert: Die Produktivität steige seit Jahren um rund ein Prozent pro Jahr, zwei Prozentpunkte entsprächen der Inflation und ein Prozentpunkt sei Beteiligung der Arbeitnehmer am Gewinn der Betriebe.
Ralf Westrich vom Opel-Betriebsrat und Lars Edel (Betriebsrat bei Adient in Rockenhausen) hatten eingangs der Veranstaltung ihre Solidarität bekundet. Marc Möller, der Vorsitzende der Vertrauensleute von John Deere in Zweibrücken, zeigte sich begeistert von den vielen Teilnehmern beim digitalen Warnstreik und berichtete von Streik-Aktionen vor den Werkstoren vergangene Woche. Bernd Löffler, der Erste Bevollmächtigte der IG Metall, kündigte – ohne ein genaues Datum zu nennen – kommende Warnstreik-Aktionen auch bei Hegerguss in Enkenbach-Alsenborn an. Johannes Heger führt am Freitag auf Arbeitgeberseite die Verhandlungen. Löffler erwartet ein „zähes Ringen“, signalisierte aber von Gewerkschaftsseite auch Kompromissbereitschaft.