Kaiserslautern
„Die Westpfalz hat Potenzial“ – der neue SWK-Vorstand Arvid Blume schaut über die Stadt hinaus
„Ich hatte Lust auf die Breite der Energiewirtschaft.“ Arvid Blume hat sich gut eingelebt, erzählt er beim Besuch in der RHEINPFALZ-Redaktion. Allerdings lerne er immer noch dazu. „Ich muss noch viel verstehen.“
Bei seinem vorherigen Arbeitgeber, der Stadtwerke Stuttgart Gruppe, war der 48-Jährige viele Jahre für die Netze zuständig, dort der Vorsitzende der Geschäftsführung. Die Netze sind jetzt nur noch ein Teilbereich seiner Arbeit. Seit 1. Juli ist er für das Gesamtpaket der SWK zuständig, Energieversorgung und die Verkehrsbetriebe – und alles, was damit zu tun hat, vom Fernwärmenetz, übers Kraftwerk hin zur Trinkwasserversorgung und der Busflotte.
SWK-Vorstand: Aus zwei werden einer
Sein Aufgabengebiet hat sich in den vergangenen Monaten gehörig erweitert. Im Herbst 2023 wurde der in Düsseldorf geborene Blume zum Nachfolger des Vorstands Markus Vollmer bestellt. Damals bestand die SWK-Spitze allerdings noch aus zwei Personen: Vollmer und Rainer Nauerz, der zwischenzeitlich das Unternehmen verlassen hat. In den vergangenen Wochen habe er eng mit dem am letzten Freitag im Juni verabschiedeten Vollmer zusammengearbeitet, eine „zwischenmenschlich und fachlich wertvolle Zeit“. Seit Anfang Juli nun trägt er die alleinige Verantwortung. Die will er aber gerne an seine Mitarbeiter weitergeben. „Der Einzelne muss mehr Verantwortung übernehmen“, unterstreicht Blume, spricht von „dezentraler Eigenverantwortung“, die auf lange Sicht vieles einfacher mache. Er müsse nicht über alle Details entscheiden, die Mitarbeiterschaft der SWK bringe alle Kompetenz mit, die gebraucht werde. „Jeder hier beherrscht seinen Job besser als ich es je könnte“, sagt Blume. „Wir brauchen jeden Menschen in der Firma.“
Blume ist promovierter Jurist, sagt aber, dass ihm schon im Studium klar wurde, dass er wohl nie in dem Beruf arbeiten werde. Also sattelte er noch eine kaufmännische Ausbildung, einen Masterabschluss obendrauf. 2004 stieg er ins Berufsleben ein. Nach einigen Jahren in Mannheim bei der MVV Energie AG ging Blume zur Eon Ruhrgas AG, bevor er 2013 zu den neu gegründeten Stadtwerken Stuttgart wechselte. Nach elf Jahren sei es nun an der Zeit gewesen, etwas anderes zu machen.
Die Energiewende steht über allem
Gleich bleibe allerdings das Thema Energie, das ihn quasi schon sein ganzes Berufsleben lang begleite. Über allem steht die Energiewende, die bundesweit die Energieversorger beschäftigt, natürlich auch in der Barbarossastadt. Um zu wissen, dass in Kaiserslautern das Thema Fernwärme dabei eine größere Rolle spielen wird, dazu müsse man kein Prophet sein, sagt Blume. Ebenfalls klar sei, dass die Energiewende nicht umsonst zu haben sein wird. „Billige Energie hatten wir früher“, sagt Blume. Nun werde sie etwas teurer, dafür sei der Mix aber auch belastbarer, da die Energie nicht mehr nur hauptsächlich aus einer Quelle bezogen wird. Die Dächer der Stadt seien bereits ganz gut mit Photovoltaik bestückt, aber auch da gebe es noch Möglichkeiten, das Thema industrielle Abwärme müsse ebenfalls weiter diskutiert werden.
Bei der Energiewende weite die SWK den Blick über die Stadtgrenzen hinaus. „Wir schauen in die Region.“ Dazu gehöre beispielsweise das Engagement der SWK bei Flächensolaranlagen oder Windrädern. „Die Westpfalz hat Potenzial.“ Und: Die SWK als Partner bei solchen Projekten sei keine schlechte Wahl, das Unternehmen sei hier verwurzelt, auch in zehn oder 20 Jahren noch da und müsse bei den Menschen mit Blick auf Wasser, Wärme, Strom und Verkehr erster Ansprechpartner sein. „Wer in der Westpfalz über Daseinsvorsorge spricht, der meint SWK“, sagt Blume.
Mit seiner Familie zieht Blume demnächst in die Pfalz, hat in Neustadt ein Haus gefunden. Seine Frau arbeitet in Karlsruhe, sein ältester Sohn fängt demnächst eine Ausbildung in Mannheim an, mit seinem Arbeitsplatz in Kaiserslautern liege Neustadt daher ideal, was die Verkehrsanbindung betrifft.
Der Herzensverein ist Ende März zu Gast
In Kaiserslautern will er nun noch die ein oder andere Ecke erkunden. Als passionierter Wanderer freue er sich schon auf den Pfälzerwald, das Fritz-Walter-Stadion kenne er bereits, allerdings noch nicht bei einem Spiel des FCK. Anbieten würde sich beispielsweise das letzte Wochenende im kommenden März. Das ist Fortuna Düsseldorf zu Gast, Blumes Herzensverein.