Einsiedlerhof
Die Verkehrssituation im Stadtteil beschäftigt Ortsvorsteherin Christina Kadel
„Transparenz ist wichtig“, unterstreicht Kadel mit Nachdruck. Bei der Entscheidung über die Ansiedlung von Amazon habe diese komplett gefehlt – und fehle bis heute. Als Beispiel nennt sie die Lärm- und Verkehrsbelastung der Bevölkerung. Bereits 2018 habe der Mobilitätsplan Klima+ 2030 eine Überschreitung der verträglichen Verkehrsbelastung in der Ortsdurchfahrt festgestellt und eine Reduzierung empfohlen. Im Bebauungsplanverfahren für das Industriegebiet Einsiedlerhof Mitte 2017, bei dem es noch nicht konkret um Amazon gegangen sei, habe der Ortsbeirat seinerseits ein fehlendes Verkehrskonzept kritisiert.
Mit den Ansiedlungen von US Hospital, Amazon und dem Batteriewerk würden Tausende neue Arbeitsplätze erwartet, aber niemand kümmere sich darum, wie die Leute dorthin kommen, kritisiert Kadel. Es gehe immer nur um den Straßenausbau, nie darum, den Verkehr zu reduzieren: „Warum fragt man uns nicht, wir hätten ja vielleicht auch Ideen?“
Förderanträge sind gestellt, jetzt wird gewartet
Im Rahmen ihrer Beteiligung am Stadtteilentwicklungskonzept hätten Bürger geschildert, was ihnen wichtig ist, erinnert die Ortsvorsteherin. Für erste Maßnahmen zur Verbesserung der Barrierefreiheit an Bürgersteigen, am Zugang zur Bahnunterführung und zur Installation einer Querungshilfe an der Kaiserstraße sei ein Förderantrag inzwischen gestellt. Die Entscheidung sei abzuwarten.
Als gute Nachricht verbucht Christina Kadel, dass die Stadt mit der Deutschen Bahn im Gespräch ist, für den Fall, dass diese einen Teil ihres Geländes nördlich der Schienen verkaufen möchte. Mit dem Zugriff auf die Fläche solle sichergestellt werden, dass diese im Sinne des Stadtteilentwicklungskonzeptes entwickelt werden kann. Der Stadtrat habe für das Areal einen Bebauungsplan und eine Vorkaufssatzung beschlossen.
An Bahnhof und Kirche tut sich etwas
Die Entwicklung des Bahnhofsgebäudes samt Vorplatz liege in der Verantwortung des Eigentümers, erläutert Kadel. Gleiches gelte für das ehemalige Gelände der katholischen Kirche. Die Eigentümer beider Gelände bemühten sich um zügige Fortschritte, berichtet die Ortsvorsteherin. Sie stehe mit beiden in Kontakt und sei optimistisch, dass beide Liegenschaften im Sinne der Einsiedlerhöfer entwickelt werden könnten.
Wegen der Erweiterung des Bürgerhauses, einem anderen Langzeitprojekt im Stadtteil, haben Kadel zufolge mit der Stadtentwicklung erste Gespräche für eine grobe Planung der Vorgehensweise stattgefunden. Mittel dafür seien im städtischen Doppelhaushalt 2021/22 eingestellt. Zur Verbesserung des Erscheinungsbildes des Einsiedlerhofs habe das Referat Stadtentwicklung außerdem eine Gestaltungsfibel erarbeitet. Nach der Prüfung durch das Rechtsamt solle der Entwurf dem Ortsbeirat vorgelegt werden.
Eine gute Nachricht hat die Ortsvorsteherin auch für die Jugendgruppe des Männergesangvereins (MGV) im Stadtteil. Für die Anschaffung einer Tischtennisplatte für den Außenbereich und deren Aufstellung sei der Auftrag erteilt, berichtet Kadel.
Bürger befragt: Und was meinen Sie?
Vor fünf Jahren hat Christoph Krupp mit seiner Ehefrau, die vom Einsiedlerhof stammt, dort Wurzeln geschlagen. Die Vorteile des Stadtteils hat er seither durchaus schätzen gelernt: „Man merkt, dass dort was passiert.“ Positiv überrascht haben ihn auch das rege Vereinsleben, die Mitmenschen und überhaupt das Miteinander vor Ort.
Hier ein Haus zu bauen, sei mit die beste Entscheidung gewesen, erklärt Krupp. Seine Ehefrau könne ihre Arbeitsstelle zu Fuß erreichen, und nach der Corona-Zwangspause könne die Tochter hier in den Kindergarten gehen. Vorteilhaft für sich selbst sieht er die zentrale Lage, die ihm ein schnelles Erreichen seines Arbeitsplatzes in Homburg ermöglicht. Dass der erkennbar zunehmende Verkehr im Stadtteil durchaus keine rein positive Resonanz bei den Bewohnern findet, ist ihm dabei keinesfalls fremd. Selbst wenn er am Wohnort seiner Familie davon nicht so viel mitbekommt.
Krupp erlebt aber schon, wie vor allem auf der Jakob-Pfeiffer-Straße in Richtung Industriegebiet und Autobahn der Verkehr im Stadtteil spürbar zugenommen hat. Seit die Ansiedlung von Amazon im Gespräch ist, befürchtet er, dass damit noch mehr Verkehr in den Stadtteil kommen könnte. Selbst wenn der Großteil des Verkehrs vom Opelkreisel her zugeleitet wird.
Abgesehen von der Verkehrssituation freut Christoph Krupp, wie der Einsiedlerhof mit verschiedenen Zukunftsprojekten allmählich insgesamt in ein besseres Licht rücke. Eine richtige Einkaufsmöglichkeit fehlt immer zwar immer noch, aber wenigstens gebe es jetzt wieder einen Bäcker vor Ort.