Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Die Untiere und die Kabarettistin Anny Hartmann – eine runde Sache

Philipp Tulius und Marina Tamássy von den Untieren.
Philipp Tulius und Marina Tamássy von den Untieren.

Die Kaiserslauterer Kabarettgruppe Die Untiere ist bekanntermaßen einfach gut. Die vielfach preisgekrönte Kölner Kabarettistin Anny Hartmann in ihrem Metier ebenfalls. Wie eine Kombination auf der Live-Bühne aussieht, zeigte sich am Freitag im SWR-Studio.

Die 25. Ausgabe von „Ein Untier kommt selten allein“ wurde nicht nur durch ihre personelle Besetzung eine runde Sache, sondern auch durch den gewohnt vielseitigen Aufbau mit hochwertigen Versatzstücken aus dem klassischen Kabarett. Die vier Haupt-Untiere – allesamt musikalisch gebildet und darstellerisch gewieft – arbeiteten sich auch diesmal wieder gemäß ihres Anspruchs, „politeramusisches Kabarett“ zu machen (also eines, das politisch, literarisch und musikalisch zugleich ist), mit Text und Musik quer durch aktuelle politische und gesellschaftliche Entwicklungen.

Eine sichere Basis erstellte dabei das Ober-Untier, der Textakrobat und Schlagzeuger Wolfgang Marschall, als Schöpfer und Rezitator von inhaltlich wie sprachlich scharf geschliffenen Texten. Da ging es mal um das Berliner Polit-Geschehen – hier etwa um sprachliche Kapriolen á la „Doppel-Wumms“ – oder, Spezialgebiet des Quartetts, um die Lauterer Lokalpolitik, aus der besonders die kommende Oberbürgermeister-Wahl thematisiert wurde.

Der OB muss wieder herhalten

Dabei rückte freilich wieder der aktuelle Amtsinhaber Klaus Weichel ins Blickfeld. Hier tat sich speziell Gitarrist und Parodist Philipp Tulius in seiner im Duktus perfekt präsentierten Paraderolle als „Klausi“ hervor. Weitere Bauteile des gelungenen Kabarettabends lieferten zum einen Willi Haselbek in einem musikalischen Intermezzo zum schon oft kritisierten öffentlichen Nah- und Fernverkehr, zum anderen natürlich Marschalls Ehefrau Marina Tamássy.

Diese präsentierte neben einem kurzen Auftritt als schrille „Berta“, während dem sie ein unerwartet auftretendes Mikrofon-Problem rollengemäß locker-lässig buchstäblich überspielte, mit ihrer tragenden, geschulten Singstimme unter anderem tiefgehende Gedanken zum „Labyrinth des Lebens“, so der Songtitel, und das im Kontext des Ukraine-Kriegs zu sehende, unter die Haut gehende Anti-Kriegs-Lied „Hör’ zu, Herr Präsident“. Ein Moment schwerer Stille, dann anhaltender Applaus. Einer der Höhepunkte des Abends.

Unterhaltend und nachdenklich stimmend

Auf etwas andere Weise beeindruckte der Stargast: Die Kabarett-Koryphäe Anny Hartmann beschäftigte sich nämlich außer mit den gängigen Inhalten kritischer Kabarettprogramme – Klimawandel, Frauenbilder und Religion etwa – auch mit Themen wie Kapitalismus, wirtschaftlicher Wachstum und Steuerpolitik. Und die Frau weiß, wovon sie spricht: Sie ist studierte Volkswirtin und hat im Bankwesen gearbeitet.

Das waren dann zum Teil nicht gerade gängige Thematiken, aber dadurch und durch die frisch-forsche Art ihrer Präsentation – inklusive ein paar zwar nicht mehr ganz frischer, aber durchaus auflockernder Chuck–Norris-Witze – ebenso unterhaltend wie auch nachdenklich machend. Kein Wunder, so Hartmann etwa, dass wir global gesehen in Deutschland vergleichsweise wenig CO2 ausstoßen – wo wir doch Produktionen und Treibhausgasausstoß weit weg in andere Gegenden der Welt verlagern.

Ein herbstliche Zugabe

Einen satten Schlusspunkt etwas außerhalb kabarettistischer Inhalte, aber eben gut zur Jahreszeit passend, setzten dann Marina Tamássy und Band mit „Autumn Leaves“ als gelungene Zugabe. Da herrschte für ein paar Augenblicke eine anheimelnde Atmosphäre wie in einer schummrig-schönen Jazz-Bar. Unterhaltung, Nachdenkenswertes, Anspruchvolles und solche Gänsehautmomente. Eine runde Sache eben.

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