Kaiserslautern
Die Trommler spielen auch mit Essbesteck
Die Welt der Percussion hält unendliche Klangmöglichkeiten bereit. Sie ist dicht und abwechslungsreich und kann Hörer ganz tief auf eine oft archaisch anmutende aurale Reise mitnehmen. Dass dabei oft letzte Dinge verarbeitet werden, ist kein Wunder, denn schließlich zählen die Trommeln zu den ältesten Instrumenten der Welt. Diese Welt repräsentiert ein weites dynamisches Spektrum und erforscht viele Emotionen. Das spürt man auch, wenn man mit Timo Gerstner ins Gespräch kommt.
Selterswasser, Kaffee und sogar Gebäck stehen schon für den Besucher bereit, und die anfänglichen psychologischen Schranken fallen da wie von selbst. „Hands on!“ wird ihr Programm heißen, verrät Timo Gerstner. „Hat aber mit dem „Hands up!“ aus den Western nichts zu tun.“ „Die Hände werden angeschaltet“, bedeute das, und dann gehe es los wie der Teufel. „Gehen wir doch mal in meinen kreativen Saustall, da gibt es interessante Instrumente“, fordert er auf.
Mit Wasserbehälter
Aber dieser „Saustall“ entpuppt sich überhaupt nicht als Durcheinander. Perkussionisten und ihre kleine abgesteckte Welt! Alles spielt sich in einem kleinen Geviert ab. Jedoch ein ganzes Arsenal an Schlaginstrumenten öffnet sich da. „Percussion-Instrumente aus der ganzen Welt“, sagt er leichthin und präsentiert Claves, Blocks, Tambourin, Shaker, Cabasas, Maracas, Cajon, Jemba oder Agogos. „Das hier sind lateinamerikanische Congas, hier ist eine kleine, indische Rahmentrommel, und das ist eine orientalische Rahmentrommel“, führt er vor. Die beiden Percussionisten – in seinem Duo BeatBop arbeitet der Kaiserslauterer Lehrer und Musiker mit Jonas Völker zusammen – würden aber auch Alltagsgegenstände wie Teller oder Essbesteck in ihre Musik integrieren, so Gerstner. Sogar ein Wasserbehälter ist dabei.
Und wie sieht das Programm der beiden aus? „Wir spielen unter anderen Stücke von Steve Reich oder Arthur Adler. Die meisten Stücke aber schreiben wir selbst“, konstatiert er. Der Prozess, wie ihre Eigenkompositionen entstehen, hänge davon ab, worauf sie spielen. „Wenn wir auf traditionellen Instrumenten wie Congas oder Rahmentrommeln spielen, beginnt alles mit der Spieltechnik oder einem traditionellen Rhythmus. Davon ausgehend variieren und improvisieren wir, bis sich ein Rahmenschema abzeichnet. Bei Alltagsgegenständen versuchen wir zunächst einmal, die klanglichen Möglichkeiten des Gegenstandes zu ermitteln. Dann kommen bereits erste Ideen zustande.“ Ist das Verständnis zwischen den beiden intuitiv? Diese Frage sei interessant, meint Gerstner. „Aber wir spielen nun schon seit 15 Jahren zusammen, dass die Selbstverständlichkeit, in der wir zusammenarbeiten, irgendwie normal geworden ist. Darum würde ich schon sagen, dass es ein intuitives Verständnis gibt.“
Künstlerische Raffinesse
Und wovon lassen sich die beiden beim Komponieren inspirieren? „Die Inspiration“, sagt der Gymnasiallehrer, „beziehen wir aus ganz unterschiedlichen Situationen. Manchmal ist es ein Song, den wir beide gut finden. Manchmal ist es das eintönige Vor-sich-hin-Trommeln, manchmal sind es aber auch Musiker, die wir live erlebt oder die uns unterrichtet haben.“ Konkrete Stimmungen verarbeiteten sie nicht, „aber wir wollen mit unseren Stücken Stimmungen bei den Zuhörern hervorrufen.“ Wenn sie traditionelle Trommeln wie die Bongos oder die indische Kanjira einsetzen, „dann versuchen wir möglichst auch traditionelle Rhythmen einfließen zu lassen“, erklärt er zusätzlich. „Wir setzen uns mit der Musik anderer Kulturkreise auseinander, und dabei beziehen wir sowohl die Instrumente als auch die Rhythmen mit ein.“ Größten Wert legen sie auf künstlerische Raffinesse und hohes technisches Niveau. „Aber humoristische Elemente“, so der Neu-Lautrer, „haben wir auch dabei. Es darf auch gelacht werden in unseren Konzerten.“
Timo Gerstner und Jonas Maurer haben von 2009 bis 2014 gemeinsam an der Staatlichen Hochschule für Musik in Karlsruhe Schulmusik mit Hauptfach Schlagwerk bei Isao Nakamura studiert. Ferner nahmen sie an zahlreichen Fortbildungen (unter anderen bei Hakim Ludin, Roland Peil, Richie Flores) teil. Außerdem waren die beiden über mehrere Jahre hinweg am Karlsruher Institut für Technologie (Institut für Lehrerberufseignung) angestellt, um Fortbildungsmaßnahmen für Lehrer und Lehrerinnen aller Schularten zu erproben.
Seit zwei Jahren Lautrer
Seit 2010 unterrichtete Gerstner Drum-Set und Perkussion im Drummer Circle Karlsruhe, konzertant unterwegs ist er in verschiedenen Formationen. Seit zwei Jahren wohnt Timo Gerstner in Kaiserslautern, er ist Lehrer für Musik und Mathematik am Hohenstaufen-Gymnasium. Schon ein Jahr länger in Kaiserslautern ist seine Frau Katarina Klebsch. Sie hat am Pfalztheater eine Stelle als Bratschistin gefunden. Die beiden fühlen sich sehr wohl in der Barbarossastadt, begeistert sind sie vor allem von dem vielfältigen kulturellen Angebot.
Heiß wird es aber beim Konzert mit dem Duo BeatBop, denn die beiden haben jede Menge energiegeladene Stücke in petto. Im Anschluss an das Konzert möchte Gerstner noch einen Schlagwerk-Workshop für Anfänger anbieten.
Termin
Konzert „Hand On!“ mit dem Duo BeatBop, Samstag, 14. September, 19.30 Uhr, Friedenskapelle Kaiserslautern. Karten zu 13 Euro sind nur über die Vorverkaufsstellen der Stadt Kaiserslautern erhältlich, etwa in der Tourist-Information, Telefon 0631 3652316 oder beim Thalia Ticketservice, Telefon 0631 36219814.