Betze-Geflüster
Die „Störche“ nisten am Platz an der Sonne, der Nest-Baumeister hat ein FCK-Herz
Das erste von vier „Endspielen“, um den Zweitliga-Verbleib doch noch zu schaffen - oder sich wenigstens das Türchen zur letzten Hoffnung, sprich Relegation - offen zu halten, führt den 1. FC Kaiserslautern heute ins Holstein-Stadion. Gut 2000 Fans der Roten Teufel sind dabei. Das Prinzip Hoffnung beschwört auch Trainer Friedhelm Funkel: „Du hast keine Chance, aber die wollen wir nutzen!“
Die „Störche“, 2018 gegen Wolfsburg und 2021 gegen Köln (mit Funkel als Trainer) in der Relegation zur Bundesliga gescheitert, führen die Tabelle vor dem punktgleichen FC St. Pauli mit sechs Zählern Vorsprung vor dem Liga-Dritten Fortuna Düsseldorf an. In Schleswig-Holstein darf davon geträumt werden, endlich auch einen Bundesligisten im Lande zu haben.
Der Baumeister des Kaders, der nach einem Mega-Umbruch im letzten Sommer nach den Sternen greift, ist der Geschäftsführer Sport, der auch das Amt des Vize-Präsidenten bekleidet: Uwe Stöver. Der 57-Jährige ist seit 7. Oktober 2019 im Amt, zum zweiten Mal nach 2015/16 beim KSV Holstein unter Vertrag. Stöver hat seinem Verein schon letzten Sommer erklärt, dass er seinen auslaufenden Kontrakt nicht mehr verlängern wird, seit März arbeitet er seinen Nachfolger Carsten Wehlmann (51), bis Dezember Sportdirektor bei Darmstadt 98, ein. Man kennt sich: Der frühere Torhüter, unter anderem beim FC St. Pauli und beim HSV in Lohn und Brot, war Torwart-Trainer der Kieler während Stövers erstem Engagement zwischen Dezember 2015 und Mai 2016 als Sportdirektor an der Förde. Dann folgte Uwe Stöver dem Lockruf „seines“ 1. FC Kaiserslautern.
Fast 25 Jahre Mitglied beim FCK
Dort startete der Ex-Mainzer am 1. Juli 2001 als A-Jugendtrainer, drei Monate später löste er Michael Dusek als Trainer der zweiten Mannschaft ab, leitete von 2003 bis Oktober 2007 das Nachwuchsleistungszentrum der Roten Teufel. Stationen als Sportdirektor in Wiesbaden, beim FSV Frankfurt und Kiel folgten, ehe Stöver 2016 wieder in Lautern landete. Er wurde im damaligen Intrigen-Stadl nicht glücklich, und stieg nach einem stressreichen Jahr auf eigenen Wunsch wieder aus. Über den Umweg St. Pauli landete Stöver am 7. Oktober 2019 wieder in Kiel – geblieben ist die Verbundenheit zum FCK, dessen Mitglied er nach wie vor ist. Nächstes Jahr wird Stöver für 25 Jahre Mitgliedschaft bei den Roten Teufeln geehrt.
Interviews will Uwe Stöver erst nach Saisonende wieder geben, der seine Zeit in Kiel wohl mit dem Aufstieg in die Bundesliga krönen wird. In Mainz war Carsten Wehlmann sein Nachbar, jetzt wird er sein Nachfolger. Der Übergang läuft traumhaft ruhig in perfekter Harmonie. Stöver ist noch immer nah dran, sitzt noch auf der Bank - und war beim jüngsten Platzsturm nach dem 1:0-Sieg beim HSV auch nicht mehr zu halten. Mainz, wo die Stövers ein Haus besitzen, wird am Sommer zum Lebensmittelpunkt der Familie – nah bei der Schwiegermutter, näher bei der betagten Mutter. Ob der gebürtige Wuppertaler dann noch mal arbeitet? Als Manager, als Berater, als Scout? Alles kann, nichts muss …
Kiels Spielmacher Lewis Holtby fehlt
„In Kiel erwarten die Wenigsten etwas von uns“, sagt FCK-Trainer Friedhelm Funkel vor dem Gastspiel beim Primus, dem der nach einer Gelb-Roten Karte gesperrte Spielmacher Lewis Holtby fehlen wird. Ihn holte Stöver 2021 nach Kiel – ein Glücksgriff. „Unglaublich stabil“ nennt Funkel das Kieler Konstrukt. Die letzten sechs Spiele haben die „Störche“ gewonnen – alle zu null …
„Das sind Alles-oder-Nichts-Spiele“, sagt Funkel, der auf die zumeist guten Auswärtsauftritte seiner Mannschaft setzt. Die aber versäumte, sich dabei zu belohnen. Zeit, dass sich was dreht.
