Sport in der Corona-Krise
„Die Schwimmfähigkeit in der Gesellschaft leidet enorm“
„Unser Verein hat kein Wasser“, fasst Thilo Vollrath, der Vorsitzende des Kaiserslauterer Schwimmsportklubs (KSK), mit knappen Worten zusammen, welch sportlichem Dilemma derzeit selbstverständlich auch der KSK unterliegt. Ist natürlich hart, wenn Schwimmer, Wasserballer oder Synchronschwimmer ihres Elementes beraubt sind. Und es ist nicht nur der Sport, der hier gerade gänzlich auf dem Trockenen sitzt, Schwimmkurse finden logischerweise auch keine statt, und seit Monaten – Ende noch nicht absehbar – gibt es keine Nachwuchsarbeit. Keiner rückt aus den Schwimmkursen nach, um dann als Wettkampfschwimmer die Techniken weiter zu verfeinern.
In die falsche Richtung
„Die Schwimmfähigkeit in der Gesellschaft leidet enorm“, sieht Vollrath in fehlenden Schwimmkursen generell ein weitreichendes Problem, nicht unbedingt für den KSK, der einen großen Beitrag zur Schwimmfähigkeit der Kinder beitrage, sondern insgesamt. Sicher schwimmen zu können, sei wichtig. Der Verein habe schon vor der Krise beobachtet, dass die Kinder in die weiterführenden Schulen kommen und viele noch immer nicht richtig oder gar nicht schwimmen können. Corona drehe diese ungute Schraube noch weiter in die falsche Richtung.
Mit großer Resonanz
Während also keiner ins Wasser darf, geben die Trainer und Übungsleiter im Verein ihr Bestes, um die Wettkampfschwimmer durch Trockentraining einigermaßen beweglich und bei Kondition zu halten. Mehrfach pro Woche treffen sich die einzelnen Alters- und Leistungsstufen online, mit großer Resonanz, wie Vollrath feststellt. Selbst einige der Wasserballer hätten sich schon bei den Wettkampfschwimmern und ihrem Trocken-Training angeschlossen.
Stabilität und Flexibilität
Die leistungsstärkeren Schwimmer trainieren online über Zoom zweimal wöchentlich gemeinsam unter Anleitung von Bianca-Mara Stief. Die Jüngeren, trainiert von Leon Wilke und Lukas Vollrath sowie von Franziska Kleber und Hanna Herrmann, sind im Wasser zwar unterschiedlich unterwegs, online wird nun aber zusammen trainiert. „Die Trainer haben einen Trainingsplan ausgearbeitet mit verschiedenen Stabilitätsübungen, Kraftübungen, Challenges und Flexibilität“, berichtet Hanna Hermann, die KSK-Pressewartin, dass das Training sehr gut angenommen wird. Im Durchschnitt seien pro Sitzung etwa zwölf bis 15 Teilnehmer zwischen zehn und 14 Jahren anwesend.
Sportlicher Adventskalender
„Da Schwimmen ein sehr vielfältiger Sport ist, der unterschiedliche Fähigkeiten fordert, ist es neben dem Athletiktraining auch wichtig, seine Ausdauer zu stärken“, ist es Hermann wichtig, dass Kinder und Jugendliche Disziplin und Motivation zeigen und joggen gehen. Gemeinsam mal um den Vogelwoog laufen, das geht ja gerade nun mal nicht. Auch wenn das Online-Training nicht optimal sei, so sei es wichtig, wenigstens zusammen Sport zu machen und sich durchaus auch mal über etwas anderes als über den Sport zu unterhalten. „Wir sind ein Team und trainieren im Wasser miteinander und deshalb jetzt auch. Außerdem macht Sport mit seinen Freunden eh mehr Spaß“, so Hermann. Nun geht so was nicht jeden Tag, aber das Trainerteam hält die Motivation täglich noch mit einem „sportlichen Adventskalender“ hoch. An jedem Tag muss der Unterarmstütz etwas länger gehalten werden.
Auch Positives bewirkt
„Natürlich sind alle enttäuscht, dass die Bäder geschlossen und wir alle gestrandet sind. Wir versuchen uns so fit wie möglich zu halten“, wollen die Trainer die Defizite nicht so groß werden lassen und hoffen, dass sie im nächsten Jahr bald wieder in ihr Element dürfen. Corona hat aber, wenn man so will, auch Positives bewirkt. „Wir haben bemerkt, dass unsere Schwimmer auch an Land sehr gute Leistungen erbringen“, berichtet Hermann von der Überlegung, nächstes Jahr als Team beim City-Lauf zu starten. Und noch etwas wurde in jüngster Zeit erledigt. Das Schwimmerheim hat dank emsiger Vereinshelfer ein neues Dach bekommen. „Das war ein Mammutprojekt“, ist Vollrath froh, dass es geschafft ist. Froh ist er auch, dass wenigstens die Vereinsmeisterschaft noch während des offenen Freibades ausgeschwommen werden konnte. „So haben wir wenigstens keine Lücke in der Historie“, muss er dann doch mal lachen.