Kaiserslautern
Die Schwedin Ida Sand im Cotton-Club mit „Do You Hear Me?“
Trotzdem überrascht die Stimme von Ida Sand, weil es überhaupt nicht nach Skandinavien klingt, vielmehr erdig, herb, tiefschwarz und den Gospels und Blues authentisch verbunden. Ein wesentlicher Unterschied zu den meisten anderen Sängerinnen ist außerdem, dass sie auch Pianistin ist und ihr Gesang mit ihrem Klavierspiel Hand in Hand geht. Die Songs aber klingen eindeutig persönlicher. Hier lebt sie ihr Faible für direkt auf das Herz zielende Melodien ungezügelt aus.
Das zeigt sich schon im Auftakt, der Gitarren-lastigen Folk-Nummer „Wasted On The Youth“, in der sich die Jazzsängerin, die sich beim Kammgarn-Jazzfestival 2009 präsentiert hatte, überraschend als Singer/Songwriterin gibt. Es folgt das groovige, fast jazzige „Burning“, das Staffan Astner mit trockenen, rauen Gitarrenklängen garniert. Mit einer angenehmen dunklen, oft tieftraurigen und doch kristallklaren Stimme und mit jugendlicher Frische bezirzt Ida Sand den Hörer in „Waiting“, während sich um sie herum ein Wonnebett mit einem Himmel voller dynamischer und außergewöhnlicher Klangfarben ausbreitet. Mit dem brüchigen Charme einer erfahrenen Stimme, die aus jeder Textzeile Bedeutung machen kann, intoniert sie die poppig-folkig klingende Ballade des Titeltracks „Do You Hear Me Now?“
Hypnotische Verse und Rhythmen
Ihre charismatische Stimme klingt in poppigen Balladen wie dem Love-Song „Too Close For Comfort“ sanft und einschmeichelnd, in rockigen Stücken wie dem „Sumpfrock“ „Born On The Bayou“ von Creedence Clearwater Revival oder dem knackigen Soul-Shuffle „Don’t Run Away“ kann sie auch ordentlich loslegen. Und sie kann wesentlich mehr, als nur Jazz-Standards schön zu interpretieren.
Ihre selbst geschriebenen Songs klingen wie ein lebendiger Organismus. Sie repräsentieren ein weites dynamisches Spektrum und erforschen viele Emotionen. Als Hörer lässt man sich fallen in hypnotische Verse und Rhythmen. In Neil Youngs „Harvest Moon“ versetzt sie den Gast mit ihrer Sahnestimme in ein musikalisches Wohlfühlbad mit „Badezusatz“ und gitarristischen „Spritzern“. In der funkigen Hymne „Now Is Not The Time“ à la Randy Crawford bekommt ihre Stimme einen feurigen Touch. Im abschließenden Band-Klassiker „The Wheigt“ schlagen die Töne Purzelbaum wie bei einer losgelassenen Rasselbande und die Schwedin schüttelt den ewigen Sommer aus den Noten.
Jaulende Gitarrenklänge
Perfekt passen sich Ida Sands Begleiter ein, sind es doch alles alte Freunde, mit denen sie unzählige Male im Studio oder auf der Bühne stand. Auf seiner E-Gitarre produziert Staffan Astner faszinierende Klänge. Mit hingebungsvollen Effekten bereichert er den außergewöhnlichen Farbkasten der Band. Mal bringt er die Gitarre zum Singen, mal entfacht er ein Inferno an Jaul- und Überlagerungsklängen, dann wiederum gibt er sich als Zauberer der Melodie und spielt gesangliche, wohltönende, sensible Linien, die eine große dynamische Spannweite besitzen.
Der Haudegen Dan Berglund, früher Mitglied des legendären Esbjörn Svensson-Trios, schafft am Kontrabass ein solides harmonisches Fundament aus dem Flug ungebundener Melodien heraus. Seine Virtuosität liegt auf einer höheren Ebene: in einer unglaublichen Fähigkeit, den Bass klingen zu lassen. Und das Gravitätische seines Instruments kultiviert er wie kein anderer mit einer abgrundtief dunklen Resonanz im Ton und einer Erdhaftigkeit im Timbre. Ob gezupft oder gestrichen.
Emotional und kraftvoll
Vielschichtig und höchst anspruchsvoll spielt auch Per Lindvall (Abba) am Schlagzeug, der es versteht, die Emotionalität des Folk und die Kraft des Rock mit der Beweglichkeit und Vielschichtigkeit des Jazz zu verbinden. Dabei sensibilisiert er jedoch die harten, kantigen Linien und macht sie geschmeidig, ohne ihnen etwas von ihrer Motorik und physischen Direktheit zu nehmen.