Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Die Rückkehr ausgestorbener Kröten

Gunther Pfaff von der Maguna Stiftung, Thorsten Stoeck, Stefan Lorenz, Helmut Schmidt und Lukas Knieriemen begutachten die Funda
Gunther Pfaff von der Maguna Stiftung, Thorsten Stoeck, Stefan Lorenz, Helmut Schmidt und Lukas Knieriemen begutachten die Fundamente des Freilandterrariums, in das die Knoblauchkröten einziehen sollen.

Die Knoblauchkröte, eine echte Ureinwohnerin der Pfalz, gilt seit fast 20 Jahren als verschollen. Ohne Hilfe wird die Kröte hier nicht mehr heimisch. Die Stiftung Maguna startet mit der Technischen Universität Kaiserslautern nun ein Projekt zur Sicherung der Wiederansiedlung.

Der Beton rauscht in die Bodenumrandung. Es sieht aus wie ein Fundament. Ist es auch, nur wird auf dem Gelände der TU Kaiserslautern, unmittelbar neben dem Fachbereichsgarten der Biologie, kein neues Gebäude errichtet. Was da in Windeseile Form annimmt, wird ein acht auf acht Meter großes Freilandterrarium. Und zwar nicht irgendeins: In Kooperation mit der Stiftung Maguna will die TU hier die Erhaltungsnachzucht für seltene und bedrohte Amphibienarten auf den Weg bringen. Zunächst geht es um die Wiederansiedlung der verschollenen Knoblauchkröte.

Kröte gehörte in der Pfalz und an der Saar dazu

Die Knoblauchkröte, auch als Kartoffelkröte oder Landunke bezeichnet, war früher eine der Arten, die zur Pfalz oder dem Saarland einfach dazugehörten. Das ist lange her. „In der Westpfalz gelang der letzte Nachweis 2004, im Saarland ist sie seit den 1970ern verschwunden“, stellt Christoph Bernd, Freilandbiologe und Vorstandsmitglied der Stiftung Maguna, nüchtern fest. Insgesamt steht es laut Bernd generell ziemlich schlecht um die Amphibien. „65 Prozent der Amphibienarten sind bedroht“, zeichnet der Experte ein ziemlich düsteres Bild.

Bei der Knoblauchkröte, die ihren Namen trägt, weil sie bei Gefahr ein Sekret absondern kann, das nach Knoblauch oder verbranntem Schwefel riecht, ist die Bedrohung längst in ein „Ausgestorben“ umgeschlagen. Sie gilt als verschollen, heißt es bei den Experten. Eine Ureinwohnerin weniger, zumindest bei uns.

Es gibt noch wenige kleine Populationen unter anderem in der Rheinschiene. Doch sie wird ohne Hilfe nicht mehr zu uns zurückkehren. Da sind sich die Experten absolut sicher. „Biotope schaffen alleine, das reicht da nicht“, spricht Bernd die Zerschneidung der Natur an. Hinzu komme die gewaltige natürliche Ausfallrate des Laichs von 98 Prozent durch Fressfeinde in den Gewässern. Heißt im Klartext: Soll die Kröte wieder heimisch werden, braucht es menschliche Unterstützung.

Aufbau einer eigenen Zuchtlinie beginnt

Genau damit hat die Stiftung Maguna unter ihrem Gründer und Vorstand Gunther Pfaff bereits im Jahr 2018 begonnen. 100 in Darmstadt nachgezüchtete junge Knoblauchkröten mit heimischem Genpotenzial wurden in der Westpfälzer Moorniederung wieder angesiedelt. 70 weitere folgten 2019, dann war Schluss. Die Zuchtlinie in Darmstadt war unterbrochen, es gab einfach keinen Nachwuchs mehr.

„Wir entschlossen uns, eine eigene Zuchtlinie aufzubauen“, sagt Gunter Pfaff. Mit dem Vorhaben rannte er bei der TU Kaiserslautern, angefangen von Helmut Schmidt über Arnd Poetzsch-Heffter, dem ehemaligen und heutigen Präsidenten, sowie Kanzler Stefan Lorenz und Thorsten Stoeck vom Fachbereich Biologie, weit geöffnete Türen ein. Die TU stellt für die Erhaltungsnachzucht nicht nur ein Gelände zur Verfügung. Professor Thorsten Stoeck und sein Team werden die Nachzucht sowie die Wiederansiedlung auch mit Forschung und Lehre begleiten. „Ein einzigartiges Projekt“, ist sich Kanzler Stefan Lorenz sicher.

Gunther Pfaff nimmt außerdem Sponsoren – unter anderem die Horn-Knieriemen-Stiftung, die Firma Tromsdorf, Omlor oder auch die Schlosserei Brämer – und die Sponsorensumme von 15.000 Euro mit auf den Weg, die Stiftung investiert weitere 8000 Euro.

2023 sollen junge Kröten ausgesetzt werden

Dort, wo dieser Tage der Betonwagen zu sehen war und quasi feste Fakten schuf, da sollen Ende Juni/Anfang Juli die ersten fünf bis zehn erwachsenen Knoblauchkröten aus der Darmstadter Zucht einziehen. Bis dahin wird im Freilandterrarium für alles gesorgt, was eine Kröte so braucht. Das sind einmal die Wasserbereiche zum Ablaichen. Es werden aber auch Sandlinsen entstehen, also mit Sand aufgefüllte Bereiche, die der Vorliebe der Kröte, sich zu vergraben, entgegenkommt. Zudem entstehen steinige Bereiche, die als Winterquartiere benötigt werden. Ganz wichtig: Das gesamte Freilandterrarium wird mit etwa ein Meter hohen Wänden umgeben. „Nur wenn keine Kröte raus und auch keine von draußen rein kann, ist eine kontrollierte Aufzucht möglich“, erklärt Christoph Bernd das Prinzip.

Im nächsten Jahr, wenn alles gut geht, wird es den ersten Laich und nach der Weiterentwicklung junge Kröten geben. Die wiederum wird Maguna zur Wiederansiedlung in der Moorniederung aussetzen. Die Genehmigung dafür liegt vor. Jetzt liegt es an den Kröten, für Laich zu sorgen.

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