Kaiserslautern
Die Pfalzphilharmonie spielt, was das Publikum will
Nun, die Voraussetzungen waren unter dem Motto „Sie wünschen - wir spielen“ zusammen mit der begeisternden Solistin Arminia Friebe (Sopran) für das erste Pfalztheaterkonzert ideal. Dennoch zeigen leere Stühle und im hinteren Bereich sogar leere Reihen, dass die Krise bei kulturellen Veranstaltungen tiefer sitzt.
Immer wieder veränderte Sitzordnungen
Vorab muss einmal das in letzter Zeit bei Radio Philharmonie (und jetzt auch) Pfalzphilharmonie häufige Umsetzen hinterfragt werden, das an diesem Abend mehr irritierte als inspirierte: Die Violinen jetzt nicht nebeneinander, (was dem Zusammenhalt förderlich wäre), sondern getrennt gegenüber. Die Kontrabässe nicht mehr rechts und seitlich, sondern links mittig.
Der ohnehin meist dominante Pauker rückt jetzt vom Hintergrund nach vorne und sorgt für mehr Wirbel. Kurz: Ungewohnte Sitzpositionen bewirken auch unerwartete Klangverhältnisse, es stellt sich nicht der als Ideal angestrebte Mischklang, sondern eher ein Spaltklang ein.
Unter schwierigen Bedingungen
Vielleicht wollte ja Kapellmeister Olivier Pols die Protagonisten (und sich selbst) testen, ob sie auch unter schwierigsten Bedingungen zusätzlich zum ohnehin praktizierten Ortswechsel (vom Theater ins SWR-Studio) bestehen können. Das wiesen sie bei Beethovens Ouvertüre zur Oper „Fidelio“ zwar nach, dennoch konnten vor allem die lupenrein intonierenden Hörner und die am gewohnten Platz sitzenden solistischen Holzbläser überzeugen. Der Streicherklang wollte nicht so recht verschmelzen, die Stretta gegen Ende geriet etwas außer Kontrolle und es wurde erst mit Richard Strauss’ Zyklus „Vier letzten Lieder“ wesentlich besser.
Deren Subtilität im Geiste von Psychogrammen nach Texten von Hermann Hesse und Joseph von Eichendorff spürte die Sopranistin des hauseigenen Ensembles, Arminia Friebe, einfühlsam und im zarten Ausdruck als Rückzug in die Innerlichkeit nach. Sie zwang so Dirigent und Orchester zum sensiblen Einhören, Agieren und Reagieren, was insgesamt viele bewegende Momente lyrischer Faszination und klanglicher Inspiration sicherte. Wobei Friebe hinsichtlich Reinheit, Klarheit und Nuancierung ihrer Stimmgebung überzeugte, allerdings vom Dauer-Vibrato auf jeder Textsilbe beim Liedvortrag Abstand nehmen sollte.
Mendelssohns „Schottische“ als Höhepunkt
Die „Schottische Sinfonie“ von Mendelssohn-Bartholdy geriet in den Spielplänen vieler Orchester trotz großartiger thematischer Substanz und deren kunstvoller Durchführung und Entwicklung etwas ins Abseits. Beim Pfalztheaterkonzert eroberte sich diese 3. Sinfonie dank exzellenter Interpretation und souveräner Leitung am Dirigentenpult den höchsten Rang in der Programmfolge.
Da fügte sich alles harmonisch zusammen, wurde die jeweilige Thematik der vier Sätze genau getroffen. Allerdings mit der Einschränkung, dass Puls wie die meisten Dirigenten Angaben der Partitur zu Tempi und Dynamik nicht der klanglichen Wirkung im Raum sowie der Orchesterkapazität anpassen, sondern als absolut verstehen. Das Ergebnis: Beim Vivace des zweiten Satzes war manches Pult überfordert, zudem verschwammen die melodischen Linien. Beim Maestoso am Ende waren die Trompeten so überwältigt von ihrem Glanz in allzu kraftvollen Einwürfen, dass ihnen nicht mehr Einhalt zu gebieten war. Da war er wieder, der emphatische Überschwang, berechtigt infolge großartiger Leistungen; aber zu zügeln, um mehr strukturelle Klarheit und Transparenz sowie klangliche Ausbalancierung zu erzielen.