Kaiserslautern
Die Opel-Werksicherheit kümmert sich längst nicht mehr nur um Arbeitsunfälle oder Brände
Michael Bernhard ist in der PSA-Gruppe als Leiter der Konzernsicherheit verantwortlich für alle Standorte im deutschsprachigen Raum. Kaiserslautern hat sich, sagt er, in Sachen Werksicherheit zum Vorzeigestandort entwickelt: „Wir sehen uns als Dienstleister. Während eine öffentliche Wehr im Schadensfall kommt, löscht und wieder abrückt, bleiben wir, bis die Produktion wieder läuft.“ Und das – zumindest auf dem Werksgelände – innerhalb von drei Minuten nach der Alarmierung. Auf etwa 300 Einsätze kommt die Werksicherheit insgesamt, nur ganz wenige davon sind Brände.
Die Feuerwache auf dem Werksgelände ist mittlerweile im 24-Stunden-Schichtbetrieb besetzt, erläutert Bernhard, zuvor waren es 12-Stunden-Schichten. Dadurch habe man Personal einsparen können. „Die sieben Kollegen einer Schicht sind alle ausgebildete Werkfeuerwehrleute mit Rettungssanitäter- und Werkschutzausbildung“, sagt Bernhard. Denn neben klassischen Feuerwehrtätigkeiten gehören auch die Versorgung von Verletzten und der „Schutz der Außenhaut“ – des Zauns – vor fremden Eindringlingen zum Aufgabengebiet. Nicht allein wegen des großen Aufgabengebiets lege man viel Wert auf Weiterbildung: „Da kommen wir im Jahr auf rund 150 Stunden interner Ausbildungen.“
Wenig Einsätze und dennoch keine Langeweile
Etwa 70 Mal im Jahr – 2020 corona-bedingt wohl seltener – rückt der eigene Krankenwagen ins Werk aus, um medizinische Notfälle zu versorgen. Nur selten seien das klassische Arbeitsunfälle, betont Bernhard: „Wir decken das ganze Spektrum von Schürfwunden über Kreislaufprobleme bis hin zu Reanimationen ab.“ Um das auf hohem Niveau gewährleisten zu können, wird im Oktober ein neuer Krankenwagen in Dienst genommen. Unterm Strich sei, das wertet Bernhard als erfreulich, das Einsatzgeschehen sehr niedrig.
Doch langweilig dürfte den insgesamt 27 Feuerwehrleuten und neun Werkschutzkollegen, die an der Pforte ihren Dienst tun, nicht werden, wie Bernhard einräumt: „Wir sind Dienstleister für alle hier im Werk. Egal was ist, wir helfen.“ Fällt ein Lkw-Fahrer kurzfristig aus? Die Werksicherheit hilft. Müssen kurzfristig belegte Brötchen für einen Politiker-Besuch her? Die Werksicherheit hilft. Ebenso bei der Vorbereitung des Werks nach dem Corona-Stillstand – unter anderem mit Absperrbänder kleben, Desinfektionsmittel und Masken besorgen. Bernhard: „Wir sagen eigentlich nie nein, und sind da, wenn wir gebraucht werden.“ Einzig bei zeitkritischen Anfragen müsse man schon mal ablehnen, da es ja jederzeit zu Einsätzen kommen könnte. Doch das alles werde nicht aus Arbeitsbeschaffungsgründen gemacht, sagt Bernhard: „Das ist unser Part, was wir zu Kosteneinsparungen beitragen können.“
2800 Brandmelder im Werk sind zu warten
Gibt’s weder Spezialaufträge noch Einsätze, seien vorbeugende Brandschutzmaßnahmen an der Tagesordnung. Fluchttüren prüfen, Brandmeldeanlagen warten, Feuerlöscher testen. Um die Dimension zu zeigen: Auf dem Opel-Gelände gibt es laut Bernhard rund 2800 Brandmelder, 125 Sprinkleranlagen und gut 2500 Feuerlöscher: „Wenn wir mit allen Geräten durch sind, geht’s mit den Prüfungen wieder von vorne los.“
Sichtlich stolz ist Bernhard auf die Sicherheitszentrale. Von dort aus hat ein Mitarbeiter über zahlreiche Bildschirme wichtige Zaunabschnitte und Produktionshallen im Blick. Geht ein Alarm ein, lassen sich dank viel Technik mit nur wenigen Mausklicks die richtigen Einheiten alarmieren – im Ernstfall beispielsweise auch die Kaiserslauterer Berufsfeuerwehr. Bernhard: „Der Kollege im Dienst muss keine Checklisten mehr Abarbeiten.“ Im Einsatzfall hasten dann die Kollegen an der Zentrale vorbei und besetzen die Fahrzeuge.
Auf Bedarf angepasste Fahrzeuge im Fuhrpark
Neben dem Krankenwagen sind das laut Einsatzleiter Jürgen Busch ein Hilfeleistungsfahrzeug mit gut 700 verschiedenen Werkzeugen und 2000 Litern Löschwasser an Bord, ein Transporter, der nach Bedarf mit Rollcontainern voller Ausrüstung oder Schläuchen beladen werden kann, und ein Kran für Einsätze in Höhen oder schwer erreichbaren Stellen. Einen großen Unterschied zur Vorgehensweise öffentlicher Feuerwehren erklärt Busch ebenfalls: „Wir fahren mit unseren Fahrzeugen in die Hallen rein, möglichst nah an die Unfall- oder Brandstelle heran. Das würden die Kollegen nie tun, die bauen ihre Einsätze immer von außen auf.“ Was ja auch verständlich sei, da eine Feuerwehr ja längst nicht alle Gegebenheiten vor Ort kennen könne. Das Prozedere sei außerdem nur möglich, weil die Werksicherheitsmitarbeiter das Gelände und die Hallen wie ihre Westentasche kennen und frühzeitig vor Ort sind – bevor ein Brand außer Kontrolle gerate.