Kaiserslautern Die Geburt des Mondes

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Mit Musik aus Europas hohem Norden, romantischer, spätromantischer und zeitgenössischer Provenienz, bestritt das Mannheimer Nationaltheater-Orchester sein siebtes Akademiekonzert im Rosengarten. Den Auftakt gab die Uraufführung von „Theia“ des finnischen Komponisten Tomi Räisänen, einem Auftragswerk des Orchesters, gefolgt von Griegs Klavierkonzert und Sibelius’ fünfter Sinfonie. Räisänens Landsmann Pietari Inkinen dirigierte.

Die Inspiration zum neuen Stück war kosmisch. Vor ungefähr 4,5 Milliarden Jahren, berichtete Räisänen im Programmheft, habe eine gigantische Kollision eines Himmelskörpers mit der jungen Protoerde massive Trümmer produziert, aus denen unser Mond entstanden sei. Das Objekt, das die Erde traf, wurde Theia genannt, nach einer Titanin der griechischen Mythologie, Mutter der Mondgöttin Selene. Seiner Grundidee wurde das Werk gerecht: Es entfaltete stellenweise gigantische Tongewalt; sparte keineswegs mit klingenden Explosionen. Der 38-jährige Komponist mobilisierte ein Höchstmaß an sinfonischen Energien. So gab es unter anderem wuchtige Akkordblöcke zu hören, monumentale Klangballungen, verwegene Steigerungen, düsteres Grollen, dem grelle Pfeiftöne der Piccoloflöte gegenüberstanden. Selbstverständlich enthält die Komposition, die als frei atonal bezeichnet werden kann, auch Ruhepunkte, mit stillen Tönen und aparten Klangmischungen, darunter hellen Schlagzeugwirkungen, die von Räisänens verfeinertem Klang- und Farbsinn zeugen. Seine Vorliebe für Wiederholungen hätte er allerdings zähmen können. Eine überzeugende Aufführung erfuhr „Theia“ durch das Nationaltheater-Orchester und den am Pult mit großer Übersicht disponierenden Pietari Inkinen. Auch im weiteren Verlauf des Konzerts setzten Dirigent und Orchester überaus anregende Akzente. Der 35-jährige finnische Maestro schaltete und waltete sehr überlegen, sorgte für Spannung und Intensität des exakten orchestralen Zusammenspiels und beschwor mit Nachdruck die spätromantische Emphase und expressive Gewalt von Sibelius’ fünfter Sinfonie. Mit dem sehr konzentriert, kompakt und gepflegt spielenden Orchester entwarf er ein monumentales Klanggemälde, das auch durch Differenzierung und Feinschliff überzeugte. Beim norwegischen Intermezzo zwischen den beiden finnischen Stücken, Griegs Klavierkonzert, stand Yulianna Avdeeva, im Jahr 2010 Siegerin des extrem prestigeträchtigen Warschauer Chopin-Wettbewerbs, für absolut zwingende künstlerische Ansprüche ein. Ihr Vortrag des Soloparts geriet inspirierend, poetisch, farbig, höchst elegant, bei ganz erlesenen Anschlagskünsten. Der reinste Ohrenschmaus war auch die Zugabe der russischen Ausnahmepianistin: Chopins Walzer in As-Dur (op. 42).

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