Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Die Bekenntnisse von Jan Henning Kraus am Pfalztheater

Bekenntnisse eines Schauspielers: Jan Henning Kraus bei der Blauen Stunde.
Bekenntnisse eines Schauspielers: Jan Henning Kraus bei der Blauen Stunde.

Was einem so alles Unvorhergesehenen im Schauspielerleben passieren kann: Pfalztheater-Akteur Jan Henning Kraus plauderte in der Reihe Blaue Stunde aus dem Nähkästchen.

Die meisten Theaterbesucher kennen die Welt der Bühne nur durch den Blick auf die Szenerie, die sich hinter dem aufgezogenen Vorhang auftut. Was allerdings buchstäblich hinter den Kulissen passiert, was sich dort (und auch anderswo im großen Theaterbetrieb) vor und während der Vorstellung so alles an „Pleiten, Pech und Pannen“ ereignet, das bleibt dem Zuschauer normalerweise verborgen. Es sei denn, jemand vom Fach plaudert charmant aus dem Anekdoten-Kästchen des Theaterlebens. So wie der Pfalztheater-Schauspieler Jan Henning Kraus, der am Freitagabend im einmal mehr proppevollen Foyer des Hauses die aktuelle Ausgabe der Reihe Blaue Stunde gestaltete.

Fast ein Vierteljahrhundert ist Kraus nun schon Schauspieler (und Sänger), und die letzten anderthalb Jahrzehnte davon verbrachte er am Kaiserslauterer Haus. Da kommt so einiges zusammen an besonderen Erinnerungen und Geschichten, die Kraus jetzt in einer unterhaltsamen One-Man-Show unter dem Motto „Ach hör’ mir doch auf!“ präsentierte. Nein, er hörte nicht auf, ganz im Gegenteil: Kraus drehte förmlich auf, und das vom einführenden ersten Musical-Song an (ja singen kann er auch, und das außerordentlich gut). Es folgten im Minutentakt Geschichten, die man sonst nirgends in dieser Form zu hören bekommt.

Bauchtanz im Tanga

Etwa jene, die sich gleich bei seinem ersten Engagement ereignete. Kraus sollte im Kinderstück „Die verzauberten Brüder“ auf der Bühne ein echtes Lagerfeuer entzünden. Dazu hatte er genau vier Zündhölzer zur Verfügung – und alle versagten. Das leuchtende Feuer blieb aus, die Bühne wurde dennoch regiegemäß tiefdunkel und mit ihr (nun ungeplant) auch das ganze Haus – für die Kinder im Publikum keine angenehme Situation. So etwas vergisst man als Schauspieler nicht.

Auch nicht all die anderen kleinen und großen Pannen und Unvorhergesehenheiten. Unter anderem verpasste Einsätze in Szenen und Gesang, Versprecher bei schwierigen Texten (etwa beim Ortsnamen „Aranjuez“ gleich am Anfang von Schillers „Don Carlos“), eine unmittelbar vor der Aufführung wegbleibende Stimme und versehentlich falsche Kostüme gehören wohl zum „Standard“ dessen, was in einem Schauspielerleben so alles passieren kann. Kraus erzählte da beispielsweise von einer peinlichen Begebenheit, als er einmal auf der Bühne einen Bauchtanz in einem (in dieser Szene gar nicht vorgesehenen) knappen Stringtanga hinlegen musste.

„The show must go on“

Überhaupt Kostüme – da passierte auch Kollegen schon mal Kurioses. Falsch hingelegte Ritterhelme wurden verkehrt herum aufgesetzt, ein „König Artus“-Darsteller traf mit seinem wütend in den Boden gerammten Schwert „Excalibur“ prompt den eigenen Umhang und konnte sich nicht mehr vom Platz bewegen. Das Publikum toleriert solche Situationen, sofern sie überhaupt bemerkt werden, in der Regel. Ja, auch Requisiten können es in sich haben. Besonders dann, wenn sie nicht da sind. So wie ein Telefon in einer „Mephisto“-Aufführung. Was macht der Profi in so einem Fall? Nach dem Motto „The show must go on“ hielt sich Kraus nach einer Schrecksekunde die rechte Hand mit abgespreiztem Daumen und kleinem Finger ans Ohr und sprach in einen imaginären Telefonhörer.

Besonders „dicke“ kam es für Kraus und seine Kollegen einmal am Pfalztheater in Tennessee Williams’ „Die Katze auf dem heißen Blechdach“, als sich während einer Vorstellung plötzlich sämtliche Türen des Bühnenbildes nicht mehr öffnen ließen und eine der Hauptdarstellerinnen zusätzlich auf Grund akuter gesundheitlicher Probleme nur mit Mühe bis zum Schluss durchhielt. Es spricht für die Professionalität des gesamten Teams, dass man auch diese Situation noch zur Zufriedenheit aller auf und vor der Bühne meistern konnte.

Gebrochene Nase inklusive

Apropos Gesundheit: Auch Verletzungen gehören zu den persönlichen Erlebnissen von Jan Henning Kraus, dem während Vorstellungen schon einmal Zeh und Nase gebrochen wurden. Und natürlich gab es in der ganzen „Unerwartet“-Kategorie auch Positives zu vermelden: Als der Künstler einmal privat aus einem Londoner Theater trat, sprach ihn glatt eine Dame auf Deutsch an und fragte ihn: „Sagen Sie mal, sind Sie nicht Schauspieler in Kaiserslautern?“ Auch so etwas vergisst man nicht. Man hätte ihm glatt noch mindestens eine weitere Stunde zuhören können, so angenehm nahbar, so sprachlich locker-anspruchsvoll, so angereichert mit leicht dramatischen Darbietungselementen kam diese Blaue Stunde rüber. Vielleicht ist diese neue Ausprägung der Reihe ja ein Vorbild für ähnliche weitere Ausgaben.

Info

Die nächste Blaue Stunde findet am Freitag, 16. Juni, 17 Uhr (also eine Stunde früher als sonst üblich) statt. Unter dem Motto „Reine Frauensache“ präsentieren dann fünf Sängerinnen des Hauses romantische Lieder von Liebe, Glück und Schmerz.

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