Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Die Ausstellung „Playstation“ zeigt Glas- udn Keramikkunst

In der Schau „Playstation“ stellt Nora Arrieta Keramikobjekte aus, Benedikt Simon zeigt Glaskunst.
In der Schau »Playstation« stellt Nora Arrieta Keramikobjekte aus, Benedikt Simon zeigt Glaskunst.

In der neuen Ausstellung „Playstation“ im KunstRaum Westpfalz entführt die Kunst des Duos Nora Arrieta und Benedikt Simon in real-fiktive Welten.

Es stimmt mal wieder. Im KunstRaum Westpfalz weiß zuvor keiner, wie sich Kunst präsentiert. Dieses Mal breiten sich – bis auf wenige, gläserne Wandobjekte – rund 40 Exponate der beiden Ausstellenden quer über den Fußboden aus. Hier das Terrain fragil wirkender Pflanzenformen, von Benedikt Simon moduliert als farblos-milchige Glasplatten. Da eine Topographie farbsatter, ungewohnt massiger Steinzeugskulpturen, von Nora Arrieta geformt als Narrativ erinnerter Daseinsgeschichten.

Da bleibt beim Eintritt in die Galerie so mancher nichts ahnende Besucher unwillkürlich stehen, nutzt die Muße für eine Draufsicht. Welch ein Kontrast! Links Simons zarte, ja zerbrechlich gläserne Waldszenarien, rechts Arrietas ironisch-wolllustiges Sortiment pseudonymer Gefäße, die scheinbar überquellen mit Dingen, obwohl kein Hohlraum existiert. Ein Blick auf die jeweilig dargestellten Welten gleicht einem beredten Kunstgenuss, der naturgemäß in eben jenen Blicken der Besucher liegt.

Nichtsdestotrotz gibt es Gemeinsames. „Nora Arrieta und Benedikt Simon verwandeln Alltägliches und Gewachsenes – Natur, Pflanzen, Objekte – in spielerisch erforschte und entwickelte Skulpturen aus Keramik und Glas“, postuliert Birgit Weindl, Vorsitzende des Vereins KunstRaum Westpfalz, schon in ihrer Ankündigung. Des Weiteren benötigen beide Substanzen das Erhitzen, um haltbar zu bleiben und beider Materialien zählen zu den anorganischen, die durch haptisches Modulieren zu künstlerischen Kreationen werden. Und weil beider Technik und Material nicht ganz so alltäglich in der Szene vorkommen, wurde die Vernissage eine ideale Fragestunde.

Angeregt durch die Werkeinführung seitens Birgit Weindl, erfuhren die Gäste, wie Simon Glas prepariert. Dabei verriet der Künstler aus Bernkastel-Kues, dass er ursprünglich den Beruf des Gärtners lernte und nun Freie Kunst in Höhr-Grenzhausen (Standort des Fachbereiches Glas und Keramik der Uni Koblenz) studiert, wo er lebt und arbeitet. Besonders spannend seine Einblicke, wie viel Können und Erfahrung das Kröseln (ein Fachbegriff der Glasverarbeitung), Mahlen, Einschmelzen und Modulieren bedarf, um jene Glasplatten anzufertigen, mit denen er den wundersamen Formen und Formaten seine waldähnlichen Landschaft nachspürt.

Die gebürtige Leipzigerin Nora Arrieta dagegen bedient sich des Steinzeugs, baut mit Händen beziehungsweise dreht mit Drehscheibe ihre teils poetisch-protzigen, teils schwärmend-schwülstigen Formen und Figuren. Diese wiederum landen als südländisch-buntes Sammelsurium dargestellter Erinnerungen auf Sockeln und in pseudonymen Gefäßen, gleich Aufbewahrungsorten. Die Künstlerin liebt diese handwerkelnde Haptik, schätzt das „kulturelle Gedächtnis“ irdener Alltagsgegenstände, geht dafür auch ins eigene Leben zurück und kreiert etwa die Plastik „Lost Glove“ mit einem einst verlorenen Handschuh im Central Park. Daneben steht eine „Fleischvase“ in Rot und Blau, und im Schaufenster richtet sich der „Hot Dog Dino“ auf. „Reel“, ganze 1,10 Meter hoch, posiert auf lila-gelbem Sternkissen. Wer sich in solche Werke hineinversenkt, vergisst das Drumherum. Denn neben vertrauten Dingen en miniature sind viele Fantastereien zu sehen, die so mancher Betrachter für sich weiter denken kann. Weit fort und weg in eigene Welten.

Die Ausstellung

„Playstation“ läuft im KunstRaum Westpfalz, Pirmasenser Straße, bis 18. Oktober, jeweils samstags von 11 bis 13 Uhr.

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