Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Der Tatort Internet gewinnt auch beim Polizeipräsidium Westpfalz an Bedeutung

Das Polizeipräsidium Westpfalz verzeichnet für 2019 den niedrigsten Stand bei Straftaten und die höchste Aufklärungsquote seit v
Das Polizeipräsidium Westpfalz verzeichnet für 2019 den niedrigsten Stand bei Straftaten und die höchste Aufklärungsquote seit vielen Jahren.

„Wir machen jetzt nicht den Lauen und lehnen uns zurück“, sagt Polizeipräsident Michael Denne mit Blick auf die Zahlen der Polizei für 2019. Zwar gebe es viele gute Entwicklungen, aber gerade im Bereich Rohheitsdelikte und Internetkriminalität könnten die Werte besser sein, so Denne. Die Mithilfe der Bevölkerung ist für die Gesetzeshüter weiterhin sehr wichtig.

Die Aufklärungsquote (69,5 Prozent) auf dem höchsten Stand seit 26 Jahren, die Zahl der Straftaten (31.175) auf dem niedrigsten Stand seit 16 Jahren: Polizeipräsident Michael Denne und die Führungsriege der für die gesamte Westpfalz zuständigen Behörde hatten am Montagmittag erfreuliche Zahlen im Gepäck. Darum fasste Denne schon früh zusammen: „Die Menschen in der Westpfalz können hier sicher leben.“

Bei den sogenannten Straftaten gegen das Leben – also Mord, Totschlag und fahrlässige Tötung – wurden weniger Fälle bearbeitet als 2018. Waren es in dem Jahr noch sieben vollendete und 21 versuchte Straftaten, wurden 2019 sechs Menschen ums Leben gebracht und bei 18 Fällen blieb es beim Versuch. Denne erklärt: „Heute wird viel stärker darauf geachtet, ob es ein Tötungsdelikt sein könnte. Einige der Fälle wären bis 2017 eher unter ,gefährlicher Körperverletzung’ gelaufen.“

Denne: Niemand sitzt im Busch und springt Frauen an

Stetig steigend ist dagegen seit Jahren die Anzahl der Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung. Unter diesen Sammelbegriff fallen beispielsweise Vergewaltigungen, sexuelle Nötigung oder sexuelle Belästigung. Letzteres ist seit 2017 ein eigener Straftatbestand und treibt die Zahl nach oben: 103 Fälle wurden 2019 registriert. Zu Vergewaltigung ist es 67 Mal gekommen. „In der Regel kennen sich Täter und Opfer vorher“, räumt Denne mit dem Klischee auf, „dass da einer im Busch sitzt und Frauen anspringt“. Einen solchen Fall habe es 2019 nicht gegeben.

Die Zahl der Körperverletzungen ist ebenfalls gestiegen: 2019 wurden 4198 Fälle bearbeitet – 153 mehr als im Vorjahr. Der Anstieg sei teilweise damit zu erklären, dass die Sensibilität für Gewaltdelikte erhöht wurde und es zu mehr Anzeigen komme. Denne: „Dazu kommt, dass wir in den Städten schnell vor Ort sind und die Beteiligten noch erwischen.“ Das generiere ebenfalls mehr Meldungen.

Ein Schwerpunkt der Polizeiarbeit in den vergangenen Jahren waren die Eigentumsdelikte – unter anderem Einbrüche oder Diebstähle. 446 Wohnungseinbruchsdiebstähle, davon 235 im Versuchsstadium gescheitert, seien ein beruhigendes Zeichen für die Menschen in der Westpfalz. „Das zeigt uns, dass die Menschen aufmerksam sind und besser aufeinander achten“, sagt Denne, denn Hinweise aus der Bevölkerung seien immer sehr wichtig. Die Polizei selbst hat ebenfalls ihren Anteil daran, dass die Anzahl der Wohnungseinbrüche gesunken ist: 2019 gab es 331 Einbruchschutzberatungen vor Ort, 20 Vorträge zu dem Thema und mehrere Messeauftritte sowie insgesamt 10.463 Personenkontrollen in dem Zusammenhang. Heiner Schmolzi, Leiter Polizeieinsatz: „Daran sieht man: Wenn die Polizei ihre Kräfte bündelt und koordiniert, dann haben wir gute Chancen, etwas zu bewegen.“

Weg vom Diebstahl, hin zum Betrug

Der Tatort Internet gewinne zunehmend an Bedeutung für die Polizeiarbeit, sagt der Polizeipräsident: „Der Trend ist weg vom Diebstahl, hin zum Betrug.“ In diesem Feld fielen 2019 gleich 282 Fälle mehr als im Vorjahr an – insgesamt 1246. In der Regel seien das online bestellte Waren, die nicht geliefert würden – oder nicht bezahlt. „Da gibt es ein enorm großes Dunkelfeld“, ergänzt Frank Gautsche, der Leiter der Kriminaldirektion. In diesem Bereich würden viele Delikte schlicht nicht angezeigt.

Dass das Innenministerium auf die Idee kommen könnte, bei diesen erfreulichen Zahlen die ein oder andere Stelle im Polizeipräsidium wegfallen zu lassen oder nicht mehr nachzubesetzen, das fürchten Denne und Schmolzi nicht. „Bei den einzelnen Delikten steigen die Anforderungen an unser Personal, da kommt keiner auf eine solche Idee“, sagt Denne. Schmolzi ergänzt: „Wir arbeiten ja nicht nur Straftat für Straftat ab, sondern arbeiten zunehmend proaktiv, um Taten zu verhindern.“ Dazu komme die Digitalisierung – so werden beispielsweise künftig Vernehmungen per Kamera mitgeschnitten, was den Personaleinsatz eher noch erhöhe.

Abschließend appelliert Polizeipräsident Denne an die Bevölkerung: „Lieber einmal mehr bei uns anrufen.“ Denn die Hinweise von Augenzeugen seien für die Ermittler immer sehr wichtig und erleichterten der Polizei die Arbeit. In den kommenden Monaten lege die Polizei ihren der Fokus auf Mehrfach- und Intensivtäter, kündigte Denne an.

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