Kaiserslautern Der Souverän lächelt

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Das Ludwigshafener Feierabendhaus der BASF hat schon so manche denkwürdige Konzerte erlebt. Mit dem Auftritt des österreichischen Pianisten Rudolf Buchbinder, begleitet von der Camerata Salzburg, kam am Dienstagabend ein weiteres hinzu.

Irgendwann macht sich Rudolf Buchbinder so richtig locker. Wir sind im Finale des fünften Klavierkonzerts von Beethoven. Der Satz steuert auf seinen Höhepunkt zu. Und über Buchbinders sonst zwischen Versunkenheit und Konzentriertheit wechselndes Gesicht huscht mehrmals ein Lächeln. Es ist ein stiller Triumph. Denn hinter ihm liegt ja nicht nur das letzte, das berühmte „Emperor“-Konzert; den Abend begonnen hatte Buchbinder mit Beethovens Erstling in C-Dur. Das ist typisch für ihn. Er ist so eine Art Marathon-Mann in Sachen Beethoven. Alle 32 Sonaten an sieben Abenden hintereinander: Fast 50 Mal hat Buchbinder dieses unfassbare Programm bereits bewältigt, auch bei den Salzburger Festspielen. So jemand hat dann eben auch keine Angst, an einem Abend gleich zwei Konzerte zu spielen. Und vom Flügel aus auch noch den Dirigenten zu ersetzen. Dabei hat der 69-Jährige, der manchmal beide Hände benutzt, meist aber nur mit der Linken Einsätze gibt, mitunter auch nur durch Nicken die Kommunikation mit dem Orchester herstellt, im Konzertmeister der Camerata einen wichtigen Helfer. Gregory Ahss hält den Laden in jenen Augenblicken zusammen, wenn der Solopart dem Pianisten gerade einmal wieder alles abverlangt. Was bei Beethoven ja durchaus keine Seltenheit ist. Die Camerata musiziert zum Teil auf historischen (oder nachgebauten) Instrumenten, setzt Streichervibrato nur sparsam und gezielt ein und sorgt so vor allem im ersten Klavierkonzert für einen mitunter kantigen, immer aber sehr spannungsgeladenen Beethoven-Klang. Das kontrastiert ganz wunderbar mit dem Solisten. Buchbinders Klavierspiel, dem immer ein ausgiebiges Quellenstudium vorausgeht, ist frei von allen ideologischen Debatten um die allein seligmachende Interpretation. Es ist vor allem unfassbar souverän. Sein Anschlag ist weich, warm, seine Technik überragend und sein Ton brillant. Doch wer jetzt auf Hochglanz polierte Schönheit um ihrer selbst Willen erwartet, der sieht sich im Finale des ersten Satzes getäuscht. Spätestens in der Durchführung gibt es kein Halten mehr. Das ist eben nicht mehr nur „Küss die Hand“, sondern viel ruppiger, zupackender, direkter; pardon: schmutziger. Beethoven eben. Und während Orchester und Solist das frühe Beethoven-Konzert vor allem durch die Mozart-Brille lesen und sich erst im Verlauf dem als Berserker gefürchteten Titanen nähern, geht der Weg im Fünften dann umgekehrt. Das beginnt als triumphale Freiheitshymne – und bekommt im Finale dann leicht-luftige Rokoko-Kostüme übergezogen. Das ist dann auch der Augenblick, in dem Buchbinder so schön lächelt

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