Kaiserslautern
Der Pfälzer Kunstmäzen Joseph Benzino im Porträt
Die Benzinos waren ein altes pfälzisches Kaufmannsgeschlecht mit Wurzeln in Italien. Ihr Urahn Andrea Benzino stammte aus der Gegend um Como und ließ sich 1698 als 21-Jähriger zusammen mit seiner Frau Anna Maria Katharina Carova in Kusel nieder. Zu ihren Nachkommen zählen der General und Landstuhler Ehrenbürger Eugen Benzino (1856-1915) sowie der Marine- und Nato-Offizier Wolfgang Benzino (1921-2004).
Ein weiterer Spross der Sippe, Joseph Johann Benzino, wurde am 11. April 1811 in Landstuhl geboren. Im Haus seiner ebenso wohlhabenden wie kunstsinnigen Eltern Emanuel Ignaz Benzino und Elisabetha Antoinette Wiest verkehrten bekannte Maler wie der Lauterer Theodor Pixis und der aus Spesbach stammende Georg Philipp Schmitt. Josephs Schwester Amalie war in München mit dem Maler, Zeichner und Radierer Eugen Hess verheiratet. So kam der junge Pfälzer schon früh mit der Kunstszene und Bohème der bayerischen Hauptstadt in Kontakt und schloss sich dem dortigen Kunstverein an.
Heimat im „Schlösschen“
Er ging in Landstuhl zur Schule und absolvierte eine Kaufmannslehre im elterlichen Unternehmen, der expandierenden Ölfabrication Benzino & Söhne. Außerdem führte ihn seine Ausbildung nach Frankfurt und ins Ausland. Mit 23 Jahren heiratete er die Kaiserslauterer Arzttochter Mathilde Muck. Am heutigen Alten Markt baute sich das Paar, das keine Kinder hatte, jene repräsentative Villa, die von den Landstuhlern bis heute als „Schlösschen“ bezeichnet wird. Für seine umfangreiche Bildersammlung ließ Benzino später einen eigenen Anbau errichten. Es war diese Kollektion von Gemälden und Grafiken, die den Grundstock für die Sammlung der Lauterer Pfalzgalerie bilden sollte.
Das Handelshaus Benzino war so erfolgreich und bekannt, dass es 1854 sogar zur dreimonatigen „Allgemeinen Industrie-Ausstellung“ nach München eingeladen wurde. „Es handelte“, wie die Kunsthistorikerin Uta Baier schreibt, „mit allem, was Gewerbetreibende und Landwirte benötigten“. Großen Umsatz brachte außerdem die Herstellung von Brenn- und Schmieröl für die bayerische Eisenbahn sowie zum Schmieren von Achsen und Maschinen. Die Benzino-Unternehmen beschäftigten zwischen 500 und 600 Arbeiter.
Rückzug ins Privatleben
Schließlich zog sich der reiche Chef ins Privatleben zurück. Als „Rentier und Gutsbesitzer“ widmete er sich fortan ausschließlich seinen wohltätigen und kulturellen Interessen – und ging in die Politik. Ab 1863 saß er für die nationalliberale Partei im bayerischen Landtag. Zwei Jahre gehörte er dem Frankfurter Zollparlament an, das die Handels- und Wirtschaftspolitik von Bayern, Württemberg, Baden und Teilen des Großherzogtums Hessen bestimmte. Neben seiner noblen Residenz in Landstuhl bewohnte er eine nicht minder großzügig bemessene Villa in der Münchner Theresienstraße, wo er sich 1876 endgültig niederließ. Er fungierte nunmehr als Gutachter und Berater für den Gemäldeeinkauf der bayerischen Museen.
Schließlich wurde der kundige Sammler, der heute aus kulturwissenschaftlicher Sicht als Laie gelten würde, auch ohne akademische Expertise in die königliche „Sachverständigen-Galerie-Commission“ berufen. Er betreute die von König Ludwig I. ins Leben gerufene Neue Pinakothek, ehe er schließlich 1892 auf Fürsprache des Prinzregenten Luitpold zum Hofrat ernannt wurde. Seine Kontakte in die Pfalz gab Joseph Benzino nie auf, stiftete unter anderem viel Geld für die Landstuhler Lateinschule.
Als die königlich-bayerische „Kreis-Baugewerkschule“ in Kaiserslautern neue Räumlichkeiten erhielt und dadurch Ausstellungsflächen zur Verfügung standen, vermachte er den Lauterern per Testament 148 Gemälde aus seiner Privatsammlung – für die „Pfälzische Volkszeitung“ damals eine „hochherzige Stiftung“. Sie war die eigentliche Geburtsstunde der Pfalzgalerie, die sich zuvor als Gewerbemuseum verstanden hatte.
Der Dank der Nachwelt
Der aus dem Saarpfalzkreis stammende Kunsthistoriker Wilhelm Weber schrieb 1976, die Stiftung habe „die Galerie ganz wesentlich bereichert, denn es handelte sich um Gemälde (…) unter anderen von Feuerbach, Spitzweg, Bürkel und Lenbach“. Später übernahm Benzino zu einem erklecklichen Teil die Baukosten für eine Erweiterung des Gebäudekomplexes. 18 Jahre nach seinem Tod am 13. September 1893 wurde in Kaiserslautern der Benzinoring nach dem Gönner benannt. Die Landstuhler versahen eine Gedenkplakette mit den Worten: „Der Dank der Nachwelt bleibt gewahrt in der fortwährenden Pflege dieses großzügigen Vermächtnisses.“