Kaiserslautern Der Panzer als Umzugswagen
Zünftig, zünftig: eine Büttenrede zur Ausstellungseröffnung von „Cadillacs und Fassenacht“ am Samstag in der Pfalzbibliothek. Michael Geib, Leiter des Docu Centers Ramstein, hatte sich bei der Einführung ordentlich ins Zeug gelegt und beleuchtete das närrische Miteinander zwischen Amerikanern und Westpfälzern in Reimform. Die Ausstellung spiegelt in Fotografien und Gegenständen die Facetten der fünften Jahreszeit seit den 1950er Jahren wider.
Pünktlichkeit musste sein: Um 11.11 Uhr begann Bezirkstagsvorsitzender Theo Wieder mit seiner Begrüßung und stellte damit bei der Eröffnung der Ausstellung die Zeichen voll auf „Fassenacht“ – inklusive gefülltem Dubbeglas. Woher die Bedeutung der Zahl elf herrühre, die in der Fastnacht überall zu finden ist, erklärte Wieder in seiner launigen Ansprache. Nicht nur vor Ostern, sondern auch vor Weihnachten habe es ursprünglich eine Fastenzeit gegeben, deren Beginn an diesem Datum lag. Als die amerikanischen Streitkräfte nach dem Zweiten Weltkrieg in der Westpfalz stationiert wurden, hätten sie aus der eigenen Kultur den Brauch des Festumzuges, der Parade, mitgebracht. „Die amerikanischen Soldaten haben sich mit dem örtlichen Brauchtum arrangiert, nicht anders als das, was heute Integration heißt“, so Wieder. Die Ausstellung zeige, wie das Miteinander gelebt worden sei. Viele Parallelen gebe es zur heutigen Fastnacht, allerdings sei auch Befremdliches darunter, wie Panzer und Militärfahrzeuge als Umzugswagen. „Kalau!“ Mit roter Fastnachtsnase lieferte Michael Geib, der den Anstoß zur Ausstellung gegeben hatte, eine Büttenrede vom Feinsten. In seinem närrischen Rückblick in die 50er und 60er Jahre ließ er lebendig werden, was das damalige Verhältnis von „Durchschnitts-Ami und Durchschnitts-Pälzer“ prägte: die gut bezahlten Arbeitsplätze auf dem Militärstützpunkt, die Annäherung beim Fußballspielen und beim Tanzen, die Amerikaner als Mieter und Bauherren, die Musik wie der Rock’n’Roll, die „Ladies“ in der Steinstraße und so manche Schlägerei, Familiengründungen und Freundschaften fürs Leben. „Hoch die Gläser, humtata!“ beschloss Geib seine Strophen – das Publikum übernahm den zünftigen Tusch, allen voran die Karnevalisten Walter Eichler und Markus Kuproth, die als Vertreter der „Ramschder Bruchkatze“ in vollem Ornat des Elferrats erschienen waren. Die Ausstellungsstücke stammen größtenteils aus dem Archiv der „Bruchkatzen“. Die zahlreichen Fotografien dokumentieren besonders die ersten beiden Jahrzehnte der Nachkriegszeit, in denen die amerikanische Beteiligung besonders intensiv und auffällig war. US-Fastnachtstollitäten sind hier zu sehen, Ehefrauen der Offiziere als Gardemädels, Paraden der US-Air-Force-Band und Militärisches in den Umzügen wie Panzer. |cbg