Kaiserslautern Der Mord ist zweitrangig

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Rache ist ein Gericht, das am besten kalt serviert wird. Im Falle des Giftmordes in Christina Bachers brandneuem Genusskrimi „Amuse Gueule“ trifft diese Redensart auf tragische Weise zu. Schauplatz des Geschehens ist die beschauliche Pfalz, und die darin lebenden Figuren werden von einem Todesfall aus längst vergangenen Tagen eingeholt, der mehr Fragen als Antworten auf wirft. Eine ungiftige Kostprobe gab die in Kaiserslautern geborene Autorin am Donnerstag bei ihrer Premierenlesung in der wieder einmal sehr gut besuchten Buchhandlung Thalia.

„Man kehrt ja immer wieder an den Tatort zurück“, bemerkte Christina Bacher und sprach da ein wahres Wort. Denn die Autorin und Wahl-Kölnerin kehrte selbst nach einigen „Lehr- und Wanderjahren“ durch Europa schließlich in die heimische Pfalz zurück – sei es auch nur, um selbiger einen fiktiven Mord anzudichten. Von der anwesenden und hauptsächlich Pfalz-stämmigen Zuhörerschaft – darunter Familie, Freunde und Bekannte Bachers – nahm ihr das niemand übel. Im Gegenteil. Die Art und Weise, wie Bacher die Pfalz in ihr Werk einbindet, ihr einen eigenen Charakter verleiht und fast schon zu einer selbstständigen Figur macht, wirkt nämlich auf Anhieb persönlich und authentisch. Entsprechend eröffnete die Autorin ihre Lesung mit Einblicken in das private Fotoalbum mit Bildern aus dem Familienurlaub in Juist oder am Pfälzer Unterhammer. Mucksmäuschenstill wurde es, als sie dazu überging, ihren Roman zu präsentieren und die Charaktere vorzustellen: Mit „Amuse Gueule“ hat sie nicht etwa einen Krimi im Genre-typischen Schwarz-Weiß-Schema kreiert, sondern sie konzentriert sich im gesamten Roman durchgängig auf die Grauzonen in Handlung und Figurenkonzeption. Im Mittelpunkt steht die selbstbewusste und doch innerlich resignierte Karla Mannweiler, Tochter von Amalie Mannweiler, der Besitzerin des Edelrestaurants „Amuse Gueule“. Nachdem Amalie einen Treppensturz erleidet und im Krankenhaus ihr Dasein fristen muss, übernimmt Karla vorübergehend die Leitung im Restaurant. Als kurz darauf eine Leiche im Lokal gefunden wird, gerät ausgerechnet Karla ins Fadenkreuz der Polizei... Dass diese Vorgehensweise typisch für eine Kriminaluntersuchung ist, bestätigte auch Angela Walz vom Polizeipräsidium Westpfalz in Kaiserslautern. Sie war an diesem Abend nicht nur bei der Lesung zugegen, sondern hatte Bacher bei der Entwicklung ihrer fiktiven Kriminalhandlung unterstützt. Die Autorin nutzte nun die Gelegenheit, um Walz bei der Lesung zu der realen Tatort-Arbeit der Polizei zu befragen. Die Antwort der Expertin überraschte wohl niemanden im Raum: Ein Ermittlungsverfahren, wie es in den meisten Krimis dargestellt wird, entspricht selten den Tatsachen. Bachers Roman nimmt dabei eine Sonderposition ein, denn hier ist der Mord zweitrangig. Die Handlung dreht sich nicht penibel um die Kriminalgeschichte, sondern um die Charaktere, ihre Beziehungen zueinander und ihre persönlichen Geschichten. Konkret geht es um die beiden Protagonisten Karla und Lars, die so tief in der Vergangenheit ihrer beiden Familien bohren, dass sie auf lang gehütete Geheimnisse stoßen, die ihre Welt völlig aus den Fugen reißen. Und genau das zeichnet diesen Roman aus: Er überzeugt sowohl durch eine packende Kriminalhandlung als auch durch eine subtile und vorurteilsfreie Charakterstudie. Bachers immenses Interesse an der menschlichen Psyche ist im Buch allgegenwärtig. „Die Figuren sind mir wichtig. Ich lebe mit ihnen während ich schreibe, und sie beschäftigen mich sehr. Schon bevor ich schreibe, muss ich genau wissen wie sie aussehen, was sie denken und fühlen und wo sie her kommen.“ Fazit: Diese literarische „Gaumenfreude“ (Französisch: „Amuse Gueule“) macht definitiv Lust auf den Hauptgang.

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