Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Der Luchs lässt sich bei der letzten Wildpark-Führung des Jahres blicken

Die Wildpferde fressen Michael Zink aus der Hand. Danach dürfen auch die Besucher Leckerbissen verteilen.
Die Wildpferde fressen Michael Zink aus der Hand. Danach dürfen auch die Besucher Leckerbissen verteilen.

Auge in Auge mit einem Auerochsen, ein Luchs auf Patrouillengang und handzahme Wildpferde waren die Höhepunkte der für dieses Jahr letzten Führung durch den Wildpark Betzenberg am Sonntagvormittag. Michael Zink vom Förderverein hatte Anekdoten und Historisches zu bieten.

Gemächlich trabt der mächtige Auerochse auf die kleine Besuchergruppe zu. Mit gesenktem Kopf nähert sich das massige, schwarzbraune Tier dem filigranen Maschendrahtzaun. Die fast blonde Ponyfrisur auf der hohen Stirn macht einen netten Eindruck. Jetzt aber überwiegt bei den Gästen doch der Respekt vor den gewaltigen Hörnern. Bräunlich sind sie an der Basis, dann folgen im wilden Bogen einige Grautöne. Als die blauschwarzen Hörnerspitzen schließlich ein wenig durch die groben Maschen des Zaunes ragen, weichen nicht nur die kleinen Gäste einen Schritt zurück.

Den Auerochsen wiederbelebt

„Der Zaun wäre für diese Tiere kein Hindernis“, antwortet Zink auf die entsprechende Frage. Er bleibe aber unbeschädigt, weil die Rinder nicht weg wollten. „Sie erhalten hier ihr Futter und schätzen ihre gewohnte Umgebung.“ Eigentlich würden sie „Heckrinder“ genannt. Das Wildrind sei vor Jahrhunderten ausgestorben, erläuterte der Mann aus dem Vorstand des Fördervereins. „Die Brüder Heck, Zoodirektoren in Berlin und München, kamen um 1930 auf die Idee, ursprüngliche Rinderrassen zu kreuzen, um Auerochsen wiederentstehen zu lassen – zumindest so, wie sie ausgesehen haben könnten.“ Zwischen den weiblichen Tieren habe es in diesem Gehege früher beim Füttern immer große Spannungen gegeben, erzählt Zink. Das schwächste Tier sei dabei immer regelrecht gemobbt worden. Das habe sich erst etwas entspannt mit weiteren Futterstellen. Auch eine Art Rutsche sei gebaut worden. Damit ließen sich die Tiere vom Zaun aus gefahrloser versorgen.

Die Stadt finanziere mit ihren bescheidenen Möglichkeiten den Wildpark, erzählt Zink auf den Wegen durch den weitläufigen Wildpark. Der Förderverein unterstütze sie dabei mit seinen Mitteln und Spenden. Zwei Förster und einige Gehilfen leisteten vor Ort die meiste Arbeit. Die Idee zur Gründung des Wildparks gehe zurück auf das Jahr 1970. „Und seit 1975 gibt es ihn“, fügt Zink an. „Wir hoffen sehr, dass es möglich wird, zum 50. Jubiläum wieder einmal wie früher ein Wildpark-Fest zu feiern.“ Leider seien viele der 125 Mitglieder des Fördervereins schon im Seniorenalter und könnten das nicht mehr so gut organisieren wie früher. „Es fehlt uns leider der Nachwuchs.“

Der Luchs beeindruckt

„Die beiden dort vorne kennen mich schon ganz gut“, ruft der Mann vom Förderverein am Rande eines weitläufigen Geheges. Die Plastiktüte mit Karotten- und Apfelstücken schwenkt er dabei laut knisternd vor sich her. „Das sind unsere Wildpferde“, sagt er. Zumindest seien es Nachzüchtungen, sodass der Eindruck entstehe, wie sie einmal ausgesehen haben könnten. Die beiden grauen Pferdchen klauben die Karotten- und Apfelstücke mit den breiten Lippen von der Hand. Erst nach genauem Hinschauen allerdings sind auch die kleinen Gäste für eine Fütterrunde zu begeistern.

Das Luchsrevier ist schwer gesichert. Der hohe Maschendrahtzaun biegt oben nach innen ab. Elektrische Drähte sind dort zu sehen. Weggelaufen sei noch keines der Tiere, sagt Zink. „Allerdings hatten wir hier auch schon einen Zugang.“ Einer der Luchse des Auswilderungsprogramms im Pfälzerwald habe den Zaun einmal überwunden. Mit dem Hausherren habe er sich um das Weibchen gestritten. Plötzlich steht die größte heimische Raubkatze am Zaun und beäugt die Besuchergruppe. „So groß hatte ich mir den Luchs nicht vorgestellt“, heißt es aus den Reihen der Gäste. Niemand bewegt sich mehr. Ans Füttern denkt auch keiner. Der befremdliche Blick des Tieres schafft Distanz. Dann setzt die große Katze ihren Patrouillengang trabend fort. Auf seinem sichtbar ausgetretenen Pfad kommt das Tier sogar noch einmal zurück. Das Publikum würdigt er keines Blickes mehr.

x