Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Der Kaiserslauterer Gelterswoog im Spiegel der Geschichte

Er war auch früher schon ein Badeparadies.
Er war auch früher schon ein Badeparadies.

Die Kaiserslauterer lieben den Gelterswoog. Er ist eine Oase am Rande der Stadt, zieht Wassersportler von weither an. Sein Strandbad, das uns Stadtbaumeister Hermann Hussong beschert hat, ist legendär. Der Blick zurück offenbart: Wasserknappheit gab es auch früher schon.

Der Gelterswoog ist ein künstlich aufgestauter Weiher, der im Mittelalter für die Fischzucht angelegt wurde. In den folgenden Jahrhunderten gab es beim Ausfluss auf der Südostseite einen Waschplatz. Erst in den 1920er Jahren entsteht dort ein gut ausgestattetes Freibad.

Der Hohenecker, wie er auch genannt wird, hat, wenn die Wasserfläche bis an die natürlichen Uferränder reicht, eine Fläche von rund 15 Hektar. Seit dem 16. Dezember 1978 ist er als Naturdenkmal ausgewiesen. Seit 19. August 1997 gehören der Weiher und die Verlandungszone im Westen zum Naturschutzgebiet „Täler und Verlandungszone Gelterswoog“. Der See wird mit Wasser aus dem Kolbental, dem Walkmühltal und dem Erlental gespeist. Die Stadt übernahm den Gelterswoog am 11. Januar 1962 in eigene Regie und sorgte in den folgenden Jahren, insbesondere auf der Nordseite, für einige Verbesserungen. Seit dem Jahr 2014 ist der Weiher verpachtet. Die letzte von der Stadt veröffentlichte Besucherzahl stammt aus dem Jahr 2013 und wird mit rund 65.000 Gästen angegeben.

Sandstrand und ein Strandkorbverleih

Mit der Gesundheits-Reformbewegung der 1920er Jahre gewinnt der Badeweiher mehr und mehr an Bedeutung: Stadtbaumeister Hermann Hussong lässt den gesamten Nordbereich von 1927 bis 1929 überarbeiten und zu einem Familien-Freibad ausgestalten. Er lässt einen Gaststättenpavillon bauen, eine Einzelkabinenreihe, Wechselkabinen, Duschen und ein „Liegedach“, es gibt einen Sandstrand und einen Strandkorbverleih.

Der Verkehrsverein Kaiserslautern wirbt mit dem Bahnhaltepunkt. Die Bahnfahrt zu dem Haltepunkt auf der Ostseite des Weihers kostete vom Hauptbahnhof aus hin und zurück in den 1920er Jahren 50 Pfennig.

Legendärer Pavillon

Der Hussong-Strandpavillon mit Restaurant und Freisitz auf der Nordseite des Weihers ist heute noch in seiner Grundstruktur erhalten. Die Wetterseite, die Westfront des Pavillons, wurde original nachgebaut und die damals offene Veranda mit Fenstern isoliert und in den Innenraum einbezogen. Diese Um- und Erneuerungsbauten hat die Stadt 1980 an dem seit Jahren vernachlässigten Gebäude durchführen lassen.

In Stadtbeschreibungen und Stadtführern schmückt sich die Stadt mit dem Gelterswoog schon recht früh als lohnendem Ausflugsziel, allerdings nie als Badegelegenheit. Im Fremdenführer aus dem Jahr 1902 schreibt der damalige Verschönerungsverein: „Der Gelterswoog, das Juwel der Pfalz“ ist entlang dem weißen Strich in einer Halbtagestour zu erreichen. Von „Beobachtungen der Vogelwelt und Naturbeobachtungen“ ist in einem Pfalzführer anfangs des 20. Jahrhundert die Rede. Der Stadtführer 1912 offenbart: „Etwa zwei Kilometer von Hohenecken liegt zwischen bewaldeten Höhen eine Wasserfläche, der Gelterswoog oder einfach Hohenecker genannt…“. Der Jakobs-Pilgerweg mit dem nächsten Ziel Kloster Hornbach südlich von Zweibrücken führt am See vorbei.

Zur Sommerfrische ins Kurhaus mit Garagen

In den 1950er Jahren war der Gelterswoog beliebtes Ausflugsziel für die Jugend mit Fahrrad, Zelt und Gitarre. Das Zelt wurde am Waldrand auf der Nordseite aufgeschlagen. Und wenn das Lagerfeuer zu groß war, mahnte der Förster zur Vorsicht, sonst nichts. Gegrillt wurde an Holzspießen, ganz ohne Grillstation.

Gekurt wurde am Gelterswoog auch. In einem Werbetext des Hotels und Restaurants auf der Südseite des Gelterswoogs aus den 1930er Jahren heißt es: „Kurhaus am Gelterswoog, herrliche Fremdenzimmer direkt am See, Bade- und Rudergelegenheit, große Liegewiese, schöne Terrasse, eigene Garage. Mäßige Preise, Telefonanschluss, Schopp, Rufnummer 26.“ Es war schick und stilvoll, für ein Wochenende oder für ein paar Tage in das Kurhaus am Gelterswoog zu fahren, insbesondere zur Sommerfrische. Die betuchten Lauterer Herrschaften reisten mit dem eigenen Auto an. Daher das Garagenangebot.

Heiße Sommer ein Problem

Der Naturweiher bezieht sein Wasser ausschließlich von Niederschlägen. Der Deutsche Wetterdienst registriert für Kaiserslautern jährlich zwischen 180 und 220 Tage mit Regen. Rund zwei Drittel des Stadtgebietes sind Wald. Dort werden die Reservoirs gefüllt für das Grundwasser und die Quellen, die auch den Gelterswoog speisen. Wie derzeit wieder, schwankte der Wasserspiegel des Naturweihers, abhängig von den Niederschlägen. Das war besonders in den heißen Sommern Anfang der 1940er und Mitte der 1950er Jahre der Fall. Wie sich Zeitzeugen erinnern, hatte sich die Wasserfläche manchmal erheblich zurückgezogen. Man musste den sumpfigen Uferbereich überwinden, um das Wasser zu erreichen.

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