Kaiserslautern Der Anklage fehlen die Beweise

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Mit einem Freispruch endete gestern der Drogen-Prozess gegen einen 33-Jährigen aus Kaiserslautern. Die Staatsanwaltschaft hatte dem Mann vorgeworfen, im Jahr 2011 in der Region mit Heroin gehandelt zu haben. Doch der Anklage fehlten am Ende die Beweise.

Auch wenn es ein Einzelfall sein mag: Manchmal mahlen Justitias Mühlen wirklich langsam. Viereinhalb Jahre sind die Vorwürfe jetzt alt, die dem heute 33-jährigen Kaiserslauterer vorgeworfen werden. An zwei Tagen, am 16. und 18. Dezember 2011, soll der Mann in Kaiserslautern und Ludwigshafen je ein dickes Paket Kokain angekauft haben, um es in der Westpfalz weiterzuverscherbeln. Einmal ein ganzes Kilo zum Preis von 32.000 Euro, beim zweiten Mal die halbe Menge zum halben Preis. Dies waren jedenfalls die Schlussfolgerungen von polizeilichen Drogenfahndern im Raum Ludwigshafen. Sie waren zu Anfang des Jahrzehnts einem Ring von meist afrikanischen Dealern auf der Spur, die in Mitteleuropa ihrem schmutzigen Handwerk nachgingen. Monatelang hörten die Beamten die Telefone der Mitglieder ab, ließen sich ihre verschlüsselten Botschaften in fremden Sprachen übersetzen. Ihre Ermittlungen hatten Erfolg: 2013 verurteilte das Landgericht Mannheim mehrere Mitglieder des Drogenrings zu mehrjährigen Freiheitsstrafen. Die Vorwürfe gegen den angeblichen Mitarbeiter in Kaiserslautern waren ohnehin eher ein Nebenprodukt dieser polizeilichen Arbeit: Immer wieder war in den Telefonaten der Dealer von einem Mann mit dem Decknamen „Moussa“ die Rede, der angeblich nach dem Kokain verlangte. Und bei ihren Vernehmungen gab ein weibliches Mitglied der Dealer-Bande an, bei den Gesprächen auch den wirklichen Namen des Lauterers gehört zu haben. Die Ludwigshafener Kripo gab diese Informationen weiter an ihre Kollegen in der Westpfalz, die ihrerseits an die Arbeit gingen. Zunächst allerdings ohne greifbare Ergebnisse. „Weder eine Hausdurchsuchung noch eine Finanz-Überprüfung ergaben irgendwelche Hinweise auf etwaige Drogengeschäfte“, erinnerte sich gestern der Ermittler der Kaiserslauterer Kriminalpolizei. Auch die Recherchen in seinem sozialen Umfeld hätten schon damals ergeben, dass der Mann vielmehr „eine Art Respektsperson in der afrikanischen Gemeinde“ sei. Abgesehen davon sei der Verdächtige ein Familienvater und in festen Arbeitsverhältnissen. Der Angeklagte selbst bestreitet die Vorwürfe energisch. Doch Justitias Mühlen mahlen weiter. Die Staatsanwaltschaft formulierte ihre Anklageschrift, die sich vor allem aus den Ludwigshafener Erkenntnissen und dem Mannheimer Urteil speiste. Mehrfach wechselten beim zuständigen Lauterer Landgericht die zuständigen Bearbeiter, im Frühjahr dieses Jahres platzte sogar ein erster Verhandlungstermin (wir berichteten). Dem Gericht war es nicht gelungen, neben den Polizisten auch die verurteilten Drogendealer als Zeugen zu laden. Gestern kam es dann endlich zur Verhandlung. Und spätestens nach der Beweisaufnahme brach die Anklage gegen den 33-Jährigen förmlich in sich zusammen: Der verurteilte Dealer erkannte zwar seinen Kaiserslauterer Landsmann wieder, bestritt aber jedes Drogengeschäft mit ihm. Und die polizeilichen Zeugen hatten zwar viele Telefonate abgehört, konnten aber keinen belastbaren Zusammenhang mit dem Angeklagten herstellen. Am Ende blieben die einhelligen Plädoyers von Staatsanwaltschaft und Verteidigung, den Angeklagten freizusprechen. Eine Forderung, der sich das Gericht nach äußerst kurzer Beratung in seinem Urteil anschloss. Denn manchmal mahlen Justitias Mühlen ziemlich schnell. (mibo)

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