Kanu Den Gelterswoog nicht vergessen
Wenn Jochen Wiehn im Kanu sitzt, wird er eins mit Boot und Wasser. Wie ein Uhrwerk lässt er das Paddel durchs Wasser laufen, das Kanu scheint zu fliegen, der Sportler ist in seinem Element. Und dabei überaus erfolgreich unterwegs. Der 22-Jährige, groß geworden am Gelterswoog, hat 2019 zum ersten Mal die Kanuszene so richtig durchschlagend begeistert und die Westpfalz samt Baden-Württemberg gleich mit. Jochen Wiehn fährt da bereits für die Rheinbrüder Karlsruhe. Er wird Junioren-Weltmeister im Vierer über die 500-Meter-Distanz. 2020 lässt Corona keine Wettkämpfe zu, es bleibt beim Training.
Im vergangenen Jahr geht wieder was. Zunächst aber ohne Wiehn. Bei den Entscheidungsläufen, wer im Boot der Nationalmannschaft fährt, wer Deutschland bei der Europameisterschaft und der Weltmeisterschaft vertritt, läuft es nicht für den Westpfälzer. Die U23-Nationalmannschaft fährt in anderer Besetzung auf die internationalen Rennen. „Ich habe im entscheidenden Moment keine Leistung gebracht“, analysiert es der damals 21-Jährige.
Wiehn ist zurück
Im Sommer steigt die Deutsche Meisterschaft, die Asse, teils gerade von den Olympischen Spielen zurück, steuern ihre Boote auf Kurs. Mittendrin Jochen Wiehn. Er hat den Rückschlag verarbeitet, ist mitsamt Kanu zurück auf der großen Wasserbühne, zeigt, was er drauf hat. In gleich mehreren Rennen heißt nach spannenden Vor- und Zwischenläufen einer der Finalteilnehmer Jochen Wiehn. Allein das schon ein super Erfolg für den „Jungspund“ unter den alten Hasen. Und es kommt noch besser. Im Einer zieht Wiehn unbeirrt sein Ding durch, landet auf der 500-Meter-Strecke auf einem sensationellen Bronzeplatz. „Das war in dieser Leistungsklasse so nicht selbstverständlich“, ordnet Wiehn seinen Erfolg ein. Es bleibt nicht dabei. Als Schlagmann im Vierer sorgt er über lange 1000 Meter für die exakte Schlagfrequenz und setzt den Grundstein für die nächste Bronzemedaille, die er am Ende der Deutschen Meisterschaft entgegennehmen wird. Nach Platz fünf im Zweier über die 200 Meter und Platz acht über die 500 Meter kommt im Einer über die 1000 Meter ein achter Finalplatz auf das Erfolgskonto von Jochen Wiehn.
Der Spagat
Nun, das war alles gestern. Längst steckt der Student für Bauingenieurswesen in den Vorbereitungen für die Saison 2022. Hat auf dem Feldberg beim Langlauf und im Leistungszentrum Herzogenhorn die Kondition weiter verbessert. Im türkischen Belek standen gerade große Trainingseinheiten auf dem Wasser an. Aktuell läuft neben dem Training im Karlsruher Rheinhafen die Klausurenphase an der Uni. „Das Studium geht ja weiter“, sagt Wiehn, der den Spagat zwischen Uni und Leistungssport stemmt. Anfang März liegt sein Kanu für 14 Tage in Italien im Wasser, alles mit Blick auf das erste große Ziel dieser Saison.
„Im April steht die Quali für die Nationalmannschaft an“, weiß der inzwischen 22-Jährige, dass die Karten in jedem Jahr neu gemischt werden. Diesmal will er den Kopf bei den Entscheidungsläufen frei haben und sich den Platz in der U23-Nationalmannschaft sichern. Einziger Wermutstropfen in der strammen Vorbereitung: „Ich komme derzeit kaum nach Hause“, bedauert Jochen Wiehn, dass die Familie in Linden zu kurz kommt. Den Gelterswoog, den hat er auch schon länger nicht mehr befahren, aber nicht vergessen, wie er betont.