Kaiserslautern Demonstranten fordern mehr Grün und mehr Platz für Radfahrer in Kaiserslautern
„Killing Planets with big Lasers is more fun“, „Klima ist wie Bier – warm ist scheiße“ oder „Fahrradlust statt Autofrust“ war am Freitagabend auf den Plakaten zu lesen. Zwar erreichte die Aktion nicht die Spitzenteilnehmerzahl aus dem vergangenen Jahr, aber die Initiatoren zeigten sich am Ende zufrieden. Selina Wolf (Fridays for Future) hatte die Demonstration angemeldet und eigentlich mit weniger Menschen gerechnet: „Aber es lief gut, selbst unter Corona-Bedingungen.“ Nach langer Pause sei das nun die erste Laufdemonstration in Kaiserslautern gewesen.
Tatsächlich hielten sich die Teilnehmer an die Empfehlungen, Alltagsmasken zu tragen und Abstand zu halten. Am einfachsten hatten es da diejenigen, die in „Gehzeugen“ unterwegs waren – aus Brettern und Gurten zusammengezimmerte tragbare Rahmen. Benedikt Baumann (Scientists for Future): „Die sogenannten Gehzeuge sollen mit ihren Ausmaßen zeigen, wie viel Raum in der Stadt ein mit einer Person besetztes Auto braucht.“ Damit solle verdeutlicht werden, dass sich mit dem verlorenen Platz etwas Sinnvolleres anfangen lasse, als weitere Parkplätze oder Straßen zu bauen.
Mit Fahrradklingeln machten die Radfahrer – während der Demonstration eher Radschieber – auf sich aufmerksam. Nur wenige Polizeibeamte begleiteten den Tross, regelten den Verkehr entlang der Strecke. Raphael Mader, beim Ordnungsamt der Stadt für Demonstrationen zuständig, lobte die Disziplin: „Hier ist keiner ohne Maske. Und das, obwohl wir das Masketragen nur empfehlen können. Im öffentlichen Raum sind die nicht vorgeschrieben.“ Auch sonst sei die Demonstration ruhig verlaufen und aus seiner Sicht unproblematisch. Er schätzte die Teilnehmerzahl auf etwa 200. Die „Gehzeuge“ habe er in Kaiserslautern zuvor noch nicht gesehen. Mader: „Das ist eine Premiere.“
Tobias Wiesemann (Grünen-Stadtratsmitglied und BUND-Vorsitzender in Kaiserslautern) umgarnte in seiner Rede auf dem Willy-Brandt-Platz die CDU: „Die waren früher mein Feindbild, ohne Gespür für die Natur.“ Mittlerweile habe er gelernt: „Aber auch diese Menschen geben sich Mühe.“ Da man die Herausforderung Klimawandel nur gemeinsam schaffe, sei es wichtig, Menschen zu überzeugen – ohne ihnen ein schlechtes Gewissen zu machen oder ihre Lebensleistung abzuerkennen.
Für die Initiative „Stadt für alle“ appellierte Michael Fetzer an die Verantwortlichen im Rathaus, in der Innenstadt möglichst viel Grün zu erhalten – statt immer wieder Bäume der Motorsäge zum Opfer fallenzulassen. In der jüngeren Vergangenheit seien viel zu viele innerstädtische Bäume abgeholzt worden. Für seinen Satz „Wir brauchen eine bessere Planungskultur in Kaiserslautern“ erntete Fetzer viel Applaus. Im Gespräch mit der RHEINPFALZ sagte er später: „Die Innenstadt ist eine Gemeinschaftszone, die zur Wohlfühlzone für die Menschen werden muss.“ Der Satz „Kaiserslautern ist eine Autostadt“ gelte heute nicht mehr.
Dass die Fridays-for-Future-Bewegung zwischen „Stadt für alle“ und „Lautrer Spazierfahrt (Critical Mass)“ nur wenig wahrgenommen wird, fürchtet Organisatorin Wolf nicht: „Wir haben eine gemeinsame Aufgabe und wollen zusammen die Umwelt schützen.“ Die Tour durch die Stadt habe ihr noch einmal klargemacht, „dass zu viele Autos in der Stadt unterwegs sind“.