Kaiserslautern
Dem Pfalztheater innig verbunden: Zum 100. Geburtstag von Hildegunde Prütting
Hildegunde Prütting war jahrzehntelang im Vorstand der Freunde des Pfalztheaters aktiv. Der mitgliederstarke Förderverein, der im vergangenen Jahr sein 50-jähriges Bestehen beging, unterstützt den hiesigen Musentempel ideell und finanziell. Ihre Stellung in der Kulturszene der Barbarossastadt verdanken die Thaliajünger nicht zuletzt dem nachdrücklichen Engagement von Hildegunde Prütting.
Sie kam aus einer Lauterer Lehrerfamilie, ihr Vater leitete dreieinhalb Jahrzehnte lang die „Höhere weibliche Bildungsanstalt“ (HWB) im heutigen Burggymnasium. Nach dem Abitur ging sie zum Studium nach München. Ihr dortiger Professor war Otto Höfler, damals eine Institution auf dem Gebiet der Volkskunde, die er allerdings aus einem betont nationalen Blickwinkel erforschte. Als sein Assistent zum Kriegsdienst verpflichtet wurde, übernahm die junge Lautererin 1943 seine Stelle. Höfler gab das Thema ihrer Doktorarbeit vor, „Das Geschichtsbild des Volkes nach den Sagen der Pfalz“, die sie aber erst nach dem Krieg bei Walter Anderson in Kiel vorlegen konnte.
Prütting richtete die Schullektüre nach dem Theaterspielplan aus
Nach kürzeren Anstellungen als Lehrerin kehrte Prütting dauerhaft in ihre Heimatstadt zurück. 31 Jahre lang war sie am Burggymnasium tätig, zuletzt als Studiendirektorin. Neben ihrer beruflichen Tätigkeit engagierte sie sich auf diversen kulturellen und gesellschaftlichen Feldern, etwa in der FDP und im Kirchenchor der Stiftskirche. Ferner schloss sie sich dem Deutsch-amerikanischen Frauenclub und dem Förderverein Kaiserpfalz an.
Mit großer Hingabe widmete sie sich dem Theaterleben der Barbarossastadt, namentlich in den Reihen der Freunde des Pfalztheaters, dem 1968 ins Leben gerufenen Förderverein. Um auch ihre Schüler fürs Theater zu begeistern, richtete sie die Oberstufenlektüre am Spielplan der Lauterer Bühne aus, besuchte die Aufführungen und diskutierte sie im Unterricht.
Trotz Gehbehinderung verpasste sie keine Theaterpremiere
Den Vorsitz der Freunde hatten nacheinander Adolf Fischer, Hans Wolf und schließlich Gerhard Gilcher inne. 2009 übernahm Michael Krauß das Amt, unter dessen Ägide die Mitgliederzahl von 290 auf fast 750 Theaterfans anwuchs. Mit ihnen und zahlreichen weiteren Gleichgesinnten setzte sich Hildegunde Prütting für eine neue Spielstätte ein. Immer wieder diskutierten der Stadtrat und der Bezirksverband Pfalz, der seit 1968 die Trägerschaft des Theaters innehat, über einen Neubau. Aber erst im September 1995 wurde das neue Pfalztheater eingeweiht.
Zu dieser Zeit hatte sich Hildegunde Prütting bereits weitgehend ins zweite Glied zurückgezogen. Dennoch versäumte sie keine Premiere des Pfalztheaters – und ließ sich auch von einer altersbedingten Gehbehinderung ihre Freude an Literatur und Bühne nicht schmälern. Sie nahm wieder volkskundliche Studien auf und bemühte sich mit Erfolg um eine angemessene Präsentation eines vom Lauterer Bildhauer Leonhard Mages geschaffenen Reliefs im Foyer des neuen Theaters. Ihre letzten Lebensjahre verbrachte sie im Trippstadter Wohnstift, wo sie 2008 mit 88 Jahren starb.