Kaiserslautern Dealer-Familie geht Lockvogel auf den Leim

Ein sehr spezielles Familien-Unternehmen beschäftigt in dieser Woche die Große Strafkammer beim Landgericht Kaiserslautern. An insgesamt drei Verhandlungstagen stehen ein 54-jähriger Familienvater, sein 29-jähriger Sohn und ein Freund der Familie wegen „unerlaubten Handels mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge“ vor dem Kadi. Dazu zwei junge Holländer, die den familiären Handelsbetrieb in der Kaiserslauterer Innenstadt regelmäßig mit Marihuana, Amphetamin und anderen Drogen beliefert haben.
Es begann im Jahr 2013 auf einer Hochzeitsfeier in der Barbarossa-stadt. „Unter den anderen Gästen war auch ein junger Mann aus den Niederlanden“, erinnerte sich gestern der 54-jährige Angeklagte während seiner Einlassungen vor der Strafkammer. „Man ist so ins Gespräch gekommen, und irgendwann ging es wohl auch um Drogen. Plötzlich hat mich der Holländer gefragt, ob ich nicht ein paar Gramm Haschisch gebrauchen könnte.“ Und, wie praktisch: Der Hochzeitsgast hatte auch gleich 500 Gramm Marihuana im Gepäck, die er nicht wieder mit nach Hause nehmen wollte. Aus dem Gelegenheits-Deal wurde bald eine dauerhafte Geschäftsbeziehung zwischen dem Vereinigten Königreich der Niederlande und der Familien-Bande aus der Westpfalz. Der junge Oranier besorgte den Stoff aus heimischen Labors, ein Bekannter von ihm mit deutsch-niederländischen Wurzeln und germanischem Autokennzeichen besorgte den Transport über die Grenze. Beim obligatorischen Tausch von Ware gegen Geld war dem Kaiserslauterer Familienoberhaupt ein „alter Freund seit Kindertagen“ als so genannter Läufer zu Hilfe. Und der Sohn des Hauses war offenbar für die „Feinverteilung“ der Drogen in der Szene zuständig. Fast zwei Jahre schienen diese clandestinen Handelsbeziehungen auch ganz gut zu funktionieren. Bis im Herbst des Jahres 2014 die Rauschgift-Abteilung der Kaiserslauterer Kriminalpolizei auf den neuen Anbieter auf ihrem regionalen Markt aufmerksam wurde. Die Beamten schickten eine sogenannte Vertrauensperson auf die Spur, der sich als Kunde tarnte und bald vom Kaiserslauterer Familien-Betrieb bedient wurde. Beim ersten Mal wechselten drei Kilo Marihuana, 500 Gramm Haschisch und zwei Kilogramm Amphetamin den Besitzer. Zu einem stolzen Kaufpreis von immerhin 25.000 Euro. „Ganz zuverlässig und ohne größere Probleme“, wie sich ein Kripo-Beamter gestern vor Gericht erinnerte. Ermutigt von diesem Erfolg, orderte der angebliche Kunde einen ordentlichen Nachschlag: Ob man ihm nicht auch gleich 20 Kilo Amphetamin auf einen Schlag liefern könne, fragte der Lockvogel des Drogen-Dezernats zu Beginn dieses Jahres. Der Familien-Verbund konnte, und das wurde ihm zum Verhängnis: Am 27. Januar 2015, bei der geplanten Übergabe des stattlichen Drogen-Pakets mit einem Ankaufswert von etwa 50.000 Euro, schlug die Polizei in Kaiserslautern zu. Alle fünf Beteiligten – die beiden Holländer und die drei Kaiserslauterer – wurden festgenommen und sitzen seitdem in Untersuchungshaft. Das juristische Nachspiel dieser deutsch-niederländischen Handelsbeziehungen ist schnell berichtet: Am Montag verurteilte das Landgericht den einen Holländer und den „Freund der Familie“ zu Haftstrafen von jeweils mehr als drei Jahren. Am gestrigen Dienstag erwischte es den 54-jährigen Familienvater. Ihm brummte das Gericht als verantwortlichem Drahtzieher der illegalen Geschäfte insgesamt sechs Jahre Gefängnis auf. Heute stehen sein stolzer Nachwuchs und der deutsch-niederländische Kurier vor der selben Strafkammer. Auch wenn ihre Strafen noch ausstehen, scheint zumindest eines schon jetzt sicher: Die nächsten Treffen dieser wackeren Kaiserslauterer Familie müssen wohl im Besuchsraum einer Haftanstalt stattfinden.