Kaiserslautern Das vertraute Sammelsurium

Die Pirmasenser Fototage starteten 2008 als eher regionales Ereignis für die lokale Fotoszene mit einem zusammenhanglosen Sammelsurium an Fotos. Morgen beginnt die vierte Auflage, die deutlich professioneller wurde und aus dem Bereich der populären Fotografie echte Stars nach Pirmasens geholt hat. Über 100 Fotografen zeigen rund 800 Bilder an elf Orten in der ganzen Stadt.
Im Vorfeld hatte es lange ausgesehen, als ob es keine vierte Auflage des Ereignisses geben wird. Immerhin kostet die dreiwöchige Ausstellung mit Workshops, Überblendshows und Preisverleihung mit 50.000 Euro einiges an Geld, das gerade die Stadt Pirmasens eigentlich nicht haben dürfte. Im Pirmasenser Rathaus sieht man die Fototage jedoch als Imagewerbung für die Stadt und streckte lieber den Veranstaltungsrhythmus von einst jährlich auf zweijährlich. Nun gibt es nach drei Jahren die nächste Auflage. Es wird wieder eine Veranstaltung der Superlativen, wenn man den Ankündigungen der Verantwortlichen glauben will. Der „weltgrößte Fotowettbewerb“ wird die 100 besten Fotos der Welt in Pirmasens zeigen, die in einem Online-Wettbewerb eines Linzer Veranstalters ermittelt wurden. Auf jeden Fall ohne jeden Zweifel von einer seltenen Spitzenqualität sind die Aufnahmen der Gesellschaft Deutscher Tierfotografen (GDT), die von ihrem europäischen Wettbewerb die besten Arbeiten mit nach Pirmasens bringen wird. Dazu kommen einige chinesische Fotografen, ein Luxemburger Fotoclub nimmt teil, und rumänische Fotografen haben auch Aufnahmen in die Westpfalz geschickt. Alles zusammen werden es wieder über 100 Fotografen sein. Die genaue Zahl kennen auch die Veranstalter nicht. Bei der Zahl der zu sehenden Fotos hat der Pirmasenser Oberbürgermeister die Grenze bei 800 gesetzt. Nachdem 2011 mit über 1600 Fotos so viele Aufnahmen gezeigt wurden, dass sich selbst ausstellende Fotografen ob der Masse beschwerten, soll diesmal „Qualität statt Quantität“ gelten, so die Devise des Oberbürgermeisters. Der Maxime fiel dann auch ein großer Teil der lokalen Fotoamateure zum Opfer, da schlicht nicht genug Platz ist. Foto-Laien aus Ludwigshafen oder Homburg werden trotzdem wieder mit von der Partie sein, ebenso blieben die Verantwortlichen der Grundkonzeption vieler Ausstellungsorte treu, mit der die Fotografie den Bürgern quasi in Alltagssituationen nahe gebracht werden soll. Also gibt es auch in diesem Jahr Sonderschauen in der Sparkasse, dem Krankenhaus, der Stadtmission oder einer Sportsbar. Die vielleicht zu illustren Ausstellungsorte wie Fitnessstudios oder Amtsgerichtsflure wurden gestrichen. Die Besucherzahlen werden in die Tausende gehen. Dafür sorgt allein die Hauptausstellung auf dem Gelände der Pirmasenser Messe, wo vom 29. Oktober bis 2. November die Verbrauchermesse Hageha ebenfalls stattfindet und für entsprechenden Andrang sorgen wird. 400 Bilder sollen in einer Messehalle gezeigt werden, und hier werden die Fototage wieder das gewohnte Sammelsurium bieten, das der Besucher aus den Vorjahren schon kannte. Die Tierfotografen stehen neben den vor allem durch die Bildbearbeitung glänzenden Aufnahmen aus dem Linzer Fotowettbewerb und einer Auswahl der Fotolandesverbände Rheinland-Pfalz sowie Saarland. Im noch neuen Kulturforum Alte Post wird der zweite Schwerpunkt der Fototage sein. Dort sollen die besten Bilder des Linzer Fotowettbewerbs zu sehen sein. Allerdings musste der „künstlerische Leiter“ der Fototage, der Pirmasenser Fotograf Harald Kröher, lange um die Öffnung der Alten Post kämpfen, die nach dem Willen des Kulturamtes echten Kunstausstellungen vorbehalten bleiben sollte. Auch wenn die Qualität des Linzer Wettbewerbs mit jährlich tausenden Teilnehmern aus der ganzen Welt nicht angezweifelt werden kann – zumindest, was die Technik betrifft – so lassen die Teilnehmer doch übliche künstlerische Fragestellungen vermissen. Gezeigt und für preiswürdig empfunden wird, was gefällt, und kaum einer der Gewinner würde es je in richtige Kunstmuseen schaffen. In Pirmasens haben sich die Verantwortlichen auf eine Vorauswahl durch einen Kunstbeirat geeinigt, der beispielsweise die sonst bei den Fototagen sehr beliebte „Fashionfotografie“ gleich mal aussortiert hat. Ihren Ruf als Forum für Fotografen vom blutigen Laien bis zum Semiprofi verteidigen die Fototage wieder mit einer Workshopreihe, die zu relativ günstigen Tarifen Einsteigern wie Fortgeschrittenen Basiswissen vermitteln sollen. Früher gab es da Workshops zu Hundefotografie und immer natürlich auch Aktkurse. Dieses Jahr reicht die Palette von Produktfotografie bis zu „Latexfashion im Studio“. Dazu gehört auch das Kolloquium am Sonntag, bei dem internationale Profis über ihre Arbeit berichten. .