Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Das Jambo-Trio aus Brasilien kombiniert Jazz und Samba einfach meisterhaft

Das Jambo-Trio aus Brasilien gastierte auf seiner aktuellen Tour auch in Kaiserslautern, wo dieses Jahr der deutschen Einwanderu
Das Jambo-Trio aus Brasilien gastierte auf seiner aktuellen Tour auch in Kaiserslautern, wo dieses Jahr der deutschen Einwanderung nach Brasilien gedacht wird, die vor 200 Jahren begann.

Jazz ist etwas Gutes. Samba ist etwas Besonderes. Wie gut und besonders muss dann sein, wenn Jazz und Samba zusammenführt werden? Die Antwort gab das brasilianische Jambo-Trio in der voll besetzten Scheune des Theodor-Zink-Museums.

Musik beginnt mit den Menschen, die sie machen. Allein in dieser Hinsicht hat die kleine Combo einiges zu bieten. Pianist Luis Henrique Neu, Bassist Everson Vargas und Schlagzeuger Ricardo Arenhaldt haben als Musiker eine erstklassige akademische Ausbildung genossen, sie sind anerkannt hervorragende Meister und Lehrer ihres Fachs. Das Trio haben sie 2019 gegründet. Es ist berühmt in ihrer Heimat, auch in anderen Teilen der Welt wird das Jambo-Trio als würdiger Vertreter seines Landes und seiner musikalischen Kultur geschätzt.

Das wäre die zweite Besonderheit: die Musik an sich. Die nämlich lässt sich nicht auf eine einzige Basis reduzieren und wirkt gerade deshalb so vielschichtig, bunt und vital. In der Tradition der Samba-Trios, wie sie in den 1950er und 60er Jahren des letzten Jahrhunderts in Brasilien en vogue waren, realisieren die drei Musiker eine in ihren Ingredienzien gut abgestimmte Melange aus Modern Jazz amerikanischer Provenienz mit südamerikanischen Epigonen und Eigenentwicklungen wie Samba, Latin Jazz und Bossa nova. Die Mischung stimmt: Das Publikum am Freitagabend in der Scheune spendete nach jedem Titel berühmter brasilianischer Meister anhaltend Applaus – auch für hoch komplexe Titel aus der Feder der international bekannten Musiker und Komponisten Baden Powell und Antônio Carlos Jobim.

Andächtige Stimmung

Die Stücke waren es nicht allein, auch die Qualität der Darbietung machte die anhaltend gute, bisweilen fast andächtig zu nennende Stimmung im Saal zu etwas Besonderem. Damit schließt sich der Kreis, man wäre bei der dritten Spezialität dieses Abends und seiner Kunst - und auch schon wieder bei den Menschen und bei Ihren außergewöhnlichen Fähigkeiten. Luis Henrique Neu, Everson Vargas und Ricardo Arenhaldt sind die perfekt ineinandergreifenden Elemente einer wie gut geölt wirkenden Maschine – nur, dass das Jambo-Trio (von der auch vertrackteste Passagen locker meisternden Spieltechnik einmal abgesehen), nicht viel von einer Maschine hat.

Im Gegenteil: Das musikalische Triumvirat schafft es, vorgegebenem Material unter Beibehaltung der ohnehin oft schon sprudelnden ursprünglichen Mentalität einen ganz eigenen interpretatorischen Stempel mit reichlich südamerikanischer Verve und viel persönlicher Vitalität aufzudrücken. Das Ergebnis ist positiv überraschend. Es war es wert, jeder ausgearbeiteten Linie und jedem Solo der Musiker aufmerksam nachzuspüren.

Mit pfälzischer Färbung

Auch außerhalb der reinen Darbietung gab es Angenehmes, so etwa allein das heimelige Ambiente der „Scheune“ und nicht zuletzt die informativen Ansagen von Schlagzeuger Ricardo Arenhaldt. Der deutschbrasilianische Musiker ist – hier besteht somit ein enger Bezug zum Rahmenthema des Konzerts – einer der Nachfahren der einst nach Brasilien ausgewanderten Deutschen, die heute einen nennenswerten Anteil an der Bevölkerung des Landes ausmachen.

Arenhaldt kommt aus einer Region Brasiliens, wo man heute noch Deutsch spricht – so wie er selbst, was er zur anerkennenden Freude des Publikums in seinen mitunter launigen, hin und wieder sogar mit einer leicht pfälzisch scheinenden Färbung versetzten Ansagen zeigte. So wurde der mit verdient im Stehen dargebrachten Applaus abgeschlossene Konzertabend in der Reihe „Neuland 200 Jahre deutsche Auswanderung nach Brasilien“ für alle Beteiligten und die für die Musiker zu etwas Besonderem und gut in Erinnerung Bleibenden.

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