Kaiserslautern „Das ist doch meine Zeit gewesen“
Da wippten und tanzten sie, sangen die Stücke textsicher mit: Liebhaber der wohl ewig beliebten Musik des weltberühmten schwedischen Pop-Quartetts tummelten sich am Samstagabend bestens gelaunt vor der Bühne der Fruchthalle. Fans zwischen acht und 80 Jahren waren mit Verve dabei. In der Pause der Cover-Konzert-Show „Abba Gold“ hat die RHEINPFALZ einigen von ihnen auf den musikalischen Zahn gefühlt.
Die Hamburgerin hat die vier schon live erleben dürfen – zu Hause in der Hansestadt, vor vielen Jahren, „vielleicht 15 Jährchen her“. Die Hauptstuhlerin hingegen ist „leider zu jung“. Leider? Nun ja, zumindest sei es schade, dass Abba allzu früh Schluss gemacht hätten. Die Hamburgerin, das ist Gisela Wagner. Vor zehn Jahren in Kaiserslautern gelandet und inzwischen in der Westpfalz heimisch geworden, hat nun die Norddeutsche am Samstagabend ein bisschen was wie einen Jungbrunnen erlebt. Junggeblieben ist sie ohnehin. „Ich kann ja kein Wort Englisch“, sagt ihre Nachbarin und Konzertbegleiterin Ruth Wendel nicht minder amüsiert. Doch die Songtitel kommen beiden prima über die Lippen. „Dancing Queen“, ja, und „Waterloo“, nennt Gisela Wagner ihre ganz persönlichen Favoriten unter einer schier endlos erscheinenden Reihe bekannter Stücke, die es in den Charts bis weit oder bis ganz nach oben geschafft haben. Das mag nun eine geraume Weile her sein. Und doch hat der bekannteste schwedische Pop-Export auch heute noch Fans, die zumindest die Anfänge nicht selbst miterlebt haben. Immerhin: Annette Bosch – zum Cover-Konzert aus ihrem Heimatort Hauptstuhl gekommen, kann sofort jenen Hit nennen, der Abba über Nacht berühmt gemacht hat. Schnell, rockig, einprägsam. Ja: Grand-Prix-Sieg. Wann? 1974? Echt lange her. „Im Nachhinein tut’s mir leid, dass ich das nicht im Original habe erleben dürfen“, sagt auch Annette Boschs Schwester. Bettina Niederelz kann da nur zu gut mitfühlen. „Wir waren 16, 17, als die noch immer auf Tour waren. Leider hat es nie geklappt.“ Da fehlt denn was in der sonst ansehnlichen Konzert-Erlebnis-Reihe: Annette Bosch etwa ist Bon-Jovi-Fan, hat Jon Bon Jovi schon in natura gesehen und gehört, ebenso Bryan Adams, Joe Cocker und noch weitere aus der Liga der ganz Großen. Und warum sind die Schwestern nicht im Look der 1970er gekommen? „Wir haben wirklich überlegt, ob wir uns so anziehen sollen. Jetzt bin ich aber froh, dass ich es nicht getan hab’ – nur die wenigsten hier tragen Zeug aus dieser Zeit“, sagt die Hauptstuhlerin, beinahe schon entschuldigend lächelnd. Kontrastprogramm: Erst vor kurzem hat sie noch in Kaiserslautern ein Sinfoniekonzert genossen, Und jetzt schwelgt sie bei Abba in Erinnerungen: Ruth Wendel zeigt sich angetan von dem Abend: „Klar, kenne ich. Das ist doch meine Zeit gewesen“, sagt die Frau, die lange im Kreis Kusel gelebt hat, jetzt auf dem Bännjerrück zu Hause ist. Sie weiß zu schätzen, was Kaiserslautern so alles zu bieten hat. Doch für das Musikerlebnis hat sie auch die Humbergturm-Wanderung sausen lassen, bei der sie gerne dabei gewesen wäre. Die Tickets hat sie sich frühzeitig gesichert. „Die Leute sind hier so gut drauf, die singen alle mit, viele tanzen auch da vorn, obwohl das ein Stuhlkonzert ist“, zeigen sich die Frauen allesamt angetan von der Konzert-Atmosphäre. Wenngleich: Ans Original reichen die Musiker nicht ran – auch wenn sie gut sind. Und wer von den wirklichen Abba-Mitstreitern war nun ihr Favorit? „Benny natürlich – sah besser aus und war der, der auch die Titel geschrieben hat. Er war ganz klar der Musikalischere“, fällt Anja Andes die Antwort nicht schwer. Nicht verwunderlich, dass gerade sie Musikalität großschreibt: Anja Andes ist Vorsitzende des Gesangvereins Siegelbach. „Doch, doch, wir haben im Chor auch schon mal Abba-Titel gesungen“, sagt sie. Das sei ja nicht gerade ungewöhnlich. Keinesfalls ungewöhnlich scheint, dass die Schar der Abba-Fans viele, fast alle Titel kennt und zu schätzen weiß. Auch über das Musical, auch über den Film mit Meryl Streep wissen die Befragten zu plaudern. „Mir gefällt das alles, wirklich alles“, bekundet Vera Webel. „Ich bin absoluter Abba-Fan, und das war auch meine Zeit.“ Verbindet sie ein besonderes Erlebnis mit einem Titel? Erster Kuss, Beziehungs-Beginn? Ende? Etwas in der Art? Da fällt ihr ebenso wenig Konkretes ein wie den anderen Abba-Liebhabern. Die hatten übrigens, wie sie sagen, ihrer Vorliebe frönen dürfen, ohne dass sich zu Hause die Eltern über die vermeintliche Hippie-Musik beschwert hätten. „Im Gegenteil“, erzählt Vera Webel lachend: „Vor einem Jahr war hier schon mal eine Abend mit Abba-Titeln. Da war meine Mutter mit ihren 79 Jahren mit dabei. Es hat nicht nur mir, es auch hat auch ihr sehr gefallen.“ Kultur REGIONAL, Nils erklärt |cha