Radsport
Das Bahnradteam und die Mission 20 Medaillen
„20 könnten wir schaffen“, wirft Frank Ziegler in den Raum. Ruhe im Kraftraum des Kaiserslauterer Heinrich-Heine-Gymnasiums. Dann bricht Luca Spiegel das Schweigen, rechnet kurz durch und stimmt seinem Trainer zu: „Das könnten wir schaffen.“ Ein gutes Dutzend Radsportler, alles Schüler oder Ehemalige des Heinrich-Heine-Gymnasiums, haben sich an ihrer Schule versammelt. Gleich ist Abfahrt zur Radrennbahn in Dudenhofen, zum letzten Training vor der DM in Büttgen.
Trainer Frank Ziegler und sein Team haben sich einiges vorgenommen für die Wettkämpfe, die am Dienstag starten. Nicht nur in Sachen Medaillen. Für so manchen Fahrer ist es die letzte Gelegenheit, sich für einen Einsatz bei der EM beziehungsweise bei der WM zu empfehlen. Und für manchen die erste DM seit langem. Zwei Jahre lang gab es coronabedingt keine deutschen Meisterschaften mehr, nur der Nachwuchs maß sich im vergangenen Jahr in Köln.
Erster großer Wettkampf
„Wir freuen uns auf die Meisterschaft“, sagt Trainer Ziegler. Für Timo Bichler ist die DM das erste große Kräftemessen seit den Olympischen Spielen in Tokio. Alle drei deutschen Anfahrer werden am Start sein, der beste darf zu den European Finals nach München und auf einen Start Mitte Oktober bei der WM in Paris hoffen. Für Torben Osterheld, Anne Slosharek und Jette Simon ist die DM die letzte Möglichkeit, sich für die Junioren-EM zu qualifizieren. Luca Spiegel ist bereits gesetzt, Jette Simon „braucht sich als amtierende Weltmeisterin keine Gedanken machen, die Nominierung für die EM und WM zu schaffen“, meint Ziegler. Simons Ziel ist es, den Titel zu verteidigen und ihr WM-Trikot noch ein Jahr zu tragen. Gute Chancen räumt der Trainer des Bahnradteams Rheinland-Pfalz auch Torben Osterheld ein. „Er ist ein starker Fahrer auf der drei, ist deutschen Rekord gefahren.“ Doch auch er müsse beim Bundestrainer einen guten letzten Eindruck hinterlassen. Für Anne Slosharek gehe es in ihrem ersten Jahr bei den Juniorinnen darum, als Vierte mit zur WM zu fahren.
Möglichst aufs Treppchen
Ziegler zählt auf das Team aus dem HHG. „Wir sind bei einer Vielzahl von Wettbewerben vertreten, wollen in möglichst allen Disziplinen aufs Treppchen fahren“, lautet seine bescheidene Vorgabe. Die Voraussetzungen dafür schätzt er als gut ein. „Die Vorbereitung lief gut, wir haben uns die Motivation an Pfingsten in Dudenhofen geholt. Mit den vielen Zuschauern war das schon eine besondere Atmosphäre.“ Was den Wettbewerb in Büttgen auf der alten Holzbahn so besonders macht, ist für ihn auch, dass die Radsportler von der Jugend bis zur Elite ihre Wettbewerbe zusammen austragen. Zusammenhalt über alle Altersstufen hinweg ist auch das Besondere für die Mitglieder des Bahnradteams. Timo Bichler und Alessa-Catriona Pröpster sind inzwischen bei der Bundespolizei, auch Henrik Hackmann ist bald Bundespolizist. Katharina Albers ist in der Sportfördergruppe der Bundeswehr. Jette Simon, Carla Tusint und Jule Märkl basteln an ihrem Abitur und bekommen alles einigermaßen unter einen Hut. „Wenn man keinen Sport machen würde, wären die Noten etwas besser, aber okay“, meint Simon, grinst und erzählt, dass sie abends und auf den Fahren zu den Wettkämpfen Schulbücher wälzt.
Die großen Vorbilder
Was alle schätzen und lieben: dass sie voneinander lernen können. Tim Herzog, der aus Konstanz stammt und ins Team aufgenommen wurde, genießt das: „Es ist schön, von den Erfahrenen zu lernen, mitzukriegen, wie es in den anderen Jahrgängen aussieht.“ Seine Teamkollegin Katharina Albers pflichtet ihm bei: „Es ist wichtig, dass wir als Team zusammenhalten. Als Team können wir besser werden, können wir uns pushen, auch im Wettkampf profitieren wir von den Stärken der anderen.“ „Es geht leichter, wenn jemand zum Beispiel beim Krafttraining danebensteht, das Gleiche macht. Da schafft man es, die letzten paar Prozent rauszuholen, die man alleine nicht erreichen würde“, sagt Timo Bichler, und Luca Spiegel nickt und grinst: „Das hätte ich nicht besser sagen können.“ „20 Medaillen ...“, rechnet er noch mal nach. „Ja, das könnten wir schaffen.“
So starten sie
Elite: Timo Bichler, Alessa-Catriona Pröpster, Katharina Albers, Henrik Hackmann
Junioren: Luca Spiegel, Torben Osterheld, Anne Slosharek, Tim Herzog
Juniorinnen: Jette Simon, Hannah Kunz, Carla Tusint, Jule Märkl, alle HHG, begleitet von Hermann Mühlfriedel, Frank Ziegler, Mechaniker Dominik Kronis und Physiotherapeutin Alexandra Welte. Außerdem dabei Emely Renz (Schülerin aus Speyer) und acht Jugendfahrer aus dem HHG, die von Aleks Udovic betreut werden.