Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Corona, Spritpreise und mögliche Mindestlohnerhöhung setzen Taxigewerbe zu

Anna Wirrer-Ohlenschläger, Geschäftsführerin der Taxi-Zentrale in einem der Fahrzeuge.
Anna Wirrer-Ohlenschläger, Geschäftsführerin der Taxi-Zentrale in einem der Fahrzeuge.

Anna Wirrer-Ohlenschläger, Geschäftsführerin der Taxi-Zentrale, sieht das Lauterer Taxi-Gewerbe auf dem Weg zur Besserung, aber noch nicht über den Berg. Die anhaltende Corona-Pandemie, steigende Spritpreise und eine mögliche Erhöhung des Mindestlohns sorgen für eine Menge Gesprächsstoff in der Branche.

„Ich hoffe, dass wir das Schlimmste jetzt hinter uns haben.“ Verhalten optimistisch schaut Anna Wirrer-Ohlenschläger in die Zukunft. Denn der Blick zurück fällt für die Geschäftsführerin der Taxi-Zentrale Kaiserslautern nicht sehr erfreulich aus: Das Gewerbe gehört auch in der Westpfalz zu den größten Verlierern in der Corona-Krise. Und schon kommen neue Herausforderungen auf die Branche zu. Die Stichworte lauten Benzinpreis-Explosion, höherer Mindestlohn und Umstieg auf die Elektromobilität.

„Umsatz-Rückgänge von rund 50 Prozent“, musste Wirrer-Ohlenschläger noch im Februar dieses Jahres vermelden. Vor allem das lukrative Nacht- und Freizeitgeschäft war für die damals 65 Unternehmer mit ihren 85 Fahrzeugen, die von der Taxi-Zentrale betreut werden, praktisch zusammengebrochen. „Wir teilen das harte Schicksal der Gastronomie“, stellte die Geschäftsführerin damals fest. Und die finanziellen Corona-Hilfen des Staates flossen für diese Branche damals eher spät und spärlich. Die ersten Taxifahrer gaben sogar ihre einstmals begehrten Lizenzen an die Stadt zurück.

Leichte Erholung seit Herbst

Die Krise schlug auch auf die Taxi-Zentrale selbst zurück. „Weniger Fahrten heißt für uns weniger Umsatz, denn wir leben von einer Provision“, rechnet die Chefin vor. Dadurch kamen die Arbeitsplätze der sieben Telefonistinnen unter Druck, die im Schichtbetrieb rund um die Uhr an der Mainzer Straße im Dienst sind. „Und Kurzarbeit war für uns keine Option, denn die meisten Kolleginnen arbeiten auf Minijob-Basis.“ Also musste auch die Taxi-Zentrale selbst beim Staat um Liquiditätshilfe nachsuchen. „Inzwischen zahlen wir sie jedoch in Raten zurück“, berichtet Wirrer-Ohlenschläger nicht ohne Stolz.

Denn neun Monate später, im November 2021, gestaltet sich der Horizont für das mobile Gewerbe etwas heller. „Die schrittweise Öffnung der Lokale seit Mitte Oktober hat sich bei uns sofort bemerkbar gemacht“, berichtet Wirrer-Ohlenschläger. „Am ersten Wochenende war sogar richtig was los. Man merkte den Nachholbedarf bei vielen Gästen.“ Daran konnten auch die Impfkontrollen und Maskenpflicht im Inneren der Fahrzeuge nichts ändern. „Nur die zeitweise geltende Vorschrift, dass niemand vorn neben dem Fahrer sitzen durfte, hat bei Diskotheken-Besuchern manchmal für Unmut gesorgt“, fügt die Geschäftsführerin hinzu. „Denn die kommen oft in Gruppen aus dem Umland und teilen sich gern ein ganzes Taxi.“

Spritpreise machen den Fahrern zu schaffen

Trotz dieser Fortschritte sind die Lauterer Taxifahrer nach Ansicht von Anna Wirrer-Ohlenschläger wirtschaftlich noch lange nicht über den Berg: „Wir liegen zurzeit vielleicht bei rund 70 Prozent der Umsätze“, hat sie errechnet, „aber gleichzeitig laufen unseren Unternehmen die Kosten davon.“ Aktuell machen vor allem die galoppierenden Benzinpreise den Betrieben zu schaffen. Und da helfen selbst die höheren Preise wenig: „Wir hatten bereits vor Corona bei der Stadt eine moderate Tariferhöhung beantragt, die dann auch genehmigt wurde und im Frühjahr in Kraft trat“, berichtet die Geschäftsführerin. „Aber diese Steigerung ist durch die Spritkosten praktisch schon wieder weg.“

Auch zu den Koalitionsverhandlungen in Berlin schauen die Taxifahrer in diesen Tagen mit gemischten Gefühlen. „Persönlich gönne ich jedem Kollegen und jeder Kollegin ein möglichst gutes Einkommen“, betont Wirrer-Ohlenschläger. „Aber wenn der gesetzliche Mindestlohn für alle Branchen wie angekündigt auf zwölf Euro angehoben wird, bedeutet das für uns weitere Preissteigerungen. Und das trifft vor allem unsere ältere Kundschaft, die oft auf ein Taxi für ihre täglichen Besorgungen angewiesen ist.“ Denn gerade die soziale Funktion ihres Gewerbes werde oft übersehen: „Das reicht vom Einkauf, den der Fahrer schon mal in die Wohnung hochträgt, bis zu den Fahrten für Kranke und Behinderte. Da geht es oft auch um menschliche Zuwendung.“

Elektromobilität ist ein wichtiges Thema

Und dann ist da noch der bevorstehende Wechsel zur Elektromobilität, der auch auf die Taxifahrer zukommt. „Bisher reagieren unsere Mitglieder noch etwas zurückhaltend“, beobachtet die Geschäftsführerin, „vor allem wohl wegen der kürzeren Reichweiten.“ Deshalb gebe es in Kaiserslautern bislang nur wenige Fahrzeuge mit Hybrid- oder gar voll elektrischem Antrieb, obwohl sie gerade für Stadtfahrten gut geeignet seien. „Aber ich bin sicher, dass sich das bald ändert“, glaubt Wirrer-Ohlenschläger, „denn inzwischen fragen sogar manche Kunden bei der Buchung danach.“ Auch die Zahl der Elektro-Tankstellen nehme im Stadtgebiet in jüngster Zeit spürbar zu, hat sie beobachtet. „Und gerade vergangene Woche hat sich wieder ein Kollege ein neues Hybrid-Fahrzeug bestellt“, fügt sie hinzu.

Die Serie

„In der Krise“ – unter diesem Titel berichtete die RHEINPFALZ im vergangenen Jahr über mittelständische Unternehmen in der Region, die mit der Corona-Pandemie zu kämpfen hatten. Heute fragen wir bei einigen davon nach: Wie geht es den Betrieben jetzt, sind sie inzwischen wieder auf Wachstumskurs? Und welche Spuren hat die Krise bei ihnen hinterlassen?

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