Kaiserslautern
Comedy im Kulturzentrum Kammgarn
An diesem Abend galt: so viele Glückshormone wie möglich fürs neue Jahr sammeln. Und wo geht das wohl besser als bei NightWash? Der Neujahrsempfang mit dem Kölner „Waschsalon“ war entsprechend restlos ausverkauft – so restlos, dass noch Extra-Hocker an die Seite platziert werden mussten. Einen besseren Start in die Saison hätten die Lautrer ihrem Kulturzentrum also kaum bescheren können. Und bekommen haben sie zwei Stunden Comedy-Gold – und goldenes XXL-Haar.
Aber zuerst testete der Moderator des Abends Jan van Weyde vor aller Augen die Elastizität seiner nachweihnachtlichen Plauze. „Ist schon scheiße, wenn der Bauch länger wackelt, als man sich bewegt“, kommentierte er dabei. „Die Brüste wackeln auch. Wenn ich zuhause mit dem Rücken zum Router stehe, habe ich vorne kein W-Lan mehr.“ Und dann redete er über … naja … die Leichtigkeit seines Stuhlgangs. „Hab’ ich grad übers Kacken geredet? Das war gar nicht meine Absicht. Schönen Start ins neue Jahr.“ Ach was. Nach so vielen Jahren zwangsverordneter Bühnenabstinenz und Publikumsentzug hat eben auch ein Komiker Gesprächsbedarf. Aber es ging Gott sei Dank nicht nur übers K-Wort. Es ging auch über vorderpfälzische Dialekte, seltsame Lacharten, noch seltsamere Sprachnachrichten vom Vater bei Whatsapp, Babys kaufen und verkaufen auf dem Kinderflohmarkt und vom Satan besessene Kleinkinder, die mit teuflischer Stimme noch eine „Biene Maja“-Folge fordern.
Alltag mit Tourette
Danach erzählte Ben Schafmeister, Ex-Flink-Lieferservice-Mitarbeiter, von seinem Alltag mit Tourette – aber nicht den mit den unkontrollierten Beleidigungen, sondern mit den unkontrollierten Zuckungen. Beim Autofahren ganz schlecht. Bei intimen Momenten noch schlechter. „Letztens meinte eine zu mir: Ben, du siehst beim Sex immer ein bisschen so aus, als würdest du dich permanent nach besseren Optionen umschauen.“
Und weil wir anfangs schon mal beim „Kacken“ waren: Yorick Tiede erzählte, wie er bei seinem ersten – und einzigen – Urlaub mit seinen beiden Kumpels Melvin und Mo eine traumatische Erfahrung mit seinem Allerwertesten machen musste, als er auf dem Flug in die Türkei eine in Frischhaltefolie eingewickelte „Drogen-Tampon-Rakete“ durch die Flughafenkontrolle schmuggeln wollte. „Schritt 1: Man muss sich relaxen. Falls sich jemand gefragt hat, ob das geht: Es geht nicht.“ Die Moral von der Geschicht: „Es hat geklappt“ und „ich hab’ mit Drogen überhaupt nix mehr am Hut … mittlerweile.“
Unruhe im Alltag
Aber der optische und rhetorische Glanzpunkt des Abends war ganz klar Pam Pengco – alias „die Katy Karrenbauer der Travestie.“ „Ich stell’ mal den Ständer auf die Seite, sonst seht ihr mich nicht“, fürchtete die „Grande Dame“ in Drag. Und schon machte sie sich daran, das Lautrer Publikum zu begrüßen und zu begutachten. „Im Fernsehen werden die schönen Menschen immer in die erste Reihe gesetzt. Aber wir sind ja nicht im Fernsehen.“ Jawoll! Gleich mal alle im Publikum auf einen Schlag beleidigt. Das muss man erst mal schaffen.
Aber Pam Pengco ist als Drag-Königin ja nun alles andere als auf den Mund gefallen. Ihr Lebensmotto: Unruhe in den Alltag bringen. Wie das geht, verriet sie anhand einiger praktischer Beispiele: einfach Mal im Drogeriemarkt einem wildfremden Pärchen einen Schwangerschaftstest in den Einkaufskorb schmeißen. Oder ein Instagram-Foto, auf dem vier Frauen zu sehen sind, mit dem Satz kommentieren: „Ihr drei seht geil aus.“ Oder: Den Chef mal fragen, was er beruflich macht. Würde richtig Spaß machen, sagt Pam. Also einfach mal ausprobieren – auf eigene Gefahr.
Blonde Göttin
Ja, die kesse Dragqueen wirbelte das NightWash-Gag-Feuerwerk ganz schön auf, lotete die fein abgesteckten Humor-Grenzen aus und holte ordentlich Kölner Extravaganz ins prüde Lautern. Selbst dem konservativsten Gast im Raum blieb nichts anderes übrig, als sich dem einnehmenden Charme der blonden Göttin zu ergeben, während sie einen „Hat sie nicht gesagt“-Moment nach dem anderen raus haute. Etwa mit der Offenbarung, dass sie ihre „Brüste in Köln“ vergessen hat. „Das Schöne ist: Man kann auf meinen Brüsten schlafen, und ich muss mit ihnen nicht in einem Raum sein.“
Wer nach dieser Show immer noch ein Problem mit dem Konzept „Dragqueen“ hat, dem entgegnet Pam: „Ganz ehrlich, bei Arielle hat’s doch auch keinen gestört, dass sie einen Schwanz hat. Bei mir ist halt nur das Verhältnis anders.“ Eben! In diesem Sinne: Auch Drags können Gags. Vielleicht auch bei der nächsten NightWash-Show.