Kaiserslautern Chorgesang mit Herdengeläut

Mit den Wellküren, den Schwestern Bärbie, Burgi und Moni Well aus Bayern, haben sich drei Geister zusammengefunden, die sich ein gerüttelt Maß an Unabhängigkeit, Naivität und infantiler Lust bewahrt haben, um sich ihrer Musik und ihrem Wortwitz im ursprünglichen Sinne des Wortes spielend zu nähern. Das Publikum folgte ihnen am Mittwoch im Ramsteiner Haus des Bürgers fasziniert.
Sie singen im dreistimmigen Harmoniegesang, sie jodeln, jauchzen und tragen ihr Herz auf der Zunge. Dabei sind sie frech und vorwitzig wie Oskar (im positiven Sinne) und halten nichts von Political Correctness. Es gehe nicht weiter in Bayern, schimpfen sie, die aus der berühmten Familie Well mit 15 Geschwistern stammen. Der Seehofer führe sich auf wie ein Alleinherrscher, um dessen Gesundheit sie sich sorgten. „Der vergisst ja alles. Der redet ja heute so und morgen so“, meint Moni verschmitzt. „Der leidet genau wie sein Kronprinz Markus Söder an hormoneller Demenz.“ Der könne „überhaupt nix“, schimpft sie sich in Rage. Darum haben die drei Damen Bayerns „einzig wahre Schwesternpartei“ gegründet und kämpften fünf Jahre lang in 300 Wahlkampfveranstaltungen „für Freiheit, Gleichheit und Stubenmusik“. Alle Well-Schwestern sollten ein Ministerium bekommen, war ihr Plan. Die Brüder von der „Biermösl-Blosen“? Die wären als Sekretäre gut genug gewesen. Aber Bayern sei einfach noch nicht reif genug gewesen für Frauenpower und den politischen Wechsel. Am Ende hat alles nichts genützt. Welche Lehre ziehen die munteren Schwestern aus dieser Niederlage? Sie lassen sich nicht unterkriegen. Die Menschen, insbesondere in Bayern, erreicht man nicht übers Hirn. Wie sonst wäre das Wahlergebnis, die Agrar-, Klima-, Bildungs- und Familienpolitik zu erklären? Es kann also nur übers Herz funktionieren. Also verlegen sie sich ab sofort aufs Singen. Stubenmusik präsentieren sie. Und da sind sie ganz großartig. Ihre Lieder sind keine Kunstgesänge, sondern Heimatlieder, Herzensergüsse. Der fröhliche Chorgesang mit „Herdengeläut“ versetzt das andächtig lauschende Publikum wie mit einem Zauberschlag in heimatliche Gefilde. Aber nicht lange. Denn ihre Texte sind frech und nicht immer ganz stubenrein. „I was nit, wen i heiraten soll“, singt Bärbie mit dem blauen Kleid, „mi doacht, mir bleib’n alloa“. Burgi im roten Kleid liegt die Homöopathie am Herzen. „Wenn aber das nicht hilft, dann hilft dir die Stubenmusi. Das ist die beste Empfängnisverhütung“, behauptet sie. „I bin a guter Verlierer“, intoniert Moni im grünen Kleid, die mit ihrem unbändigen Temperament und ihren pfiffigen Augen stets gegen den Stachel löckt. „Von der Halskette bis zur Unschuld, verlieren ist meine Passion.“ Alles wird verballhornt, gegenseitiges Foppen ist an der Tagesordnung des lustigen Dreigestirns. Dabei begleiten sich die feschen Multiinstrumentalistinnen virtuos auf Harfe, Gitarre, Tuba, Saxofon, Akkordeon oder Posaune. Moni hämmert sogar wie ein Daniel Düsentrieb auf dem Hackbrett herum. Aber ihre Stimmen sind das beschwörendste aller Instrumente. Das war Wellness für die Seele, Kosmetik fürs Herz, Pediküre und Maniküre für den kritischen Verstand. Stehend applaudierten die Zuschauer am Schluss. Drei Zugaben.