Kaiserslautern / Saarbrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Chefdirigent Pietari Inkinen verabschiedet sich von der DRP

Dirigiert die Deutsche Radio Philharmoinie (DRP) Saarbrücken-Kaiserslautern ein letztes Mal am 11. April in Kaiserslautern und a
Dirigiert die Deutsche Radio Philharmoinie (DRP) Saarbrücken-Kaiserslautern ein letztes Mal am 11. April in Kaiserslautern und am 16. Mai in Saarbrücken: Pietari Inkinen.

Chefdirigent Pietari Inkinen verlässt zu Saisonende die Deutsche Radio Philharmonie Saarbrücken-Kaiserslautern. Ein Gespräch vor dem letzten Konzert in Lautern.

Herr Inkinen, was werden Sie am 11. April für uns spielen?
Wir eröffnen den Abend mit der sinfonischen Dichtung „Tapiola“ von Sibelius. „Tapio“ ist im Finnischen der Waldgeist und Namensgeber dieses Werks. Der gesamte Abend steht unter dem Titel „Waldgeister weben heimlich in dem Dunkel“. Mit diesem letzten Meisterwerk für Orchester beschließe ich meinen Sibelius-Zyklus mit der DRP. Darauf folgt Rachmaninows 4. Klavierkonzert mit dem wunderbaren Alexei Volodin, und den Abschluss bildet Tschaikowskis 6. Sinfonie.

Warum haben Sie diese Werke ausgewählt?
„Tapiola“ ist eines der wenigen Werke von Sibelius, das ich bislang noch nicht mit der DRP dirigiert habe. Es ist zugleich sein letztes Orchesterwerk und bildet gemeinsam mit Tschaikowskis letzter Sinfonie einen schlüssigen dramaturgischen Bogen für diesen Abend. Die „Pathétique“ ist eines der eindringlichsten sinfonischen Werke überhaupt, voller Tragik und innerer Zerrissenheit. Rachmaninows 4. Klavierkonzert hingegen bringt eine große klangliche und rhythmische Vielfalt ins Programm und passt hervorragend zu dem großartigen Alexei Volodin.

Schätzt die Spätromantik: Pietari Inkinen.
Schätzt die Spätromantik: Pietari Inkinen.

Haben Sie schon vorher mit dem Pianisten Alexei Volodin zusammengearbeitet?
Ja, wir kennen uns gut und haben bereits mehrfach zusammen musiziert, unter anderem auch in Japan. Mit der Deutschen Radio Philharmonie haben wir vor drei Jahren Rachmaninows zweites Klavierkonzert aufgeführt. Es ist immer eine große Freude, mit ihm zu arbeiten.

Haben Sie einen künstlerischen Schwerpunkt auf spätromantischer Musik?
Das kann man so sagen, die Spätromantik spielt in meinem Repertoire tatsächlich eine große Rolle.

Was fasziniert Sie an der spätromantischen Musik?
Die Spätromantik berührt unmittelbar. Sie trifft sofort ins Herz. Sowohl Menschen, die vielleicht zum ersten Mal in einem Konzert sind, als auch Kenner können von dieser Musik sofort mitgerissen werden. Und es macht einfach großen Spaß, nicht nur mir, sondern auch dem Orchester, diese Stücke immer wieder zu spielen und mit dem Publikum zu erleben.

Bilden Werke finnischer Komponisten einen besonderen Schwerpunkt Ihres künstlerischen Schaffens als Dirigent?
Ja, besonders natürlich die Werke von Jean Sibelius. Wie gesagt, habe ich mit der DRP fast seine gesamten Orchesterwerke dirigiert. Auch international ist es mir ein großes Anliegen, Sibelius einem breiten Publikum näherzubringen, egal ob in Europa, Asien, in den USA, Australien oder Neuseeland.

Pietari Inkinen (rechts) mit Pianistin Anna Vinnitskaya bei einem DRP-Konzert im November 2024 im SWR-Studio Kaiserslautern.
Pietari Inkinen (rechts) mit Pianistin Anna Vinnitskaya bei einem DRP-Konzert im November 2024 im SWR-Studio Kaiserslautern.

Sie beenden in dieser Spielzeit Ihre Tätigkeit als Chefdirigent der Deutschen Radiophilharmonie Saarbrücken Kaiserslautern. Was waren Höhepunkte Ihrer Zusammenarbeit?
Es gab so viele Höhepunkte in Saarbrücken, Kaiserslautern, Mannheim oder Mainz, dass es schwierig ist, einzelne Konzerte hervorzuheben. Für mich waren unsere zwei Südkorea-Tourneen im Jahr 2018 und 2023 sicher zwei große Highlights. Aber auch andere Höhepunkte mit fantastischen Solisten gab es viele, ob „daheim“ oder bei unseren Gastkonzerten in Sälen wie dem Großen Festspielhaus Salzburg, der Alten Oper Frankfurt oder dem Festspielhaus Baden-Baden.

Wie haben Sie zum Dirigieren gefunden? Sie haben doch zuerst Violine und Klavier studiert? Und Sie haben als Jugendlicher in einer Rockband gespielt?
Ich habe mit vier Jahren angefangen, Violine und Klavier zu lernen. Mein Studium des Dirigierens begann mit 14 Jahren, und zwar an der Sibelius-Akademie. Die Idee unseres berühmten Professors Jorma Panula war es, junge talentierte Musiker so früh wie möglich auch mit dem Dirigieren vertraut zu machen. Ich hatte großes Glück, Teil dieses sehr fruchtbaren und erfolgreichen Systems zu sein. Panula legte großen Wert darauf, dass wir möglichst viel Erfahrung mit Orchesterinstrumenten sammeln. Ich habe tatsächlich nicht nur Violine, sondern auch Horn und Pauke gespielt. Bevor ich meine Laufbahn als Dirigent begonnen habe, habe ich Geige bei Zakhar Bron in Köln studiert, viele Solokonzerte gespielt und CDs aufgenommen. In den Anfangsjahren meiner Karriere habe ich viel gespielt, und langsam verschob sich das Gleichgewicht immer mehr in Richtung Dirigieren.

In einer Rockband habe ich tatsächlich während meiner Schulzeit gespielt. Unsere Band spielte bei Schuldiscos, mein Instrument war die E-Gitarre. Ich erinnere mich noch sehr lebhaft daran, wie ich mit zwölf Jahren für eine Schulparty vor vollem Haus und jubelndem Publikum spielte. Ich fühlte mich wie ein echter Rockstar im reifen Alter von zwölf!

Inkinen war seit 2017 Chefdirigent der DRP.
Inkinen war seit 2017 Chefdirigent der DRP.

Was ist Ihnen wichtig, wenn Sie dirigieren?
Ich lege großen Wert auf die klangliche Vorbereitung und darauf, dass jedes Stück eine passende Farbpalette erhält. Trotz guter Vorbereitung des Orchesters ist mir außerdem eine gewisse Spontaneität am Abend wichtig. Ich erwarte eine schnelle Reaktionszeit vom Orchester, es soll blitzschnell im Moment reagiert werden können. Jedes Konzert ist einzigartig, und so ergibt sich eine spannende Aufführung.

Sie haben bereits den „Ring“ bei den Bayreuther Festspielen dirigiert. Was interessiert Sie mehr – Oper oder Sinfonik?
Das kann ich so nicht sagen. Beides bildet wichtige Pfeiler meiner Karriere. Ich war in den letzten Jahren Chefdirigent mehrerer großer Sinfonieorchester, und dementsprechend lag der Fokus natürlich auf Sinfoniekonzerten. Aber regelmäßig Oper und besonders Wagner zu dirigieren, ist mir sehr wichtig. Abgesehen von der Bayreuther „Walküre“ und dem „Ring“ habe ich zuletzt „Tannhäuser“ an der Deutschen Oper Berlin dirigiert und freue mich schon sehr auf eine Vorstellungsserie von „Die Walküre“ in Peking in zweieinhalb Wochen.

Inkinen war auch in der Nachwuchsarbeit aktiv, hier 2019 bei einer Probe für ein „Konzert für junge Ohren“ der DRP in Kaiserslau
Inkinen war auch in der Nachwuchsarbeit aktiv, hier 2019 bei einer Probe für ein »Konzert für junge Ohren« der DRP in Kaiserslautern.

Wohin wechseln Sie nach Ihrer Tätigkeit in Kaiserslautern und Saarbrücken? Was sind Ihre weiteren Pläne?
Ich werde in der kommenden Spielzeit erstmal viel gastieren. Mein Kalender ist gefüllt mit Konzerten in ganz Europa, den USA und Asien.

Termine

Mit dem Sinfoniekonzert am 11. April 2025 um 19.30 Uhr in der Fruchthalle Kaiserslautern präsentiert die Deutsche Radio Philharmonie unter der Leitung von Pietari Inkinen ein Programm, das Naturmystik und emotionale Tiefgründe vereint. Es stehen Werke von Jean Sibelius, Sergej Rachmaninow und Peter Tschaikowsky auf dem Programm. Als Solist ist der international gefeierte Pianist Alexei Volodin zu erleben. Karten gibt es in Kaiserslautern in der Tourist-Information, Fruchthallstraße 14, Telefon 0631 365-2316, beim Thalia Ticketservice oder im Internet unter www.eventim.de.
Sein Abschiedskonzert in Saarbrücken gibt Inkinen am Freitag, 16. Mai, 20 Uhr, in der Congresshalle. Auf dem Programm: Gustav Mahler (Sechs Lieder aus „Des Knaben Wunderhorn“) und Bruckners Sinfonie Nr. 7 E-Dur. Karten gibt es hier im RHEINPFALZ Ticketservice.
Zuvor dirigiert Pietari Inkinen in Saarbrücken am 8. Mai, zum Kriegsende vor 80 Jahren, im Großen SR-Sendesaal ein Sonderkonzert gegen Antisemitismus und für interreligiösen Dialog. Das Konzertprogramm vereint vier Werke: Pavel Haas’ „Studie für Streichorchester“ entstand in Theresienstadt und wurde unter unmenschlichen Bedingungen uraufgeführt. Erich Wolfgang Korngolds im Exil entstandenes „Violinkonzert D-Dur op. 35“ zeigt, wie ein vertriebener Künstler seine musikalische Heimat neu definieren musste. Auch Gideon Kleins „Partita für Streicher“ ist aus dem Lager Theresienstadt überliefert. Zum Abschluss erklingt Korngolds „Thema und Variationen op. 42“. Karten gibt es online, ebenfalls via rheinpfalz.de/ticket. Das Konzert wird auch live im Radio SR-Kultur übertragen.

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