Fragen und Antworten RHEINPFALZ Plus Artikel Busverkehr: Größte Fahrplanumstellung in Kaiserslautern seit über 25 Jahren

An der Haltestelle Fackelbrunnen Süd fahren unter anderem die Busse nach Hohenecken, Dansenberg und Erfenbach ab.
An der Haltestelle Fackelbrunnen Süd fahren unter anderem die Busse nach Hohenecken, Dansenberg und Erfenbach ab.

Mehr Busse, neue Linien, andere Takte: Ab 3. Mai weiten die SWK ihr Angebot aus. Was das für die Anbindung der Vororte, des Pfaff-Geländes und des Hauptbahnhofs bedeutet.

Was jetzt passiert, ergibt sich aus dem neuen Nahverkehrsplan, den der Stadtrat im Jahr 2024 beschlossen hat und der jetzt schrittweise umgesetzt wird. Der Busverkehr in Kaiserslautern wird deutlich ausgebaut. Die RHEINPFALZ hat sich mit Boris Flesch, Bereichsleiter der SWK Verkehrs-AG, unterhalten.

Was ist ab 3. Mai die größte Neuerung in dem sternförmigen Liniennetz?
Flesch ist froh, dass ab dem 3. Mai nach jahrelangen Bauarbeiten die Haltestellen in der neuen Stadtmitte in vollem Umfang genutzt werden können. So gut wie alle Stadtbusse halten entweder um den Fackelbrunnen, an den Bussteigen unterhalb des Rathauses und am Schillerplatz. Lediglich die Linie 109, die nach Otterberg fährt, hält weiterhin in der Maxstraße. „Wir haben jetzt kürzere Umsteigewege und klarere Fahrtbeziehungen, in der Regel muss man nicht länger als drei Minuten auf einen Anschluss warten“, so Flesch.

Auf was dürfen sich die Fahrgäste freuen?
Aktuell legen die Verkehrsbetriebe mit ihren Bussen im Jahr drei Millionen Kilometer zurück, in Zukunft werden es 300.000 Kilometer mehr sein. Das ist eine Erweiterung des Angebots um zehn Prozent. Möglich wurde das auch, weil die SWK Verkehrs-AG im Oktober 2025 für weitere 15 Jahre mit den Verkehrsleistungen in der Stadt beauftragt wurde und die Stadt den Ausbau des ÖPNV bezuschusst.

Vor allem die Ortsbezirke sollten profitieren. Ist das der Fall?
„Eindeutig ja“, sagt Flesch. In Hohenecken und Dansenberg fahren die Busse künftig werktags und samstags im Halbstundentakt. Siegelbach bekommt ein paar Fahrten dazu. Erfenbach, Erlenbach und Morlautern sind schon gut angebunden, auf den Linien 108 und 112 gibt es eine Taktverdichtung am frühen Abend und am Samstagnachmittag.

Welche Veränderungen gibt es auf der Linie 101?
Die Linie 101 wird künftig nicht mehr nach Hohenecken fahren. Stattdessen verkehrt die Linie 111 im regelmäßigen Halbstundentakt nach Hohenecken, abwechselnd über die nördliche Burgherrenstraße oder über den Unterwald. Die Linie 101 wird dafür öfter das Industriegebiet Nord anfahren und auch täglich sechs Fahrten mehr in die Von-Miller-Straße zu Ikea und Amazon sowie in das Gewerbegebiet Einsiedlerhof übernehmen.

Und was ist mit Mölschbach?
Dort steigt das Angebot um 27 Prozent. „Wir haben auf der Linie 106 von Montag bis Freitag durchgehend den Stundentakt, wenn sie mit der Linie 109 verknüpft ist“, so Flesch. Dann fährt sie auch über den Hauptbahnhof. Fahrgäste, die zur Stadtmitte wollen, können sitzenbleiben: Der Bus fährt weiter als Linie 109 über die Maxstraße bis nach Otterberg. Diese Linienverknüpfung bringt auf der ganzen Strecke viele Vorteile, auch für die Anbindung an die RPTU und die Forschungsinstitute“, betont Flesch.

Auf welcher Linie gibt es die größte Umstellung?
Ganz massiv ist die Umstellung laut Flesch auf der Linie 102 in Richtung Betzenberg. Dort wird von Montag bis Freitag zwischen 7.30 Uhr und 20 Uhr der gesamte Fahrplan um acht Minuten verschoben. Die Abfahrtzeiten ab Stadtmitte sind dann zu den Minuten 08, 23, 38 und 53. In Überlagerung mit den Linien 105, 107 und 115 entsteht somit zwischen Stadtmitte und Hauptbahnhof ein 7,5-Minuten-Takt.

Profitiert auch das Westpfalz-Klinikum?
Ja. Ab dem Hauptbahnhof fahren die Busse der Linie 102 nicht mehr über die Richard-Wagner-Straße, sondern über die Rudolf-Breitscheid-Straße und den Pfaffplatz zur Haltestelle am Schillerplatz. Das verbessert auch die Anbindung des Klinikums.

Wird das Pfaffgelände mit dem medizinischen Zentrum ebenfalls besser angebunden?
In der Königstraße und der Hohenecker Straße kommt es durch die Überlagerung der Linie 103 aus Dansenberg mit der Linie 111 (Hohenecken) tagsüber zu einem gleichmäßigen 15-Minuten-Takt. Außerdem erhält die Linie 117, die halbstündlich verkehrt, einen komplett neuen Linienast. Der Bus fährt Flesch zufolge vom Schillerplatz über den Hertelsbrunnenring in den PRE-Park und von dort über die Barbarossastraße an den Hauptbahnhof. Dort endet die Linie 117 nicht wie bisher, sondern fährt nun weiter über die Königstraße bis zur Endhaltestelle auf dem Bännjerrück in der Merseburger Straße. Damit gibt es laut Flesch erstmals eine Direktverbindung vom Bännjerrück zum Hauptbahnhof.

Gibt es weitere Veränderungen?
Ja, bei den Linien 105 und 107. Diese fahren nach Angaben von Flesch künftig montags bis freitags über den Campus der Hochschule. Sie biegen stadteinwärts von der Alten Brücke kommend an der Kammgarn rechts ab und halten dann an der neuen Haltestelle Hochschule Mensa. „Dadurch werden wir zu den Hauptverkehrszeiten pünktlicher, weil wir nicht mehr in der Lauterstraße im Stau stehen“, so Flesch. Von der Mensa aus fahren die Busse über die neue Haltestelle Mühlstraße geradeaus bis zum Fackelbrunnen. Dadurch gibt es zwischen Meuthstraße und Maxstraße auf der Burgstraße Linienverkehr entgegen der Einbahnstraße.

Gibt es Linien, die von der großen Umstellung nicht betroffen sind?
Ja, die Linien 113, 114, 115 und 116.

Wie geht es jetzt weiter?
„Das sind erste Schritte“, sagt Flesch. Wenn die Neuerungen angenommen werden und mehr Menschen auf den Bus umsteigen, könnten vielleicht schon im Jahr 2027 weitere Verbesserungen folgen. Definitiv seien die neuen Fahrpläne nicht in Stein gemeißelt. „Wenn nötig, werden wir nachbessern“, so Flesch.

Braucht die SWK Verkehrs-AG mehr Personal und neue Busse, um den ÖPNV-Ausbau zu stemmen?
„Unser Fuhrpark umfasst derzeit 68 Busse, im August kommen sechs neue E-Busse hinzu. Fahrpersonal haben wir in den vergangenen sechs Monaten sukzessive neu eingestellt, weitere Bewerbungsverfahren laufen“, so der Chef der Verkehrs-AG.

Ist bekannt, wie viele Menschen den ÖPNV in Kaiserslautern nutzen? Und welche Wünsche gibt es für die Zukunft seitens der Verkehrs-AG?
„Wir wissen, dass wir täglich im Schnitt 40.000 Fahrgäste befördern. Da sind natürlich Mehrfachnutzer dabei, manche Menschen machen ja drei Fahrten am Tag. Ein Problem ist, dass wir für das größere Angebot zwar Zuschüsse von der Stadt bekommen, einen Großteil aber auch selbst erwirtschaften müssen. Wer will, dass die Ausweitung des Angebots bleibt, sollte öfter den Bus nehmen“, betont Flesch.

Wie sind die Reaktionen auf die bessere Anbindung?
Oberbürgermeisterin Beate Kimmel betont: „Mit diesen Maßnahmen setzen wir ein klares Zeichen für die Mobilität der Zukunft in Kaiserslautern. Wir schaffen nicht nur ein attraktives Angebot für unsere Bürgerinnen und Bürger, sondern leisten auch einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz.“ SWK-Vorstand Arvid Blume erklärt: „Der Start des neuen Nahverkehrskonzeptes sowie die Fertigstellung der neuen Stadtmitte sind wichtige Schritte für die Zukunft unserer Mobilität in Kaiserslautern. Gerade im Jubiläumsjahr der Stadt ist das ein tolles Zeichen.“ Holger Munderloh, Verkehrsexperte bei den Grünen, sieht im Fahrplanwechsel „echte Fortschritte“. Zumindest auf einzelnen Linien fahren die Busse nun stadtein- und stadtauswärts identische Wege, was aus seiner Sicht wichtig ist. Bislang sei das Liniennetz für viele Fahrgäste nicht verständlich gewesen. „Wir hatten gefordert, dass die Linienführung leichter merkbar ist – da läuft einiges in die richtige Richtung.“ Kritisch sieht Munderloh, dass beispielsweise die Linie 4 weiterhin unterschiedliche Endstationen ansteuert. Für die Zukunft wünscht er sich mehr Direktverbindungen vor allem aus den Stadtteilen zum Hauptbahnhof, eine bessere Anbindung des Kolpingplatzes sowie insgesamt mehr umsteigefreie Verbindungen. Klar ist für ihn: „Das ist ein Einstieg – der Ausbau muss weitergehen und der ÖPNV insgesamt muss noch komfortabler werden.

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